Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 10.1913

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DER KUNSTMARKT

Dresden. Die Galerie Ernst Arnold
ladet zum Besuch der ersten Herbst-
ausstellung 1913 ein. Im großen Par-
terresaal veranstalten M. Beckmann und
R. Breyer eine Sonderausstellung von
Gemälden. Zum Ereignis dürfte die
Ausstellung von 60 der bedeutendsten
Handzeichnungen von Hans von Marees
werden, die im zweiten Parterresaal
gezeigt werden. In der ersten Etage
findet eine große graphische Ausstellung
statt, die sich aus vier Gruppen zu-
sammensetzt. 1. ältere französische
Lithographien, 2. neuere französische
Radierungen und Lithographien, 3. mo-
derne farbige Holzschnitte, 4. deutsche
Radierungen und Lithographien.
München. In der Sommerschau der
Neuen Kunst, Hans Goltz, Odeons-
platz 1, wurden bis jetzt an Museen
verkauft: von Georg Kars »Malloc-
quinische Landschaft« an das Wallraf-
Richartz-Museum in Köln, von dem-
selben »Mallocquinische Stadt« an das
Städtische Museum in Stettin, eine An-
zahl graphischer Blätter an die k. Kupfer-
stichsammlung in Wien und an die
Kunsthalle in Bremen. An Private
wurden verkauft: Cezanne »Knaben-
kopf«, Vlaminck »Flußufer« und »Nature
morte«, G. Kars »Stadt in Spanien«,
Kandinsky »Komposition«,Pascin »Mäd-
chen«, Picasso »Kristallschale« und
»Kinder im Garten«, Zoir »Welle« und
»Heimkehr der Fischer« und eine größere
Reihe von Majoliken, Zeichnungen und
Radierungen.

München. Am 7. Oktober verstei-
gert Helbing eine Sammlung von Glas-
scheiben aus fürstlichem süddeutschen
Schloßbesitz. Ungefähr die Hälfte sind
Schweizer Wappenscheiben, mit den
wichtigsten Zentren und namhaften
Meistern von der Züricher Schule Jos.
Murer, Hans Heinrich Engelhard, Chri-
stoph Murer, Hans Jakob Nüscheler I
und II; von Winterthur Hans Ulrich Jegli;
von Bern ein Zyklus von 6 Scheiben aus
dem Jahr 1728; von Bern-Aarau Hans
Ulrich Fisch II; von Zug Tobias Müller
und von Constanz Wolfgang Spengler.
Gut vertreten ist auch Schwaben mit
mehreren Kirchenscheiben, sowie Wap-
penscheiben seiner Adelsgeschlechter
und Äbte aus dem 16. Jahrhundert. Wohl
bayerischen Ursprungs ist die Wappen-
scheibe des Philipp Wilhelm Herzogs
von Bayern und Bischofs von Regens-
burg 1559—1598 und des Bischofs Edgar
von Kapfing von Freising 1695—1720.
Nürnberger Ursprungs sind 4 Wappen-
scheiben von Nürnberger Septemviri
aus den Jahren 1531 bis 1536. Weitere
Wappenscheiben und Fragmente, sowie
eine Folge von Apostelscheibchen dürfte
ebenfalls in Süddeutschland entstanden
sein. Wertvolle Stücke sind 4 Fragmente
von Kirchenfenstern aus der Blütezeit
der französischen Glasmalerei aus dem
Anfang des 14. Jahrhunderts, Heiligen-
szenen, die aus der Kathedrale von St.
Denis stammen sollen. (Katalog mit
ca. 60 Textklischees M. 3.—.)
Am 8. Oktober kommt der Antiquitäten-
Nachlaß Max Pickert-Nürnberg zur

Versteigerung, der letzte Rest jenes
großen Antiquitätenbesitzes, den Vater
und Sohn seit Anfang des vorigen Jahr-
hunderts in Fürth und dann in Nürn-
berg vereinigt hatten und der älteren
Sammlern noch heute in guter Erinnerung
ist. Zumeist Einrichtungsgegenstände,
besonders hübsche Barock- und Rokoko-
möbel von guter Arbeit und Erhaltung,
bemerkenswerte Kleinkunst, vor allem
schöne Buchsschnitzereien des 16. Jahr-
hunderts, Bilder zu biblischen Texten,
daneben Bestecke, Kleingerät, Kuriosi-
täten, usw., Waffen. Am Ende des
Katalogs ist eine Sammlung G. Stapel-
berg-Odessa angefügt, die hauptsächlich
Kaukasus-Waffen, levantinische Orien-
talia und Persica enthält. (Katalog un-
berechnet gegen Portoersatz.)
Munch-Ausstellungen. Anläßlich
der Tatsache, daß die Arbeiten von
Munch seit einiger Zeit bei den Kunst-
freunden und Sammlern einem erhöhten
Interesse begegnen (was auch in Sonder-
ausstellungen zum Ausdruck kommt,
wie beispielsweise in der Veranstaltung
bei Arnold, die 85 Nummern umfaßt),
sei daran erinnert, daß das Graphische
Kabinett J. B. Neumann in Berlin
W. 15, Kurfürstendamm 33, bereits in
den Jahren 1911 und 1912 das fast
vollständige graphische Werk Munchs,
annährend 200 Nummern, gezeigt hat
in drei Ausstellungen, die zum Teil eine
ausführliche Besprechung in den »Gra-
phischen Künsten« empfangen haben.
Eine Folge des außerordentlichen Inter-
esses ist die ungewöhnliche Preissteige-

Schule von Ferrara,
Ende des 15. Jahrh.,
Raub d.Sabinerinnen
(Auktion im Palazzo
Balbi in Venedig,
unter Leitung von
Hugo Helbing-Mün-
chen und A. Ram-
baldi - Bologna am
30. Sept bis 4. Okt.
1913.)


rung , die die Blätter seit einiger Zeit
erfahren. Das Graphische Kabinett Neu-
mann beherbergt zurzeit eine größere
Zahl graphischer Arbeiten Munchs, unter
denen sich sehr seltene Stücke befinden.
Ebendort wurde am 8. September die
Ausstellung des graphischen Oeuvres
von Hans Meid eröffnet. Es wird hier
das ziemlich umfangreiche Werk dieses
Künstlers vorgeführt. Zu dieser Aus-
stellung erscheint ein illustriertes Preis-
verzeichnis, das für 50 Pf. erhältlich ist.

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