Wiegand, Theodor
Siebenter vorläufiger Bericht über die von den Königlichen Museen in Milet und Didyma unternommenen Ausgrabungen — Berlin, 1911

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Siebenter vorläufiger Bericht über Ausgrabungen in Milet und Didyma. 43

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Den didymeischen Altar erwähnt Pausanias nicht nur aus mytho-
logischen Gründen, sondern wegen einer gewissen äußeren Ähnlichkeit mit
dem olympischen; nur sei der didymeische weniger stattlich. In der Tat
beträgt der Umfang der didymeischen Opferstätte etwa 80 olympische Fuß,
während der olympische Zeusaltar mit Einschluß der Prothysis 125 Fuß
hatte, also ein Drittel mehr. Freilich betrug der innere Umgang zu Olympia
nur 32 Fuß, der zu Milet dagegen über 50 Fuß. Gemeinsam ist ihnen je
ein Zugang von den beiden entgegengesetzten Seiten; das Innere haben
wir uns in Didyma so zu denken, daß die Aufschichtung der Reste nur
bis an den inneren Rand des Umgangs reichte (sonst hätten die Türen sich
nicht nach innen öffnen können), und daß dort die Basis des kegelförmigen,
mit dem Blut der Opfertiere befestigten Aschenaufbaues begann —, denn
nur so kann die Nachricht des Pausanias über das Blut der Opfertiere ver-
standen werden. Es ist jener Kegel, den wir in kleiner Nachbildung auf
dem milesischen Theaterrelief mit der Darstellung des Kanachosapollo finden
(R. Kekule von Stradonitz, a. a. 0. S. 797). Eine Prothysis wie zu
Olympia besaß der didymeische Altar nicht. Man opferte auf dem Platz
zwischen Tempel und Rundbau. Trotzdem ist der Fund dieser Opferstätte
von entscheidender Bedeutung in der noch immer gelegentlich umstrittenen
Frage der Form des olympischen Zeusaltars (s. bes. Wern icke, Jahrb. d.
Inst. IX, S. 92 ff., auch Jahrbuch, Anz. 1901 S. 99 und 101). Er spricht zu-
gunsten der ovalen Fundamentlage zwischen Metroon und Zeustempel im
Zentrum der Altis.

Der runde, in vorzüglicher Quadertechnik erbaute Brunnen, welcher
nördlich des archaischen Altars gefunden ist (gegenüber der dritten Front-
säule von Norden gerechnet) ist ein Werk hellenistischer Zeit. Ob er auf
archaischen Grundlagen ruht, konnte noch nicht festgestellt werden.

V. Der Apollotempel (Taf. IV—XIII).

Das ganze im Laufe der Zeit mit Hilfe großherziger Altertumsfreunde
expropriierte Gelände in der Mitte des Dorfes Jeronda ist seit 1908 von
uns in den Bereich der Ausgrabungen gezogen worden. Folgende Zahlen
mögen den Umfang der Arbeiten vergleichsweise klai^machen: Der Flächen-

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