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großen Mittel vorhanden sind, so hoffen wir doch, daß auch
hier-die bildende Kunst ihre Hand bieten werde, um we-
nigstens den Altar und die Nische, worin er angebracht
ist, wstrd g auszuschmücken.

Außer diesen einzelnen prachtvollen und bedeutenden
Bauwerken erfreut den Kunstsinn auch noch die Anlage
einer großartigen Straße. Es ist die Ludwigs-
straße, die von der Residenz an bis an die Barriere ge-
gen Scbwabing zu geführt werden soll und bereits zu
beträchtlicher Lange gediehen ist. Zunächst an der Resi-
denz machen die Arkaden und das neue Kaufhaus auf der
rechten, und das Odeon mit dem Leuchtenberg'schen Pal-
laste den Anfang, indem sie einen breiten Platz zwischen
sich lassen. Dann treten die Häuser auf der linken Seite
näher zusammen, so daß die Straße eine Breite von 132
Fuß sammt den zu bepden Seiten laufenden Trottoirs ge-
winnt, in welcher sie schnurgerade fortgeführt wird. Die
ganze Anlage dieser Straße, so wie die Zeichnungen ihrer
sämmtlichen Häuserfayadcn sind bis jezt von Herrn v.
K l e n z e, der hierin des seltenen Glückes sich zu erfreuen hat,
eine große zusammenhängende architektonische Anlage zu
begründen und ohne Beschränkung auszuführen. In zwep
fortlaufenden, blos durch die Querstraßen unterbrochenen
Häuserreihen, sind die einzelnen Wohnhäuser durch Ab-
wechselung des Styls und der Eiutheilung von einander
unterschieden, und gewähren eben durch diese Mannich-
faltigkeit dem Auge einen angenehmeren Anblick, als die
früher und anderwärts so beliebte Einförmigkeit undSpm-
merrie. Zwar sind sie in der Hohe nicht ganz gleich,
doch größtentheils zu drey Stockwerken, einige auch mit
Mezzaninen angelegt, mit großen Portalen versehen, und
theils im römischen, theils im ffvreutinischen Style, jedoch
immer in einfacher, dem Wohnhaus angemessener Art,
verziert. Zwep größere Gebäude, welche gegenwärtig den
äußersten Punkt der Straße bilden, sind im verflossenen
Jahre angelegt und unter Dach gebracht worden: der
neue Flügel des Kr-iegsmiinsteriums und der
Pallast Sr. Hoheit des Herzogs Marimilian
von Bayer n.

Der schon früher von demselben Architekten errichtete
Theil des Kriegsministerinms, dessen Fa;ade mit Por-
tikus und -großen Bogenfenstern in florentinischcr Art sich
durch ihre schönen Verhältnisse auszeichnet, steht in einer
Seitenstraße, welche in spitzem Winkel gegen die Lud-
wigsstraße stoßt, und mußte wegen der geringen Breite
derselben einen großen Hof an der Vorderseire erhalten.
Dieses für sich bereits abgeschlossene Gebäude war nun
mit einer großen und hohen Facade gegen die Ludwigs-
straße zu in Verbindung zu setzen, und die Zusammen-
stellung dieser Massen zu einem architektonisch regelmassi-
een und malerischen Ganzen bot nicht geringe Schwierig-

keiten dar. Der Bau in der Ludwigsstraße, theils aus
Quadern, theils aus Backsteinen geführt, ist 270 Fuß
lang und durch einen in der Mitte sich höher erhebenden
Theil gruppirt. Vor diesem laufen im Erdgeschoß offene
Arkaden her, deren Tympana mit Waffengruppen geziert
werden. Der Styl ist derselbe, wie an dem Hinter-
gebäude und das Ganze erhält durch die Anordnung so-
wohl der Masse als des Einzelnen etwas Großartiges und
Imposantes.

Diesem Gebäude schräg gegenüber steht der Pal-
last Sr. Hoheit des Herzogs Marimilian, be-
reits im vorigen Herbste völlig unter Dach gebracht.
Wenn lvir nicht irren, wird man diesen Bau nach seiner
Vollendung als eines der gelungensten Werke des Hrn.
v. Klenze betrachten. Er ist ein wahres Fürstenhaus
im Aeußern wie im Innern. Die günstige Lage mit der
Hauptseite gegen Morgen und der zweckmäßige Platz zwi-
schen vier Straßen verbanden sich hier mit dem Vortheile,
daß man dem Architekten in der Anordnung völlig sreye
Hand ließ, eine Bedingung architektonischer Vollkommen-
heit, welche so selten erfüllt wird. Das Erdgeschoß bietet
eine dreysache Einfahrt dar, über welcher ein großer Bal-
kon von vier dsrischen Säulen getragen wird. Zu bepden
Seiten sind Arkadenfenster. Der erste Stock ist mit voll-
ständiger jonischer, der zwepte mit korinthischer Pilaster-
ordnung geschmückt und von einem Consolengesimse ge-
krönt. Der mittlere Theil und die bepden Ecken bilden
Vorsprünge, wodurch das Ganze sehr günstig gruppirt
wird. Die Vorderfronte des Hauptgebäudes ist 220,
der Flügel in jeder Seitenstraße 150 Fuß lang und die
Höhe beträgt 74 Fuß. Alles ist aus Backsteinen sehr-
sorgfältig erbaut. Durch eine gewölbte Vorhalle tritt
man in ein Treppenhaus, dessen Gewölbe vier Marmor-
säulen tragen; die Treppe selbst ist ganz von Marmor
und steigt zwischen hermenartigen Pfeilern auf. In der
Eiutheilung des Ganzen verbinden sich großartige Ver-
hältnisse mit Bequemlichkeit, wie es von einem Wohnhause
fürstlicher Personen gefordert wird. Die Dekoration der
Säle und Zimmer wird, entfernt von Modegeschmack und
Flitterwerk, ganz künstlerisch und mit vieler Pracht an-
geordnet werden. Für die Auszierung eines der größe-
ren Empfangsäle hat bereits Hr. Robert v. Langer,
Direktor des Kabinets der Handzeichnungen, Entwürfe
begonnen/ welche an den Wänden » Fresco von ihm aus-
geführt werden sollen. In sechs- Abtheilnngen soll der
Kampf der Heroen des Alterthums gegen die Mächte der
Unterwelt, und die Verklärung des antiken Heldenthums
durch Geisteskraft und Gesang dargestellt werden. Daher
wird die erste kleinere Abtheilnng die.Darstellung der
Nacht enthalten; in der zweyten größeren wird T He-
ssens geschildert nach Besiegung des Minotau-
rus; dann in zwey gleich großen Bildern Herkules,
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