Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 10.1829

Page: 240
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstblatt10_1829/0244
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
240


' Mm, wo man Gott den Vater umgeben sieht von Ju-
piter, Mars und andern Gottheiten, welche die Planeten
darstcllen.

Es bleibt noch übrig, vom Viereck Nummer 8 zu
reden. Es wäre leicht zu erklären, wenn die Frau mit
Helm, Schild und Lanze eine Victoria in der Hand hielte
oder wenn ihr Fuß auf einer Kugel stände; man würde
daran die Göttin Roma erkennen, welche von den -ersten
Kaisermedaillen an auf Denkmälern aller Art so erscheint,
selbst nach der allgemeinen Verbreitung des Christenthums,
in Italien bis unter der Gvthenherrschaft, im Orient bis
zur Zeit des Heraklius. Aber es ist wohl gewiß, daß
der Künstler, wie auch Marmin annimmt, Minerva dar-
stellen wollte. Vielleicht ist sie hier weniger ein Gegen-
stand der Verehrung, als eine Allegorie, die kunstliebcnde
Tochter Jupiters, welche nur deswegen Kriegsgvttin ist,
um den Oelbaum des Friedens zu erlangen. Vielleicht
steht diese Figur in einer Beziehung zur Regierung des
Atkalus, der i. I. 409 von Alarich zum Kaiser ernannt,
um 414 in Gallien verweilte. , Wenigstens erscheint auf
den Medaillen dieses Usurpators (O. N. PRISCVS ATTA-
lys NOB. G. *) Minerva zum leztenmal aus den römi-
schen Münzen mit Lanze und Schild, um diese herum
die Worte: MINERVAE PACiFerae. Immerhin ist
" diese leztere Zusammenstellung etwas gewagt. Um die
Abbildung der Kunstgvttln auf einem christlichen Denkmal
von Thcvdosius Jahrhundert zu erklären, ist es natürlicher,
sie der Vermengung der beyden Religionen zuzufchrciben;
sie war häufig auf den Kunstwerken einer Zeit, in wel-
cher, wie Mabiüon im Iter Italicum sagt, cruda adhuc
quorundam in cordibus Christiana religio all quid de
paganici ritus Euperstitione retinebat. Sv findet MÜN

Orpheus und Bacchus häufig auf christlichen Sarkophagen
aus der Regierung Konstantins **). Auf einer Lampe
von gebrannter Erde, gestochen in der neuen Ausgabe der
Roma sot'terranca, t. III. p. 7g, sieht man unten den
Propheten Jonas und den guten Hirten, der das verirrte
Schaaf trägt, und oben auf der einen Seite Inno mit
dem Pfau, auf.der andern Apoll mit der Lever. Ein
Frescvgemälde endlich in derselben Sammlung, i. III. P. m,
stellt oben Christus dar mit den fünf klugen Jungfrauen
des Evangeliums ***), unmittelbar darunter Pluto auf
seinem Wagen; er zieht in das Schattenreich die junge
Christin, in deren Grab diese Malere» gefunden wurde;
Merkur mit dem Stabe führt die Rosse des Todtengot-
tes. Es war nicht leicht, sich von einem ganz sinnlichen

*) Haller.

**) Lupl.

***) Matthäus, Kap, V. g.

Gottesdienste zu einem abstrakteren Gedankengang zu er-
heben; der heil. Augustin selbst war der Mepnung, man
könne nur allmählig dahin gelangen.

(Der Beschluß folgt.)

Berlin.

Nach der von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Anton
Nadzivill und dem Herrn Erzbischof von Gnesen, von
Wvlicki, angegebenen Idee, hat der.Herr Geheime.Ober-
Baurath Schinckel den Plan zu einem in Posen aufzu-
ftellenden bronzenen Denkmale für die beyden Glaubens-
helden, Mieczislaus und Boleslaus, gemacht, und der
Bildhauer, Herr Professor Rauch, hat bereits in Thon
die Skizze desselben verfertigt. Mieczislaus hält in der
Linken das Kreuz, als Zeichen der Annahme und Ver-
breitung des Christenthums; sein Sohn, König Doles-
laus, steht neben ihm, kühn auf sein Schwerdt gestüzt,
und hat als Eroberer die Schläfe, statt mit einer Krone,
mit dem Lorbeer bekränzt. Die Gruppe soll ir Fuß

und eben so hoch das Piedestal ausgeführt werden. Lez-

teres würde im Innern so viel Raum gewähren, daß,
von außen sichtbar, der Sarkophag mit den Reliquien
der beyden Helden darin aufgestellt werden könnte. So-
wohl der Plan als das Modell sind von den Ständen

des Großherzogthums Posen genehmigt worden.

München, im Juni 1829.

Seit Kurzem ist Herr Samuel Amsler an der
Stelle des verstorbenen Heß als Professor der Kupfcr-
stecherkunst in unsre Akademie eingetreten, und wir ver-
sprechen uns von seiner ausgezeichneten Geschicklichkeit
und Tbätigkeit ein neues Aufleben der Kupferstecherschule,
welche in den lezten Jahren durch die anhaltende Kränk-
lichkeit des, sonst um seine Schüler mit äußerster Sorg-
falt bemühten, Professors Heß, ihrer Stütze größtentheilö
beraubt war. Herr Amsler arbeitet gegenwärtig an den
lezten Platten zu Thorwaldsens Aleranderzng *), an der
vor einigen Jahren von ihm angekündigten Grablegung
Borghese, und an Danneckers Christus nach einer Zeich-
nung von Leybold.

fchcn Bttchhanblmig.
loading ...