Probst, Hansjörg
Seckenheim: Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes — Mannheim, 1981

Seite: 377
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des Landgrafen von Hessen bis vor die Tore Heidelbergs, verheerten die Pfalz nördlich des
Neckars, errangen aber keine militärischen Erfolge.

Der Bauernkrieg von 1525, der in der näheren und weiteren Nachbarschaft mit großer
Grausamkeit geführt wurde, ließ auffallenderweise das Heidelberger Oberamt gänzlich
unberührt. Im Wormser Fürstbistum an der Bergstraße (Hemsbach), in den Pfälzer Gebie-
ten links des Rheins und vor allem im Speyerer Gebiet zwischen Maisch, Rothenberg und
Kieslau im Norden und Bruchsal und Udenheim (Philippsburg) im Süden tobte der Krieg
äußerst blutig im April und Mai 1525. In Seckenheim wie in der engeren Nachbarschaft
fand der Bauernkrieg nicht statt. Im Gegenteil, der Pfälzer Kurfürst Ludwig V. war der
entschiedene Gegner der Bauern, der von Würzburg bis zur Nahe und von den Toren
Frankfurts bis tief ins Elsaß in blutigen Feldzügen die Ruhe wieder herstellte. Er war auch
der Sieger über die Bauern in der Entscheidungschlacht bei Königshofen.
Im schmalkaldischen Krieg von 1546 hatte sich die Pfalz unter dem Kurfürsten Friedrich
II. noch rechtzeitig für den Kaiser erklärt, und im Fürstenaufstand von 1552 gegen Kaiser
Karl V. blieb die Pfalz neutraler Vermittler. So gingen die verheerenden Züge des Mark-
grafen Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach 1552 an der Pfalz vorüber. Der
Rheinübergang des von Süden kommenden Albrecht Alkibiades bei Altrip führte wohl
über das Seckenheimer Ried, das Dorf aber blieb unberührt.

Für Seckenheim bleibt die Tatsache festzuhalten, daß es in diesem ganzen Zeitraum keine
Schäden durch kriegerische Einwirkung erlitt.

2.2. Die Schlacht bei Seckenheim

2.2.1. VORBEMERKUNG

Wenn man die Schlacht bei Seckenheim in ihrer Bedeutung würdigen und heute einer brei-
ten Leserschaft nahebringen will, muß man sie in den größeren Rahmen stellen, in den sie
gehört; denn paradoxerweise hat sie für Seckenheim, nach dem sie benannt ist, unmittel-
bar keine große Rolle gespielt, wenn man davon absieht, daß sie das Dorf vor der von den
Eindringlingen für diesen Tag (30.6.1462) geplanten Einäscherung bewahrt hat. Das war
natürlich für die damaligen Seckenheimer, die übrigens auch mitkämpften, das überwälti-
gende Ereignis [vgl. Karl Kollnig, Die Weistümer der Zent Schriesheim 1968, S. 141-43
Nr- 74. Dieses Weistum enthält die Dienstpflicht der Zentangehörigen in den Kriegen
Friedrichs des Siegreichen. Von der Teilnahme an der Schlacht bei Seckenheim heißt es:
»Erstlich allein und soviel Hempsbach, Laudenbach und Sultzbach belangt, Hans Bader
von Schriesheim sagt, als er zu Hempsbach geseßen, das er dickermals (oft) von inen, auch
enen von Laudenbach gehört sagen, wie sie mit andern zentluten (Angehörigen der Zent
Griesheim) im Lußhart (Schwetzinger Wald) gewest sein, die bäum schelen helfen, sich
Krumet (gerühmt), wie sie bei dem schlagen vor Seckenheim gewest"]. Trotzdem wäre die

f Saline Entwicklung des Dorfes ohne die Schlacht nicht anders verlaufen, als sie ver-
laufen ist.

n ererseits ist es nicht einfach oberflächlicher Lokalpatriotismus, der diesem Ereignis in

^ ner Seckenheimer Geschichte einen hervorragenden Platz sichert. Der Ortshistoriker,

r ie Geschichte eines Ortes als den Niederschlag einer ständigen Wechselbeziehung zu

großen historischen Zusammenhängen darzustellen sich bemüht, darf diese Schlacht

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