Schrammen, Jakob
Altertümer von Pergamon (Band III,1, Text): Der grosse Altar - der obere Markt — Berlin, 1906

Seite: 67
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/pergamon1906/0072
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
67

Der Opferaltar.

Der bisher wiederhergestellten Bauanlage fehlt noch der nach der Zweckbestim-
mung des Baues wichtigste Teil: die Opferstätte.
Von entscheidender Wichtigkeit für den Ort der Opferstätte ist das auf S. 5 dar-
gestellte Münzbild. Es zeigt den Opferaltar als rechteckigen Baukörper, oben und unten
von Architekturgliedern eingefaßt, in der Achse des Baues auf dem Altarhof. Ein von
vermutlich vier, auf den Ecken des Opferaltars flehenden Säulen getragener Baldachin
beschützt ihn. Die Darstellung ist, soweit es möglich, vereinfacht; doch ist das Schema
des Aufbaues deutlich zu erkennen.
Auf welchem Teile der Plattform der Opferaltar stand, wie seine Grundrißform
und seine Abmessungen waren, ist aus dem regelmäßigen Netzwerk des Fundament-
kerns nicht zu ermitteln. Zwar waren wir bei den bisherigen Untersuchungen in
ähnlicher Lage, es ließen lieh aber doch wenigstens die allgemeinen Maße und die An-
ordnung der den ganzen Bau tragenden Stufen aus den noch am Ort befindlichen
Reiten ermitteln, und die große Anzahl der erhaltenen Werkstücke bot Hilfsmittel genug,
ein Bauglied an das andere anzufügen und aus der Fülle der Einzelbeobachtungen in
fortsehreitender Entwickelung den alten Wunderbau wieder aufzurichten. Hierin muß
jetzt eine natürliche Lücke eintreten: der Opferaltar stand ohne unmittelbare Verbindung
mit der ihn umgebenden Halle srei im Hofe, und es ist nicht möglich, ihn zu dem
bisher rekonstruierten Aufbau in gesicherte Beziehung zu setzen. Hierüber könnte
man nur hinwegkommen, wenn die Anzahl und die Beschasfenheit erhaltener Werk-
stücke so groß wäre, daß sich aus ihnen der Aufbau und der Grundriß unmittelbar
wieder herstellen ließe. Das ist nun leider nicht der Fall. Nur von seinem Kranz-
gesimse sind Stücke erhalten, und zwar merkwürdig viele, aber doch wieder nicht so
viele, daß sich aus ihnen Sicheres über die Grundrißanlage und die Abmessungen
ergäbe, um so weniger, als bei diesen Stücken das Hilfsmittel fehlt, das bei der Ver-
teilung der Deckgesimsblöcke so gute Dienste leistete: keines der Kranzgesimsstücke trägt
9*
loading ...