Schrammen, Jakob
Altertümer von Pergamon (Band III,1, Text): Der grosse Altar - der obere Markt — Berlin, 1906

Page: 45
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Die drei noch übrigen Kassetteneckstücke (Abb. a, b, c, S. 44) sind von ganz besonderem
Interesse. Ihre Kassetten haben in der zu den Kopfenden senkrechten Richtung das
Tiefenmaß der Kassetten auf den kleineren Blöcken, nach der anderen Richtung aber
das der Kassetten auf den größeren Tafeln. Sie slammen also von Ecken, an deren
einer Flucht Kassettentafeln mit der kleineren Spannweite, an der anderen solche der
größeren saßen, also von Ecken, an denen Säulenreihen von geringerer mit denen der
größeren Achsweite zusammenliesen. Man erhält mit Notwendigkeit die in Abb. d gezeich-
nete Anordnung; aus ihr ergibt sich auch, daß an der Ecke, an der die großen Achs-
weiten begannen, die erste Achsweite von der Ecke noch das Maß der kürzeren Architrave
hatte. Der Stein Abb. c — er wurde auf der Hochburg in dem größeren Palaste ge-
funden — ist noch einmal benutzt und dabei neu bearbeitet worden.
Vier Vorderstücke sind erhalten, die auf ihrer Oberseite Standspuren von Skulp-
turenplinthen aufweisen (Abb. a bis d). Die Standspuren auf den Stücken a und b rühren
--------- 0,71 ------


a b c d
augenscheinlich von gleichartigen Plinthen her. Sie befinden sich nicht in der Mittelachse
des Blockes, sondern nahe einer Kante, symmetrisch zueinander. Die zu ihnen gehörigen
Skulpturen standen ofsenbar paarweise beieinander, wahrscheinlich zu beiden Seiten der
über den Säulen befindlichen Stoßfuge der Kassettentafeln. Die Standspur auf dem
Blocke Fig. c ist auch rechteckig und so breit wie die Standspuren auf den Steinen
a und b, sitzt aber in der Mittelachse des Steines und ist weiter von der Vorderkante
abgerückt. Die Spur auf dem Stein d ist eiförmig und sitzt nicht in der Mitte der
Kassettentafel, sondern einer Kante genähert. Alle vier Stücke gehören nach ihrer Breite
und den Maßen der Kassetten zu den Achsweiten von 1,40 oder 1,44 m, sie können
darum, wie später gezeigt wird, nur von der Ost-, Nord- oder Südseite, nicht von der
Treppenseite flammen. An welchen Stellen dieser Seiten sie saßen, ist nicht mehr zu
ermitteln. Sie können jedoch, da sie an beiden Seiten Haken für die Überblattung an
den Stoßfugen haben, auch die Kassetten rechteckig, nicht quadratisch sind, nicht von
Ecken flammen, wie man aus allgemeinen Gründen sonst wohl annehmen möchte.
Die Skulpturen, die vielleicht zu diesen Standspuren gehören, werden später (S. 76)
im Zusammenhange behandelt werden.
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