Wanner, Peter [Compiler]
Heimatbuch der Stadt Lorch: Lorch: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Kloster — Lorch, 1990

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Auf die Lorcher Bautätigkeit wird in einem anderen Beitrag
(von Hermann Kissling) dieses Bandes eingegangen, weshalb
das Thema hier ganz ausgeklammert werden kann.

Da Lorch als zuverlässiges, als reformiertes Kloster galt, konnte
man getrost weniger regeltreue Mönche hierher strafversetzen.
1477 befahl Bischof Johann von Augsburg, Bruder Ulrich Här-
der aus Ottobeuren dem Konvent einzugliedern (»sub regulari
observantia et disciplina«: U 35). Die Einbindung in die Gruppe
der reformtreuen Benediktinerniederlassungen erhellt sich
auch aus dem Umstand, daß auf dem Provinzialkapitel in Blau-
beuren, einem Höhepunkt der Ordensreform, der Abt von
Lorch das feierliche Hochamt zelebrierte, das die Zusammen-
kunft eröffnete (Schreiner 1986a, S. 109).

Vielfältige Kontakte verbanden Lorch mit den anderen Re-
formklöstern. Besonders eng waren die Beziehungen zu Blau-
beuren, wie bereits aus der Zusammensetzung der Reform-
delegation 1462/63 hervorgeht (Schreiner 1986a, S.126). 1476
wurde der Blaubeurer Abt zum Prokurator für die Klöster
Murrhardt, Elchingen, Lorch und Alpirsbach ernannt (ebd.,
S. 120). Werner Gebhardt hat darauf aufmerksam gemacht, daß
sich im Lorcher Kalendar von keinem anderen Kloster so viele
Einträge (5) über auswärtige Mönche finden wie von Blau-
beuren (1979, S.76 f.). Darunter befindet sich auch der Eintrag
für den 1507 gestorbenen Blaubeurer Pater Johannes Acker-
mann, der zu den Reformmönchen gehörte, die nach Lorch ge-
kommen (Kai., S. 142: »unus de primis reformatoribus in
lorch«), aber wieder in ihr Heimatkloster zurückgekehrt waren.
Vier Einträge des Lorcher Kaiendars betreffen Angehörige des
Klosters Elchingen einschließlich des 1498 gestorbenen Abts
Paul (Kai., S. 139,142,144,148). Aus Murrhardt, das mit Lorcher
Mönchen reformiert wurde, sind zwei Äbte und ein aus Lorch
entsandter Mönch, Georg Baumhauer, aufgeführt (S. 146 f.).
Aus Hirsau erscheinen zwei Äbte und ein Prior (S. 143,145), aus
Anhausen ein Abt und zwei Mönche (S. 142,144,147). Je ein Abt
ist für die Klöster St. Ulrich und Afra in Augsburg (S. 139), für
Alpirsbach (S. 143) und Wiblingen (S. 144) eingetragen. An der
Lorcher Abtswahl im Bauernkriegs jähr 1525 waren die Äbte
von Murrhardt, Elchingen und Hirsau sowie ein Chorherr von
Herrenberg beteiligt (Gebhardt 1979, S.96).

In Lorch entstandene Handschriften

Über Bibliothek und Schreibstube (Scriptorium) des Klosters
Lorch hat Heribert Hummel 1981 zusammengestellt, was aus
den relativ wenigen Quellen zu ermitteln ist. Als älteste in Lorch
entstandene Handschrift gilt ihm eine 1489/90 entstandene Bil-
derhandschrift des »Kreuzeslob« von Hrabanus Maurus, die
das Wappen des Lorcher Abts Georg Kerler trägt (Hummel
1980; 1981, S. 137). Sie gelangte über die Klöster Elchingen und
Wiblingen in die Landesbibliothek Stuttgart.

In Lorch vollendete der Benediktiner Thomas Finck 1493 ein
»buchlin von den süben zytten« (Handschrift in der Landes-
bibliothek Karlsruhe, St. Georgen Pap. 84), das er der adeligen
Meisterin des 1475 reformierten Benediktinerinnenklosters
Urspring, Helena von Hürnheim, widmete (Kraume 1980,
S.61). Finck, der sich selbst als Konventualen von Blaubeuren
bezeichnet, übersetzte 1489 im Kloster Elchingen ein dem hl.
Thomas von Aquin zugeschriebenes Werk (Kraume 1980,
S. 56 - 61). Weitere Übersetzungen mystisch-asketischer Litera-
tur sind zu vermuten. »Fincks Übersetzertätigkeit diente der
Erneuerung klösterlichen Lebens« (Schreiner 1986a, S. 136). Mit
diesem Benediktiner wohl nicht identisch ist ein Arzt Dr.
Thomas Fink, der sich 1477/78 in Tübingen immatrikulierte,
1483 einen medizinischen Druck von Gabriel Biel entlieh, 1486
als Schwiegersohn des Gmünder Bürgers Hans Mangolt er-
scheint (UAG 1997) und sein Leben als Kartäuser in Güterstein
bei Urach beschloß.32

1496 begann ein Konventbruder Clemens ein deutsches Gebet-
buch (heute in der Landesbibliothek Stuttgart), das 1520 von ei-

32 Die bisherige Forschung bezog die Tübinger Immatrikulation auf den
Benediktiner, da sie die Belege für den Mediziner nicht kannte: Josef
Brecht in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon.
2. Aufl. Bd. 2. Berlin - New York 1980, Sp. 738 - 740; Schreiner 1986a,
S. 135 f. Finks Arbeit erwähnt Hummel 1981, S. 138. Die Belege für den
Mediziner sind nachgewiesen bei Peter Amelung in: Württemberg im
Spätmittelalter. Katalog. Stuttgart 1985, S. 141. Finks Eintrag im Gü-
tersteiner Nekrolog bei Rothenhäusler 1886, S. 266 und Theodor
Schön, Freiburger Diözesanarchiv 26/1898, S. 188.

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