Probst, Hansjörg
Seckenheim: Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes — Mannheim, 1981

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In den Musterungslisten von 1590 bis 1610 finden wir das „Heidelberger Fendlin" (Fähn-
lein) unter dem Kommando von „Hauptman Lorentz zu Heidelberg". Musketiere und
„gemeine Schützen" gehörten dazu; sie sind namentlich aufgeführt; unter ihnen waren
folgende 7 Seckenheimer: „Peter Landtman mit einem Schloß Rohr (Büchse mit Schloß),
Sigmundt Metz, Rotmeister Konradt Zimmerman, Anstadt Bruch, Gilg Waltter, Valttin
Stoll, NicelDopp hatt aber kein Stuhrm haub" [77/3006].

Eine Liste vom 7. Januar 1615, also aus der Zeit der unmittelbaren Kriegsrüstung vor dem
30jährigen Krieg, gibt genaue Zahlen, aber leider keine Namen. Das ganze Oberamt Hei-
delberg hatte„ 6.120 Persohnes" zu stellen, davon 45 aus Seckenheim, 62 aus Neckarau, 37
aus Edingen, 40 aus Ilvesheim und 350 aus der neugegründeten Stadt Mannheim
[77/3006].

Aus diesen Musterungslisten geht eindeutig hervor, daß schon im 15. Jahrhundert, und
besonders wieder vor dem 30jährigen Krieg, ein Landesaufgebot, also eine Art Wehr-
pflicht, bestanden hat. Friedrich der Siegreiche, Philipp und besonders Johann Casimir
konnten sich dabei durchaus auf eine breite Zustimmung ihrer Untertanen stützen.

2. Die Pfälzer Geschichte und die Schlacht bei Seckenheim

2.1. Die Kriege von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des 30jährigen Krieges

Die Ursachen der Fehden und Kriege in diesen knapp 250 Jahren waren im 14. und 15.
Jahrhundert territoriale Streitfälle, die kriegerischen Konflikte des 16. Jahrhunderts wur-
den erst durch soziale, dann durch die zunehmenden religiösen Spannungen ausgelöst, die
schließlich auch den 30-jährigen Krieg entzündeten. Schon der Anfall Seckenheims an die
Pfalz war das Ergebnis einer kriegerischen Auseinandersetzung. Solche Konflikte gab es
immer wieder und gerade die offenen Dörfer hatten unter ihnen besonders zu leiden.
Kriegsentscheidende Gefechte waren eher die Ausnahme: Kriege zogen sich hin in Einfäl-
len und Räubereien, in Beutezügen und Plünderungen, in Verwüstungen der nach Mög-
lichkeit erntereifen Felder und Brandschatzungen der offenen Dörfer.
Zwischen 1349 und 1369 gab es eine langdauernde, immer wieder aufflackernde Fehde
zwischen Pfalzgraf Ruprecht I. und den Grafen Eberhard von Württemberg und Walram
von Sponheim um den Besitz Ladenburgs. In dieser Fehde erlitten 1352 Seckenheim und
seine Nachbardörfer großen Schaden durch Walram von Sponheim; dieser Schaden
betrug nach pfälzischen Angaben 1200 Pfund Heller und wird wohl in Verlusten aus Plün-
derung und Brandschatzung bestanden haben [RPfRh, 1, Nr. 2380 und 67/1340 Sei
77-78].

Unter der kriegerischen Regierung Friedrichs des Siegreichen zählt hier vor allem der ent-
scheidende Krieg mit dem Erzbischof von Mainz, 1460, und der gegen den Pfälzer au g^
rufene Reichskrieg von 1462 im Herzen der Kurpfalz mit der entscheidenden ScJla<f äb.
Seckenheim. Wie wir unten sehen werden, hat der Sieg des Kurfürsten, damals bucn
lieh im letzten Augenblick, die drohende Zerstörung des Dorfes abgewendet.
Im bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieg von 1503 - 1507 streiften im Juli 1504 die ben

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