Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 4.1907

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DER KUNSTMARKT

(55/8X9 Zoll) in Kilmarnock erschienen war, gezahlt. Der
Preis war drei Schilling, und der Dichter erhielt aus dem
Verkauf 20 £. 1858 wurde ein Exemplar dieser Ausgabe
für 3 £ 10 s verkauft, 1888 war der Preis auf 111 & und
1898 auf 572 £53, das bisherige Maximum, empor-
geschnellt
Wir geben noch die Preise für erste Ausgaben einiger
der bekannteren englischen Klassiker: Walton »Compleat
Angler«, 1653, 1290 £ (1895 415 £); Caxton »Cicero on
Old Age and Friendship«, 1481, 600 £; Sir Philip Sidney
»Arcadia«, 315 £; WalterScott, Gesamtausgabe der Waverley
Novels, 300 £; Gray »An Elegy Written in a Country
Churchyard«, 1751, 205 £ (bisher 148 £); Milton »Comus«,
1637, 162 £; John Keats »Poems«, 1817, 90 £; Caxton
»Chronicles of England«, 1482, unvollständig, 185 £; Defoe
»Robinson Crusoe«, 1719, 160 £; Swift »Gulliver«, 132 £;
Heywood »An Hundred Epigrammes«, 1550, 126 £; Vora-
gine »The Golden Legend«, 110 £, John Bunyan »Holy
War«, 1682, 100 £; Dickens Pickwick Papers, 1837, Dedika-
tionsexemplar, 51 £ und Goldsmith »The Traveller«, 1764,
216 £ (bisher 96 £).
Aus Auktionen, die an vorangehenden Tagen derselben
Woche bei Christies, Sothebys und Hodgson abgehalten
wurden, heben wir noch folgende Preise für erste Aus-
gaben und literarische Reliquien hervor: Robert Burns,
Gedichte, aufgeschnittene und etwas beschädigte Kilmar-
nock-Ausgabe, 260 £; Milton »Paradise Regained«, 92 £;
Shelley »The Cenci«, 70 £; humoristischer Brief Robert
Burns’ an einen Freund, 1787, 141 £ (1833 2 Gs); von
Thackeray korrigiertes Manuskript für sein Essay über
George II., 81 £; fünf Nelson-Briefe, 57 £ 5 s; Original
der Zeichnung für die Gerichtsszene in den Pickwick
Papers, 50 £.
Am 22. März wurden bei Christies für altes Porzellan
und dekorative Möbel, 144 Nummern, 14987 £ 3 s 6 d ge-
zahlt. Wir heben folgende sensationellen Preise hervor:
ein Paar reich emaillierte rose-famille Mandarinen-Krüge
aus der Kien-Lung-Periode, 40 Zoll, 2100 Gs; ein Paar
alte Dresdener Vasen, schön bemalt mit Szenen nach Watteau,
14 Zoll, 1200 Gs; eine Garnitur von 12 Queen-Anne-Stühlen,
aus Walnußholz, 1050 Gs; ovale alte Sevres Jardiniere,
bemalt von Aubert, 1754, 24 Zoll, 680 Gs; ein Paar
Louis XVI.-Fauteuils, überzogen mit alter Beauvais-Tapete,
500Os; ein altes Sevres-Dessertservice, 500 Gs; französisches
Reliquienkästchen, 14. Jahrhundert, 480 Gs.
Am 21. März wurden bei Christies wieder sehr hohe
Preise für altenglisches Silberzeug gezahlt, wovon wir
folgende hervorheben: Kelch und Patene, 1568, 177 £ 6 s 6 d,
410 s per Unze; Queen-Anne-Teetopf, Arbeit Nelmes,
177 £ 7s öd, 215s per Unze; Queen-Anne-Chokoladetopf,
179 £ 19 s, 305 s per Unze; ein Paar einfache William and
Mary-Becher, 362 £ 3 s 6 d, 330 s per Unze, ein Toiletten-
Service, 1691, 503 £ 5 s 6 d.
Die letzten Bilderauktionen boten wenig Bemerkens-
wertes. Wir verzeichnen nur folgende Preise: eine große
klassische Landschaft von Turner, 220 £ 10 s; George Mor-
land, »A Farmyard Scene«, 147 £, und Gainsborough, Por-
trät des Musiker Festing, 149 £ 2 s; — diese drei in einer
Auktion der Firma Knight, Frank and Rutley am 21. März
— und aus der Christie-Auktion, am 23. März: Gainsborough
»The Marsham Family«, 22X16, 195 Gs; Wouwerman
»Landschaft mit der heiligen Familie«, 24X19, 190 Gs;
Reynolds, Herrenporträt, 28X23, 190 Gs; G. Terburg, Hof
einer Schmiede mit zwei Figuren, 31X25, 220 Gs; D.Gardner
»Lady Frances Romney«, 21X18, 160 Gs; Höppner, unvoll-
endetes Porträt eines Mädchens in weißem Kleid, 29X24,
150 Gs; Van Dyck »Duchess of Croy«, 44X39, 115 Gs.
O. G.

NEUE KATALOGE
Der soeben von der Firma C. G. Boerner in Leipzig
versandte Versteigerungskatalog 88 enthält eine reiche
Sammlung von Kupferstichen alter Meister des 15. bis
17. Jahrhunderts, deren wertvollste Abteilung ein reiches
Werk der Kupferstiche Albrecht Dürers in kostbaren frühen
Abdrucken bildet. Es sind darin die Hauptblätter des
Meisters »Ritter, Tod und Teufel«, »Hieronymus in der
Zelle« und »Die Melancholie« in erstklassigen Abdrücken
vertreten. Zahlreiche andere Blätter des Meisters sind in
Abdrücken von ungewöhnlicher Schönheit vorhanden. Unter
den Holzschnitten ist ein vollständiges »Marienleben« vor
dem Text, eine »Kleine Passion« vor dem Text und eine
schöne »Apokalypse« verzeichnet. Der mit vielen Abbil-
dungen geschmückte Katalog, den die Firma gegen Ein-
sendung von 50 Pfennig verschickt, enthält aber auch im
übrigen viele Kostbarkeiten und Seltenheiten, namentlich
schöne Porträts des 16. Jahrhunderts, von denen vier seltene
Blätter von Hans Sebald Lautensack und vier desgleichen
von Martin Rota abgebildet sind. Seltenheiten sind auch
die verzeichneten Kupferstiche des 15. Jahrhunderts vom
Meister des »heiligen Erasmus«, Meister S. und einigen
Anonymen, sowie eine Reihe von italienischen Niellen,
von denen die frühesten ja bekanntlich zu den größten
Kostbarkeiten des Kunsthandels zählen. Hervorzuheben
ist ferner eine große Sammlung Holzschnittbordüren,
Druckerzeichen und Holzschnitten aus Büchern usw. —
Die Auktion findet am 7. und 8. Mai in Leipzig statt.
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Franz Meyer, Kunstantiquariat, Dresden, Struvestr. 2,
hat seinen XXXV. Katalog erscheinen lassen. Derselbe
umfaßt Kupferstiche, Radierungen und Holzschnitte alter
Meister, unter denen Deutsche, Niederländer, Italiener und
Franzosen vertreten sind.
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Unter dem Titel «Musica in nummis« wird demnächst
bei Gilhofer & Ranschburg in Wien eine Beschreibung
der Medailleurarbeiten, betreffend Komponisten, Virtuosen,
Musikschriftsteller, Instrumentenmacher, Sänger und Sän-
gerinnen vom 15. Jahrhundert bis auf die heutige Zeit er-
scheinen. Das Werk wird von Karl Andorf er und Richard
Epstein herausgegeben, neun Lichtdrucktafeln und etwa
zwölf Bogen Text umfassend. Es ist nur in 100 Exem-
plaren gedruckt und wird für Sammler und Musikforscher
manches Interessante bringen.

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