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Über die Holzarten der Tafelbilder Cranachs

(Paolo Cadorin und Monique Veillon) Anmerkungen S. 791

Von 118 Cranach-Bildern, die in Basel ausgestellt und deren Rückseiten zugänglich waren, sind
nach unserer Untersuchung1 77 auf Rotbuchenholz, 33 auf Lindenholz. 6 auf Nadelholz und 2
auf Eichenholz gemalt. Die Häufigkeit von Rotbuche ist im 16. Jahrhundert nicht nur für
Deutschland, sondern für ganz Europa einmalig2. Vereinzelt haben der tschechische Meister
Theoderich im 14. Jahrhundert3, später M. Schongauer4. H. Holbein d.Ä.5 und d.J.6 und der
Meister von Messkirch7 auf Buchenholz gemalt; A. Altdorfer benutzte einmal Buchenholz als
Träger von Pergament8. Bei anonymen Meistern, die Buchenholz verwendeten, stellt sich
meistens eine stilistische Nähe zur Cranach-Werkstatt heraus9. L. Cranach d.Ä. benutzte
Buchenholz einige Male bereits 1501/02 (FR. 1) und 1504 (FR. 10), als er in Wien arbeitete und
gemäss dem dortigen Lokalbrauch sonst zu Nadelhölzern (FR. 2, 3. 5. 6. 7. 8. 9) oder einmal zu
Lindenholz (FR. 4) griff. Lindenholz, das in der deutschen Tafelmalerei der Dürer-Zeit weitaus
am häufigsten vorkommt, trifft man in der Cranach-Werkstatt oft in der frühen Wittenberger
Periode an, selten in der Zeit um 1525/35, häufiger wieder nach 1537 und im späteren CEuvre von
L. Cranach d.J. Auf Eichenholz gemalte Bilder entstanden 1508 während der Reise Cranachs in
die Niederlande und vereinzelt später (s. die Liste bei Nr. 595). Pergament bei Bildnissen:
s. Nr. 602 und 604. Plötzlich seit 1525 bis ca. 1535, auslaufend in den 1540er Jahren, herrschte bei
Cranach, und nur bei ihm, Rotbuchenholz als Bildträger vor10. Der gute Erhaltungszustand der
auf Rotbuche gemalten Werke zeigt, dass sich dieses Holz, das etwas einzugehen pflegt11, bei den
kleinen und mittleren Formaten gut bewährt hat. Eine Erklärung für Cranachs frühen Gebrauch
des Rotbuchenholzes 1502/04 und für die zeitweilige Bevorzugung dieses Bildträgers hat sich
vorläufig nicht finden lassen. In den Wäldern standen Rotbuchen selbstverständlich nicht nur in
Sachsen, sondern auch in anderen Regionen Deutschlands und der Länder ähnlicher Breiten-
grade. Mit verschwindenden Ausnahmen war Cranach aber der einzige, der dieses Holz damals
für Tafelbilder heranzog. Eine Statistik über die Verwendung von Buchenholz für Möbel wäre
interessant12.

In den Museumskatalogen und in der Literatur überhaupt wird das Rotbuchenholz, das man
in der deutschen Malerei des 16. Jahrhunderts nicht erwartet, oft mit Lindenholz oder anderen
Holzarten verwechselt. Auch im vorliegenden Cranach-Katalog haben sich einige Angaben, die
aus der älteren Literatur übernommen wurden, als falsch oder fraglich erwiesen13.

Weitere Beobachtungen an Cranach-Tafeln: Das Holz ist oft behauen und dann mit dem
Schnitzmesser bearbeitet worden. Die Ränder sind abgefast oder mit einer Nut versehen. Wenn
eine Tafel aus mehreren Brettern zusammengesetzt ist. laufen diese meistens in der Längsrich-
tung des Bildes; es gibt aber Ausnahmen von dieser Regel14. Die Fugen sind auf der Rückseite
oft mit aufgeleimten Hanffäden gefestigt15. Beim «Bildnis Karls V.». um 1550 (Nr. 200.
Abb. 165), hat sich erwiesen, dass das rückseitig sichtbare Eichenholz von einer Restaurierung
herrührt: es bildet den Träger der oval ausgeschnittenen, originalen Bildtafel nicht feststellbarer
Holzart, die darin eingelassen ist; die vom Kaiser gehaltenen, an Tizian erinnernden Handschuhe
(die aber auch sonst bei den Cranach um jene Zeit vorkommen - vgl. Abb. 167. Nr. 347f..
Abb. 274; Schade 1974, Abb. 234. 262 u.a. - und die vom Restaurator aus der originalen Malerei
vermutlich übernommen worden sind), liegen knapp ausserhalb der ovalen Tafel, die die
originale Malerei trägt.
 
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