Plietzsch, Eduard
Die Frankenthaler Künstlerkolonie und Gillis van Coninxloo — Leipzig: Verlag von E. A. Seemann, 1910

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ERSTES KAPITEL
DIE MALER DER NIEDERLÄNDISCHEN
KOLONIE IN FRANKENTHAL IM 16. UND
17. JAHRHUNDERT
TT'rankenthal in der bayrischen Pfalz ist im Laufe der letzten Jahr-
hunderte zweimal eine Stätte wertvoller künstlerischer Tätigkeit
gewesen.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gingen aus seiner Por-
zellanmanufaktur jene feinen Erzeugnisse hervor, die zu den besten
Schöpfungen dieses kunstgewerblichen Zweiges gehören und die dem
Namen Frankenthal in den Kunstkreisen Europas einen guten Klang
verliehen haben.
Aber lange vorher, am Ausgange des 16. und am Beginne des 17. Jahr-
hunderts, hatte sich in den Mauern dieser Stadt schon einmal für kurze
Zeit ein reges künstlerisches Leben entfaltet. Die Künstler, die Franken-
thal damals beherbergte, waren Mitglieder der eingewanderten nieder-
ländischen reformierten Kolonie, Maler, die sich fast ausschließlich der
Schilderung der Landschaft widmeten und die auf die weitere Ent-
wickelung der niederländischen Landschaftsmalerei einen bedeutungs-
vollen Einfluß ausüben sollten.
Die künstlerische Eigenart der Maler dieses Kreises zu schildern,
sowie ihre Lebensumstände, soweit sie uns bekannt sind, darzulegen,
soll in diesen Blättern versucht werden.

In den Niederlanden hatten die evangelischen Christen schon unter
Karl V. einen schweren Stand. Nach dessen Abdankung nahmen die
Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, noch mehr an Umfang und
Härte .zu, bis die Schreckensherrschaft unter Alba ihren Höhepunkt
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