Wiegand, Theodor
Siebenter vorläufiger Bericht über die von den Königlichen Museen in Milet und Didyma unternommenen Ausgrabungen — Berlin, 1911

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Siebenter vorläufiger Bericht über Ausgrabungen in Milet und Didyma. 35

in mehreren zum Teil wiederverwendeten Typen, der Architrav ist mit einem
fortlaufenden, steifen Pfeifenfries geschmückt. Die Untersuchung der Gegend
der Ikonostas ergab, daß hier eine Marmorbrüstung mit offener Säulen-
stellung darüber stand; in der Apsis fanden sich Sitzbänke. Von den
Mosaiken zeigten sich schlichte, die Kreuzform geometrisch verwendende
Muster. Zuletzt kam noch die Bauinschrift zutage (Marmor, Wandquader,
Länge 121 cm, Höhe 23 cm, Buchstabenhöhe 30 bis 35 mm; Zeile 5 und 6
sowie der Schluß von Zeile 4 [TOY0EO*H] scheinen auf Rasur zu stehen):

-j-J6reNSTO TTÄCA H <J>YA0KAAIA (.SO) TOY GYKTHPIOY
APXArr^AOY MlXAHA, TTPCONOYOYNTOC (so) AS «YPIAKOY
TOY ATIOTÄTOY KAi TPIC MAKAPIOTATOY OIKOYMGN-
HKOY (so) rTATPIAPXOY KAI LPoMÄNOY TOY eeO*H-
5 AGCTÄTOY TTPGCBC TTPOKOYPÄTOPOC KAI eKKAHCIGKAIKOY THC

MerÄAHC eKAfHCllAC KOYCTANT

INOYÜ K.

TeopriOY toy

AA-

Nach diesem Text läßt sich die Kirche mit Sicherheit in das Ende
des 6. Jahrhunderts datieren. Denn Kyriakos, der einzige Patriarch dieses
Namens, saß von Ende 595 bis zum 29. Oktober 606 auf dem Thron. Die
anderen Personen sind, wie Hr. Prof. Heisenberg mir mitteilt, nicht be-
kannt, »es müßte denn der letztere mit jenem Teuprioc identisch sein, den
Maurikios gegen Ende seiner Regierung (582—602) als Gesandten an
Chosroes schickte; bei Theophylaktos, ed. de Boor, S. 282, 190*. heißt es:
aiä toyto ö aytokpätcop Maypikioc eic thn FTepciAA eieneMre npecBYN TecjüprioN,

ÖC THC TÖN eÜUN nÖAGCüN *0P0A0riAC THN eniCTACIAN OK^KTHTO ' TOYTON nPAITü)PI(ON

e'nAPxoN XnoKAAOYci PumaToi. Danach besaß dieser Georgios als Praefectus
praetorio die Finanz Verwaltung in den kleinasiatischen Städten und wäre
also beim Bau der Michaelskirche in Milet als Geldgeber in Betracht ge-
kommen, seine Erwähnung in der Inschrift also ganz passend«.

B. Didyma.

I. Der heilige Weg.

Im Jahre 1907 hatten wir den heiligen Weg bei Didyma in der Ge-
gend der archaischen Sitzbilder des Chares auf 250 Schritte freigelegt.
Der nähere Befund ist im Sechsten Bericht (S. 46) geschildert. Nun galt
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