Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 10.1913

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DER KUNSTMARKT

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unbekannten Meister um die Mitte des 17. Jahrhunderts,
das J. V. Ham signiert ist. Von Architekturmalern ist
Emanuel de Witte durch eine treffliche Probe seiner
vornehmen Kunst vertreten: das Mittelschiff und ein Teil
des linken Seitenschiffes einer Kirche in der Richtung der
Hauptachse mit dem Blick nach dem Chor und einem
großen grünen Vorhang, der das rechte Seitenschiff ver-
deckt; das Werk ist voll bezeichnet und 1655 datiert. —
Von den vlämischen Bildern ist ein auf Grund des Mono-
gramms A. B. dem Gerard David-Schüler Ambrosius
(nicht Abraham, wie der Katalog falsch druckt) Benson
zugeschriebener Tod der Maria eine sehr schwache und
etwas veränderte Wiederholung des interessanten Berliner
Bildes, das dort unter Nr. 558 a als das Werk eines un-
bekannten Niederländers um 1480 katalogisiert ist; was
sind auf dem Auktionsbild besonders die Gesichter der
anders gruppierten Apostel ausdruckslos und unbedeutend.
Eine bessere, auch wieder abweichende Wiederholung des
Berliner Werkes befindet sich in der National Gallery in
London, die Maße sind ungefähr dieselben wie in Berlin,
während das Auktionsbild etwa doppelt so groß ist, wes-
halb die Vermutung naheliegt, daß es mit der im Lon-
doner Katalog erwähnten Replik im Sciarra Palace in Rom
identisch ist. Noch ein anderes vlämisches Bild, das bei
Muller zur Versteigerung kommt, ist eine Wiederholung,
nämlich die Eberjagd von Paul de Vos, aber eine Wieder-
holung des Künstlers selbst, die an Qualität der andern
Fassung des Vorwurfes nicht nachsteht, ja sie eher über-
trifft. Die Eberjagd im Museum Boymans unterscheidet
sich nur durch geringfügige Änderungen von unserem Bilde,
es ist weniger hoch und breit, 163 statt 173 und 234 statt
247; in Rotterdam fletscht der Eber nicht mit den Zähnen,
befindet sich der im Vordergrund auf den Rücken geworfene
Hund mehr links und taucht im Hintergrund in der Mitte

noch ein neuer Hund auf. Das Zahnfletschen auf dem
Auktionsbild erhöht die Natürlichkeit und macht die Szene
dramatischer, die Lage des auf den Rücken geworfenen
Hundes rundet die Komposition besser ab; auch scheint
das Fell des Ebers besser gemalt. Zu den beiden nicht
niederländischen Bildern ist zu bemerken, daß der auf
Cranach getaufte Christus und die Ehebrecherin, eine
figurenreiche Szene, nur ein vergrößertes Werkstattbild ist,
dem das Münchener Bild zugrunde gelegen haben mag.
Dagegen ist das einzige italienische Gemälde, die Taufe
Christi, von Marco di Palmezzano, ein interessantes
eigenhändiges Werk dieses Meisters; es ist derselbe Christus-
typus mit dem Anflug von Backenbart wie auf der Lon-
doner Grablegung, dieselbe scharfe zeichnerische Malweise,
dieselben steifen, langen Finger. Das Bild ist voll bezeichnet
und 1636 datiert. m. d. Henkel.

VOM LONDONER KUNSTMARKT
In Christies erster Bilderauktion nach Ostern wurden
folgende Preise gezahlt:
F.Weatley, »Going to the Fieids« u. »Return-
ing from the Fields«, 10X12, zwei Aq. . 157 £ 10 s
J. Crome, »On the Back River, Norwich«,
IQVaXlö, Holz.168 £
J. Crome, »The Lime Kiln«, 20y2X29y2 . . 131 £ 5 s
H. Dawson, »Durham Cathedral«, 4®2X
71 y2, 1876 . 141 £ 15 s
T. Faed, »The Doctor’s Visit«, 37X47, 1889 162 £ 15 s
R. Cosway, »Lady Sinclair«, 32y2X25y2, Holz 157 £ 10 s
Lawrence, »Portrait of a Youth«, 55x43 . 294 £
Sir P. Lely, Damenporträt, 48y2X39y2 . • 136 £ 10 s
Mignard, »Marquise de Ganges«, 45x717z>
oval.189 £
Veronese (?), Damenporträt, 44x35y2 . . 168 £

nungen: »Altes Gehöft« (1050 M.),
»Kuppeln einer Kapelle« (450M.), »Frau,
ein Kopftuch umbindend« (470 M.),»Zieh-
brunnen bei Kissingen« (405 M.) und
»Torbogen« (250 M.). »Goethe im Tode
mit Lorbeerkranz« von Preller erreichte
1110 M., Paul Signacs »Brücke am Gol-
denen Horn« 2600 M.
Frankfurt a. M. In Schneiders Kunst-
salon sind in Vorbereitung für den Monat
Mai Kollektionen der Berliner Künstler
Theo Brockhusen und Leo Klein-Diepold,
sowie Einzelwerke der Frankfurter Künst-
ler Professor F. Ernst Morgenstern und
Alexander Soldenhoff. Im Graphischen
Kabinett wird eine Sonder-Ausstellung
von Radierungen und Lithographien von
Robert K. F. Scholz zu sehen sein.
Joseph Uhl, dessen Wirken zuerst
eingehend in der »Zeitschrift für bilden-
de Kunst« (Februarheft 1911) geschildert
wurde, hat jetzt seinen Zyklus »Liebes-
mysterium«, an dem er schon seit Jahren
arbeitet (und von dem die ersten Blätter
auch damals in der »Zeitschrift für bil-
dende Kunst« abgebildet wurden) voll-
endet, und es gelangen 40 numerierte
Exemplare in eleganter Mappe, die die
zwölf Originalradierungen, sämtlich vom
Künstler signiert, umschließt, in den
Handel. Der Preis beträgt 450 Mark.
Wir verweisen im übrigen auf die An-
zeige der Firma v. Elsner & Spiecker-
mann in der vorliegenden Nummer.

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