Wanner, Peter [Red.]
Heimatbuch der Stadt Lorch: Lorch: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Kloster — Lorch, 1990

Seite: 159
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schrieben (Lorent 1867, 75): »In der mittleren Abtheilung (der
Westwand) war über dem Portale noch am Schluß des vorigen
(18.) Jahrhunderts ein Frescobild, welches die beiden Brüder des
Stifters, Walther und Ludwig, in der Tracht des 11. Jahrhunderts,
mit Schwertern umgürtet, darstellte; jeder hielt eine Fahne in der
Hand, auf welcher drei gelbe Löwen übereinander im rothen
Felde gemalt waren. Uber dem Bilde standen die Worte Fratres
fundatoris nostri Gualterus Ludovicus; in ihrer Mitte sah man
ein Wappenschild mit den heraldischen Zeichen der Fahnen und
über dem Schilde einen offenen Helm, auf welchem eine Säule
mit Pfauenfedern. Die Überschrift des Wappenschildes hieß:
Insignia Baronum de Hohenstaufen«.

Hier sind die Stifterbrüder Walter und Ludwig in Erinnerung
gebracht, doch in einer Darstellungsweise, die sich von den
anderen Figurenbildern absetzt. Es ist demnach fraglich, ob es
sich um zeitgleiche Malereien gehandelt hat. Leider ist auch die
Standortangabe umpräzise. Direkt über dem Portal angebracht,
würde das zumindest für jene Zeit eine Emporenanlage in die-
sem Bereich ausschließen.

Grabmale

Woellwarth-Grabmale im nördlichen Querhaus

Die Kirche bewahrt 38 Gedenksteine aus dem 14. bis 1Z Jahr-
hundert. Viele deckten als Bodenplatte eine innerkirchliche
Grabstätte. Im Gefolge der großen Restaurierung um 1880 wur-
den sie bis 1893 aufgehoben und an die Wände gestellt. Beson-
ders in den Querhausflügeln reihen sich die Grabmale: die der
Herren von Woellwarth in der nördlichen Mauritiuskapelle, die
derer von Schechingen in der südlichen Bartholomäuskapelle.36
Beide Familien hatten hier ihr Erbbegräbnis im 15., die Woell-
warth bis weit ins 16. Jahrhundert.

Die beiden auch verschwägerten Adelsfamilien auf ihren Besit-
zungen unfern Gmünds verband nicht nur die räumliche Nähe
mit dem Kloster Lorch. Uber hundert Jahre hinweg (zwischen
1372 und 1461) stellte die Familie von Schechingen dem Kloster
drei Äbte und die Familie Woellwarth mit Volkart II. den Abt
der Jahre 1391 - 1400.57 Das macht die Wahl und die Gewäh-
rung dieser Grablege im Lorcher Kloster verständlich. Auch

dies, daß die Eltern des Abtes Volkart, Ritter Georg von Woell-
warth mit seiner Frau Anna von Schechingen, 1396 auf den
Mauritiusaltar der Kapelle eine tägliche Messe stifteten. Dazu
1406 eine jährliche Gedächtnisfeier, die in einer Vigil (Feier am
Vortage des Festes mit Messe und Stundengebet), Messe und
Ewigem Licht vor dem »Moritz-Altar« bestand.
Mit dem Chorausbau um 1465 boten sich für das liturgisch ent-
wertete Querhaus neue Inhalte an. Die Begräbnisorte in den
Querhausarmen wurden zu Grabkapellen umgestaltet. Die
Herren von Schechingen, deren Familiengeschichte damals
schon zu Ende ging, hat das nicht zu weiteren Taten veranlaßt,
doch die Woellwarths. Sie grenzten bis auf einen schmalen
Zugang die offene Südflanke der Kapelle mit figürlichen Grab-
malen ab (die bei der Neuaufstellung um 1880 vor die Wände
gerückt wurden).58 Das war der Beginn der eindrucksvollen
Serie der Epitaphe, dieser ritterlichen Ahnengalerie derer von
Essingen-Lauterburg und Laubach. Gewappnet stehen sie da
wie die Nachfolger des Kapellenheiligen, des gerüsteten hl.
Mauritius, des christlichen Anführers und Märtyrers der The-
bäischen Legion.

Die gestalterische Verwirklichung, weil von Händen und Zeiten
abhängig, zeigt Unterschiede. Doch nicht in der Weise, daß je-
des Werk künstlerisch isoliert wäre. Man erkannt vier Gruppen.
Stilistisch gehören die Werke 1 - 3, 4 und 5, 6 - 8, 9 und 10 zu-
sammen. Die erste Gruppe aus den heute vor der Ostwand ste-
henden Malen vergegenwärtigt die ältesten Werke.
(1) Diese Reihe beginnt zeitlich mit dem Vater des Lorcher
Abtes Volkart II. (f 1399), mit Georg. Verheiratet war er mit An-
na von Schechingen,59 gestorben ist er 1409. 1382 erhielt Georg

56 Über die Familie von Schechingen, die schon sehr früh ihre Stamm-
burg aufgegeben hat und um 1500 ausgestorben ist, s. OAB Aalen
1854, 158 f.

57 Auch die Mutter des Abtes Wilhelm Schenk von Arberg (1414 - 1441)
war eine Geborene von Schechingen.

58 Einem Grundriß der Klosterkirche Lorch, »nach der Aufnahme des
Oberbaurat Berner gez. von Ad. Biermann« (vermutlich 1878/79),
sind noch die alten Standorte der Grabmale eingezeichnet.

59 Zur Identifizierung ihrer Wappen sind die Ehefrauen und ihre Her-
kunft genannt. Was die Heimatorte der Frauen anbetrifft, waren sie
von den jungen Woellwarth in einem Tagesritt erreichbar. Aber schon
im 16. Jahrhundert kommen deren Bräute auch aus entlegeneren
Orten.

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