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seines Glaubens. Von dieser Höhe verfolgt das Auge
eine entfernte Bergkette, die sich gegen das östliche Ufer
des tobten Meeres hinzieht. Jrby und Mangles spre-
chen mit Entzücken von dem malerischen Ansehen der
Ruinen von Petra; die Felsen haben sehr lebhafte Farben,
was um so anziehender ist, da sie durch den Meisel die
verschiedensten Formen erhalten haben und sich mit den
Laubmassen der wilden Feigen, Oliven, Kapern und an-
derer Bäume und Gesträuche vermischen, welche ein dickes
Buschwerk am Rand des kleinen Flusses bilden und viel-
leicht von den Garten der alten Nabatäer herrühren.

Diese Nachrichten machen uns mit einer Stadt be-
kannt, die ihrer Lage nach an Tadmor und Palmyra er-
innert, deren Monumente jedoch wahrscheinlich der Zeit
der Seleuciden, mithin einer frühern und eigenthümlichcren
Periode angehören, als die Bauwerke jener zwey schon
länger bekannten Städte, die ohne Zweifel erst in der
Zeit der später» römischen Kaiser die Ausschmückung er-
hielten, deren kolossale Ueberreste jezt noch übrig sind.
Von nicht geringerem Interesse sind die vorläufigen No-
tizen, die wir über des Hrn. Prof. Schulz Entdeckungen
am See Van in Armenien vernehmen. Sie führen
uns in ein noch höheres, ja sagenhaftes Alterthum, in die
Zeit deö babylonischen Reiches zurück und geben wenig-
stens eine Andeutung, daß die Erzählungen der alten
Schriftsteller von den Bauwerken der Semiramis sich
auch außerhalb des babylonischen Gebietessan wirklich vor-
handene Monumente knüpften.

Herr Schn lz, Professor an der Universität Gießen,
trat im Sommer 1826 eine Reise nach der asiatischen
Türke» und nach Persien in Auftrag des Herrn Baron
von Damas an. Diese Reise soll wenigstens vier Jahre
dauern'und ihr Hauptzweck ist, die in der altpersischen
Sprache geschriebenen Werke und besonders die Bücher
des Zoroaster aufzusuchen. Auch soll Herr Schulz auf
seinem Wege die Monumente berücksichtigen und die be-
deutendsten alten Inschriften abschreiben, zu welchem Be-
huf er sehr ausführliche Instruktionen erhielt, die auf
Ersuchen des Baron von Damas von einem Mitglied der
französischen Akademie, Herrn Saint-Martin, redigirt
worden sind. Leider konnte er jedoch wegen der politischen
Uüruhen im Orient bis jezt nicht in das eigentliche per-
sische Gebiet eindringen und war nach mehreren vergeb-
lichen Versuchen gezwungen, nach Cvnstantinopel zurück-
zukehren.

Dcmnngeachtet ist seine Reise schon bis jezt keines-
wegs ohne Nutzen gewesen.'

Unter die verschiedenen Orte, welche Herrn Schulz

als Gegenstände seiner Forschungen in Bezug auf alte
Denkmäler und Inschriften bezeichnet waren, gehört die
Stadt Van, welche in dem mittleren und am wenigsten
besuchten Theil des türkischen Armeniens liegt. Folgen-
des ist der Abschnitt aus den Herrn Schul; gegebenen
Aufträgen, welcher sich auf die Untersuchung dieser
Stadt und ihrer Umgebung bezieht.

„Wenn die Untersuchung aller Ufer des Sees Urney
beendigt ist, soll Herr Schulz einen Abstecher in das tür-
kische Armenien bis an die Stadt Van zu unternehmen
suchen, welche am Ende eines Sees liegt, der seinen Na-
men von ihr hat.",

„Man schreibt den Ursprung der Stadt Van einer
sehr entfernten Zeit zu; die Armenier gaben ihr den Na-
men Schamiramakert, das heißt, Stadt der
Semiramis, und erzählen von großen und prächtigen
Denkmälern, welche noch jezt dort von ihr vorhanden
sehen; das, was sie davon sagen, stimmt ganz mit den
Nachrichten überein, welche man in griechischen Schrift-
stellern über die Gebäude findet, die auf den Befehl der
Semiramis in Medien und Assyrien erbaut wurden. Die
persischen Bücher sagen uns, am Ende des Ilten Jahr-
hunderts habe Tamerlan versucht, die alten Bauwerke von
Van zu zerstören; aber an der Festigkeit und Ausdehnung
derselben feyen die Anstrengungen seiner Soldaten ermü-
det. Die neueren Reiseberichte in armenischer Sprache
erzählen von alten Statuen uud Monumenten, welche
man häufig in dem Innern der Stadt Van gefunden
hat; sie bezeichnen hauptsächlich einen großen Hügel, wel-
cher den nördlichen Theil der Stadt einnimmt, als den
Ort, der die meisten antiken Ueberbleibsel enthalte. Sie
sprechen von Säulen, Statuen und geräumigen, aus dem
Felsen gehauenen Höhlen, an deren Eingängen sich große
Inschriften befänden, deren Schriftzüge allen Landesbewoh-
nern unbekannt feyen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß
diese Inschriften Keilschrift und daß es dieselben sind,
welche nach den alten Schriftstellern die von der Semi-
ramis aufgeführten Monumente schmückten. Der Name
und daö Andenken dieser assyrischen Königin sind in die-
sem Lande unter den Armeniern und Curdcn sehr ver-
breitet. Mehrere Gebäude und ein Fluß, welcher in den
See fließt, tragen noch ihren Namen."

' ; (Die Fortsetzung folgt.)
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