Die Leuchtkugel: Kriegs-Lager-Zeitung — 1.1918

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Zum Geburkslag des Deuischen kronprinzen.

Kronprinz Leilhclm vollendet mu 0. Mai sein sechsund-
dreißigstes Lebenssahr. Nicht (Nnck wnnscht das Heer dem
Kaisersohn znm Gebrlrtstag. Glnck ist in diesen Zeiten zum
leeren Begriff getoorderi. Jn dem Jahre, das den großen
C'ntscheidnngskarnpf des Derrtschen Reiches eben mit wuchtigen
Schlägen begonueri hat, wünfcht das Hecr dem Kaifersohn
den Lieg. Wcr ist „das Hecr?" Jeder waffentragcnde Deut-
sche hat wie jeder Angehärige des Bolkes übcrhaupt cin inne-
rcs Berhaltnis zn dem Abkömmling des Hohenzollernhauses,
das im Lanse der Jahrhunderte Wohlstand und Größe des
Neiches Legründet und anfgebaut hat, und zu dem Erben der
Kaiserwürdc, an desfen Perfönlichkeit so unendlich Vielfältige
Hoffnungen sich lnüpfen. Gerade weil die gewaltigen Kämpfe
zur Stunde so weitansgreifende Schatten auf die Zukunft des
Reiches wcrsen, richten sich wie vou selbst die Blicke der ar-
beitenden und kämpfenden Menschen auf den zukünftigen Re-
präsentanten des Staates, in dessen Brnst wie in keiner zwei-
ten Deutschlands der Srhicksalskampf um Sein oder Nichtsein
sich spiegeln muß. Eine Niederlage der Dentschen brächte jeden
Erwerbstreibendel! in schwere Sorgen ums tägliche B'.N, deri
Kronprinzen träfe sie schwerer als alle andcren, denn sein
tägliches Brot ist das Wachsen und Gedeihen des Reiches.
Umgekehrt würde cin Sieg, wie er den geringsten nnter den
siebenzig Millionen befrnchtet nnd vorwärts bringt, den Ber-
tretcr des Bolksganzen vor allen andern stärken nnd erheben.

Taher münden die Wünsche aller dnrch die Gemeinsam-
keit der Neberlicfcruugen, der Lebensiutercssett nnd der Zu-
kunftshoffnungcn vcrbnndenen Dcntschen am 0. Mai in den
einen heißen Wnnsch: Sieg.

Aus dem großen Berbande der waffentragenden Männcr
aber tritt ein Heer von Kämpfern hervor, das sich besonderer
Anhänglichkeit an die Perfon des Kronprinzen rühmt. Es
find nicht nur die Angehörigen der alten Kronprinzenarmee,
deren ruhmreiche Taten in den ersten Kriegsmonaten die fol-
genden Leidensjahre unvergessen übcrdauert haben. Jed.e Di-
vision, die einmal an der blntigen „Front der Berge" zwifchen
Maas und Aisne gekämpft hat, steht, einerlei, ob sie heute in
Flaudern oder im Elsaß, auf der Krinn oder in Finnland
streitet, in einem Berhältnis zum Kronprinzen, welches das

übliche Maß der Empfindnngcn gegenübcr dcm wcrdendcn
Hcrrscher an Wärme und Treue weit iibertrisft. Für di.fc
Männer ist cs der Führer. Die Person des .Uronprinzen cst
ihnen Persönlichkeit geworden.

Ein günstiges Geschick hat dcn KronPrinzen in einem
Alter, wo der gewöhnlichc Staatsbürgcr ebcn dcn Kreis einer
bescheidenen Selbftändigkeit zn betreten pflegt, ans einen Plah
gestellt, wo ihn die Achtung und Liebe des Bolkes sncht 'und
findet. Nicht nnwesentlich ist es für den künfngen Fürften,
daß er mit den schwerstell Erlebnissen diescs Bolkes feinen
Namen geschichtlich verkniipsen durfte. Anders wird ein Herr-
scher angesehen und empfunden, der als Priuz schon Hnndert-
tansende der Nation Kameradcn genannt nnd dch Händc vou
Tansenden gcdrückt hat. Für alle Zeiten iverden sich dic anf-
geregten Wogen politischer Lcidenschaft an der sestgefügten
Jnsel alter soldatischer Treue brechen. I;n Namen des
Dbcrstcn KricgSherrn führen Männer von 'kricgcrischcm Ge--
nie, das wic immcr in Stnnden uationaler Gefahr nus Tent-
schen beschert tvnrde, das Heer zu den größten nnd schwersten
Liegen, welche die Geschichte lennt. Der Kronpriuz sührt die
große Heeresgrnpve, die vor Berdnn, in der Ehampagne lmd
au der Aisne wohl mit das dleußerste an entsagungsvolten
Kämpfen vollbracht hat. Geradc einem jnngen Fürstensohn
vou sciner nnmittelbaren Frifche des Entpfindcns, Erlebens
nnd Handelns mag manchmal die Pflicht hart erschienen sein,
die ihn sernab von der täglichcn nnmitlclbaren Berührung
mit der Trnppe an die stille Arbcit am Kartcntische nnd der
Fürsorge sür das ihm anvertrarite große Heer riefz cr hat
sie nlit unermüdticher Hingabe ersüllt. Gar viele gewichtige
Erwägnngen nnd Maßnahmen von entscheidender Bedeuknng
sür das Wohl der Trnppe und den Ausgang der Schlachten
sind dem klaren Berstandc und dem sesten Witlen des Kron-
Prinzen übcrlasscn, sür die er, anch wenn sic dcr krenen Mit-
arbeit seines Generalstabes entstammen, pcrfönlich nnd oc-
wilßt die Bcrantwortnng iiberuimmt. Wie stark uud gut das
Herz des Führers mit deu Leideu uud Eutbchruugcu, mit den
herrlicheu Tatcu seiues Heeres schlägt, weiß jeder, der nach
überstandeueul Kampj einural seiue Haud iu der des luns'
tigen Herrschers gcfühlt hat.
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