Schrammen, Jakob
Altertümer von Pergamon (Band III,1, Text): Der grosse Altar - der obere Markt — Berlin, 1906

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Datierung

Es bleibt noch übrig die Beantwortung der Frage nach der Erbauungszeit des
Altars und nach dem Namen der Gottheit, der er geweiht war.
Ein unmittelbar beweisendes Zeugnis hierfür haben wir leider nicht. Daß er
während der höchsten Blüte pergamenischer Baukunst entstand, geht aus der künst-
lerischen und technischen Behandlung seiner Einzelformen hervor, deren Entwickelung
bei den Bauten Pergamons durch die weit fortgeschrittene Aufdeckung der alten Bau-
werke klar zu übersehen ist. Die Großartigkeit seiner Konzeption wiederum möchte
man am liebsten einer Zeit zutrauen, in der das Kraftgefühl eines durch siegreiche
Kämpfe erprobten Volkes den Boden bereitete, dem ein Werk von so überwältigender
Größe entsprießen konnte.
Die höchste Entwickelung pergamenischer Baukunst und Bautätigkeit fällt in die
Königszeit, die höchste Machtentfaltung auf politischem Gebiete und die schwersten
Kämpfe fallen unter des zweiten Eumenes Regierung. Daß dieser Herrscher einen
wesentlichen Anteil an der baulichen Ausgestaltung Pergamons hatte, bezeugt Strabo
(XIII, 623) und haben die Funde bestätigt. Ein Zeugnis wiederum seiner Tätigkeit
nach der Richtung, der der Altarbau angehört, hat die französische Ausgrabung zu Delphi
ans Licht gebracht (Bull, de corr. hell.jK, 1881 S. 372 ff.). Es ist ein Dekret der ' "%*
Aitoler für Eumenes II. »Das Dekret zeigt besonders anschaulich die Umstände, unter
denen wir die Erbauung des Prachtwerkes, wie sie unter Eumenes IL erfolgte, zu
denken haben. Eumenes hat, wie es ausdrücklich heißt, nach seinen Kriegserfolgen,
nach der Vergrößerung und Befestigung seiner Herrschaft, neue Agonen und Opfer der
Athena Nikephoros eingesetzt oder doch die alten glänzend erneut. Er hat das Temenos
der Athena vor Pergamon, wohl zu unterscheiden von dem alten Heiligtum auf der
Burg, zum Asyl erklärt. Hierfür erbittet und erhält er die Anerkennung der Aitoler, zu
denen er deshalb drei Gesandte geschickt hat. Eumenes erscheint auf der Höhe seiner
Macht in vollem Bemühen Denkmale seines Glücks zu stiften.« So Conze, Sitzungsber.
der Preuß. Akad. der Wiss. 1881, S. 876.
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