Meringer, Rudolf; Mayer, Carl
Versprechen und Verlesen: eine psychologisch-linguistische Studie — Stuttgart, 1895

Page: 157
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„Berührung" für „Beruhigung".

„ungeschicter". —

„gewärtigen" für „gegenwärtigen".

„nach 6 Stunden ruhiger ftündenden erwachte".
Hier ein charakteriftifcher Fall krankhaften Nachklangs.

Ein bekannter Wiener Gelehrter foll iu feinem Alter
alsWidmuug gefchriebenhaben: „ . . von Deinem Ononkel".

V. Wie man Nch verhörk.

Der Vokal der Wurzelfilbe und die Vokale überhaupt
werden am häufigsten richtig wahrgenommen.

Auffalleud ist dagegen, welche geringe Kraft die Con-
fonanten, fogar die anlautenden, dem Hörfehler ent-
gegenfetzen können. Für den Sprechenden ist der
Wortanlaut fehr wichtig, weil von ihm chn erfter Linie
die Erinnerung des Wortes abhängt, derHörer ist aber
oft nicht in der Lage ihn zu verstehn, was bei dem ge-
ringen akustifchen Wert der Confonanten begreiflich er-
fcheint, und fucht also lieber mit Hülfe der percipierten
Silbenvokale das mangelhaft erfaßte Wort zu erhafchen.

Beispiele:

May. verstand „Feld im Meere" für „Feld in
Mähren". —

Me. verftand „Vetter aus Kroke" für „Vetter aus
Chikago". —

May. verstand „Bauernfeld" für „Bauernfeuilleton".—
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