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ein nicht geringes Kapital von Geld und Mühe auf
Erscheinung eines Werkes von größerem Umfang verwen-
det, und mit dem Zutrauen, eS werde ein solches Unter-
nehmen von der deutschen Kunstwelt anerkannt und unter-
stützt werden, diese selbst ehrt. Dem berühmten Kupfer-
stich der sirtinischen Madonna gegenüber stellt er eine Kopie
von des Correggio Gemälde in Dresden: die Madonna
mit dem Kinde, vor derselben die Heiligen Katharina,
Antonius, Johannes und Franziskus, nach welchem das
Ganze gewöhnlich nur als der heil. Franziskus be-
nannt wird.

Indem ich hier nur die Erscheinung eines neuen
Kunstwerks ankündigen will, liegt cs nicht in meiner
Absicht, über das Gemälde selbst zu sprechen, über welches
schon viele einsichtsvolle Urtbeile der Kenner vernommen
worden sind; es ist weltberühmt, bewundert, geliebt von
Tausenden. Nur gedenken will ich dessen, was das Werk
auch im Kupferstich dem Beschauer wcrth macht, wenn
derselbe nicht das warme Colorit und die kunstvolle Be-
handlung des Helldunkels vor Augen hat. Das Gemälde
gehört der früheren Kunstbildung des großen Meisters an
und ist wahrscheinlich um'sJahr 1515 (denn 1518 befand
sich Correggio schon in Parma) für die Franziskaner-
Kirche zu Correggio gemalt. Es kam, man weiß nicht
wann und wie (Pungilevne gibt als Veranlassung die
Reinigung der Kirche an), in den Besitz des Hauses Este,
von wo es mit der modcnesischcn Galerie für Dresden
durch August klk. gewonnen wurde. Palmaroli restaurirte
cs im Jahr 1827, bei welcher Gelegenheit Hr. Arnold
eine genaue Zeichnung und eine kleinere Oelkopie fertigen
ließ. Luigi Pungilevne in seinenlVIemoi-ie istorichc
di ülUonio KIlegi-i macht darauf aufmerksam, daß die Ma-
donna große Aehulichkeit mit einer Madonna des Andrea
Mantegna habe. Andere haben die unläugbare Aelmlich-
kcit zwischen diesem Gemälde und einigen des Raphael,
namentlich der Madonna di Fuligno, nachgewiesen, woraus
sichergibt, Correggio habe in der früheren Zeit sich strenger
an die Muster der Vorgänger gehalten und sep gleichen Weges
mit Raphael ausgegangen, frühzeitig aber habe er unbefan-
gen in diesem ein nachahmenswerthes Vorbild anerkannt
und sich nicht gescheut, nach dessen Werken zu arbeiten, bevor
er die eigenthümliche Richtung ergriff, in welcher er die Wir-
kung des LichtS und der Farbe über die Zeichnung erhob.

Abgesehen von dem malerischen Werthe, welcher das
Bild unter die vorzüglichsten stellt, gewährt es gar nicht
spärlichen Stoff zu mancherlei Betrachtung. Daraus
werde hier nur ein Zweifaches erwähnt, einmal, daß das
Gemälde unter die Rubrik der charakteristischen Schön-
heit fällt und in der feinen, sinnvollen Cbarakterisirung
aller einzelnen Figuren den geistreichen Erfinder erprobt,
den Beschauer vielfach beschäftigt; dann aber, daß die
Erfindung auf eine allegorische Grundlage basirt ist, auf

welche gestellt es den Umfaug einer ganzen Glanbenswelr
in sich aufnimmt.

Wir sehen nicht Heilige in stummer Bewunderung
und Anbetung vor dem Christuskinde und der Mutter,
nicht in's unbestimmt Allgemeine vcrschwcbt der Ausdruck
gleichartiger Rührung, sondern die motivirte Aeußeruug
frommer Gesinnung und gläubiger Eingebung erscheint
hier als Effekt einer Handlung, welche auf Jeden der
Umstehenden eigenthümlich einwirkt. Nicht Schönheit ist's,
wodurch der Maler wirken wollte, wie denn weder Maria,
noch weniger daö Christuskind für schön erachtet werden
möchte; in der Mutter spricht sich würdevolle Freunds
lichkeit und selige Zufriedenheit, in Christus unbefangene
Kindesnatur aus. Durch Hand und Miene thcilt Maria
den Huldigenden Segen zu und dieser wirkt mit der Erschei-
nung des Heilands auf Jeden nach besonderer charak-
teristischer Weise; Freude, Beglückung verschmilzt mit
anbetender Demuth, und durch dies blickt die besondere
Seelenstimmung des Einzelnen hindurch. Franziskus
fühlt sich glücklich, für den Glauben Qualen erduldet zu haben
und in seiner Demüthigung aus die für ihn sprechenden
Freunde zeigen zu können; diese machen ihn würdig,
den Heiland zu schauen. Der hinter ihm stehende Anto-
nius von Padua, der ein Buch und einen Lilienzweig
hält, spricht die lebendige Betrachtung und das Gottver-
trauen bei seiner wundcrthätigen Kraft aus; er freut
sich innig, lächelt aus innerem Jubel und möchte diese
Freude auch Andern mittheilen; daher er sich zu der
Menge'außer dem Bilde wendet. Katharina, die in der
Hand den Palmenzweig hält und sich ans ein Schwert
stützt, mit dem Fuße das Marterrad berührt, thut im
Blick die Seligkeit kund, zu dem Höchsten emporzuschauen,
aber wir erkennen auch, wie Liebe zu Christus allein sie
angetrieben, selbst das Herbste zu ertragen. Johannes
endlich erscheint auch hier als lauter Verkündiger des
Herrn; er kennt die Bedeutung solcher Erscheinung und
möchte die ganze Welt heranwinken, nicht bloß sein Ent-
zücken zu theilen, sondern anzubeten. Nach außen gewen-
det spricht er zu dem Beschauer und deutet ans den Hei-
land mit der Hand hin, alS sage er: dieser ist'S, der da
kam, die Sünder selig zu machen. So fällt einem Jeden
seine eigene Sprache zu, aber mit ihr gaben sie alle den
Inhalt eines Wortes; ein Accord verbindet die verschie-
denen Töne, Alleö ist Harmonie, wo jeder Theil allein in
sich besteht und doch den andern unterstützt, erhellt und
zur Einheit zieht.

Die Freude der glaubensvollen Anbeter aber wird
hier zur Freude einer Welt; denn was hier sichtbar wird,
ist der Triumph einer Erlösung, Verklärung einer ge-
retteten Menschheit. Dies hat der Künstler dadurch
ausgesprochen, daß er dem Bilde eine allegorische Bedeu-
tung verlieh und eine Idee größeren Umfangs zum Grunde
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