Wanner, Peter [Compiler]
Heimatbuch der Stadt Lorch: Lorch: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Kloster — Lorch, 1990

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Einrichtung und Ausstattung der Klosterkirche

Staufergräber und die Staufertumba

Drei Begräbnisstellen sind überliefert: Im »corpus« (Mittel-
schiff) der Kirche, »ante gradus chori« (vor den Stufen des
Chores, demnach in der Vierung) und »in sanctuario, hoc est in
choro« (im Sanctuarium, dies ist im Chor). Kirchenratsdirektor
von Hochstetter, der auf Betreiben des Herzogs Karl Eugen sich
der Stauferdenkmäler annahm, ließ die Gräber öffnen, be-
schrieb sie in seiner Handschrift »Denkmäler des Klosters
Lorch« und ließ sie in sorgfältig lavierten Federzeichnungen
samt Maßangaben darstellen.52 Hochstetter bestätigt die schon
vor ihm genannten drei, aus dem anstehenden Sandstein ausge-
höhlten Grabanlagen, die eine Reihe von Steinsärgen enthielten.
Hundert Jahre nach Herzog Karl Eugen läßt wieder ein Landes-
fürst die Staufergräber aufdecken. Die damals anstehende
Restaurierung der Klosterkirche soll genützt werden »für
Durchforschung des Baudenkmals, insbesondere für Offnen
und Vermessen der Hohenstaufergrüfte nach dem Allerhöch-
sten Wunsch, Sr. Majestät des Königs«. Karl I. (1864-91) läßt
sich über die Grabungen des Sommers 1878 und über die Stau-
fer, die frühen Regenten seines Landes, berichten.
Angehörige der 6. bis 10. Staufergeneration sind hier in Lorch
begraben, aber keiner ihrer großen Kaiser und Könige. Bestattet
wurden hier 1140 der Klostergründer Herzog Friedrich I. (der
1105 zunächst in der Lorcher Stiftskirche beigesetzt worden
war), seine beiden Brüder Walther und Ludwig, dann Herzog
Konrad, der Sohn Friedrich Barbarossas, im Chor Königin
Irene und eine ihrer Töchter, auch der elfjährig zum König ge-
wählte und drei Jahre darauf 1150 gestorbene Heinrich, Sohn
Konrads III. Die Chroniken nennen noch eine Reihe von Na-
men, auch im Kindesalter Verstorbene, doch sind die Nachweise
nicht immer zu führen (vgl. Seiffer 1969,126 - 143).
Im Jahr 1475 ließ Abt Nikolaus Schenk von Arberg die Staufer-
gräber öffnen. Funde in der Langhausmitte, dort, wo der Klo-

sterstifter begraben liegt, ließ er in einem aufgedeckten gehöhl-
ten Steinsarg bergen und darüber ein skulpiertes Monument
errichten. Gedanke und Ausführung dieses Grabmales ist im
Zusammenhang mit der 1462 einsetzenden Klosterreform zu
sehen. Sie wird angestoßen haben, die Anfänge des Klosters und
damit auch die hohe Stifterfamilie in Erinnerung zu rufen. Das
Monument sollte sie fortan unvergessen machen.53 Das Rote
Buch (99) überliefert von der Tumba, sie sei »sculptus per unum
artificem de Geppingen«, von einem Künstler von Göppingen
skulptiert.

Er hat dem Werk die zeitübliche Form eines Kastenaltares gege-
ben (2,31 X 1,36 X 0,99 m). Wenige Quader bilden seinen Block,
dem die Deckplatte aufliegt. Maßwerkblenden gliedern die
Flanken. Den eingerundeten Ecken sind hochreliefierte Statuet-
ten eingestellt: im Nordosten eine gekrönte Herrschergestalt, in
der Rechten das Zepter, in der Linken ein Kirchenmodell (Saal-
kirche mit Flankenturm) mit herabhängendem Schriftband. Ge-
genüber im Südosten eine beschädigte Frauenfigur, ohne Kopf
und Hände. Auch sie trägt im linken Arm ein Kirchenmodell
(eine Saalkirche mit Dachreiter). Es liegt nahe, in diesen beiden
Gestalten das Stifterehepaar des Klosters zu sehen. Und es ist zu
vermuten, daß die Standorte an der Westseite deren Sohn, König
Konrad III. und seiner Gattin Gertrud von Sulzbach vorbehal-
ten blieb. Sie (am Kopf beschädigt) hält Rosenkranz und
Schriftband in den Händen. Er trägt auf großem Kopf eine
Lilienkrone, stützt die Linke am Schmuckgürtel und greift mit
der Rechten das Schwert, um das sich ein Band schlingt.
Das Werk zu rühmen gibt die stark überkragende Deckplatte
Anlaß. Dem Schrägrand ist in gotischen Minuskeln eingemei-
ßelt: da gloriam deo Anno domini MCII iar ward diß/closter

52 Sechs Abbildungen in Seiffer 1969.

53 Zur Stauferüberlieferung im Gmünder Raum s. Graf 1984, 354.

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