Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst / Korrespondenzblatt — 10.1891

Page: 33
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wzgk_kbl1891/0021
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Redigiert von
Professor Dr. Hettner
in Trier und
Professor Dr. Lamprecht
in Marburg.

[omsDonfazIla

der

Verlag
der
FR. L INTZ’schcn
Buchhandlung
in Trier.

Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst,
zugleich Organ der historisch-antiquarischen Vereine zn Backnang, Birkenfeld, Dürk-
heim, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Metz, Neuss, Prüm,
Speyer, Strassburg, Stuttgart, Trier, Worms, sowie des anthropol. Vereins zu Stuttgart.

♦-

Febr. & März. Jahrgang X, Nr. 2 & 3. 1891.
Das Korrespondenzblatt erscheint in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Inserate ä 25 Pfg. für die
gespaltene Zeile werden von der Verlagshandlung und allen Inseraten-Bureaus angenommen, Beilagen
nach Uebereinkunft. — Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, das Korrespondenzblatt monatlich. —
Abonnementspreis 15 Mark für die Zeitschrift mit Korrespondenzblatt, für letzteres allein 5 Mark.

Neue Funde.
13. Villingen. Nachträge zur Beschreibung des
Villinger Grabfundes in Korrbl. IX, 159.
Die in der Grabkammer an verschie-
denen Stellen gefundenen menschlichen
Knochen liessen sich zu einem Skelet
zusammenstellen; dasselbe war mit den
Tierknochen der Fall, welche sämtlich
von einem jungen Schwein herrühren.
Einige Knochen konnten allerdings bei der
Ausgrabung wegen ihres zerbröckelten Zu-
standes nicht gewonnen werden, doch
könnten es immerhin die an jenem Skelet
noch fehlenden gewesen sein. Es ist des-
halb die Frage am Platz, ob wir es nicht
etwa mit nur einer Bestattung zu thun
haben. Zunächst muss ich bemerken, dass
der Erhaltungszustand der Gegenstände in
der Kammer ein sehr verschiedener war.
Während z. B. einige eiserne Nagel vom
Radreif und auch dünnere Sachen von
Eisen noch wie neu aussahen, fanden sich
an mehreren Stellen Häufchen einer gelb-
lichen Masse, welche nach freundlicher
Untersuchung eines hiesigen Chemikers,
Herrn Prof. Friedländer, ebenfalls von oxy-
diertem Eisen herrührt, aber kaum noch
freies Metall enthält. Ähnlich war es mit
andern Materialien. Daher dürfen wir für
die Bestimmung der Anzahl der Bestat-
tungen nicht allein von den erhaltenen
Knochen ausgehen. Dagegen ergaben sich
beim Ausräumen der Kammer verschiedene
grössere Fundconglomerate (mindestens
die immer dasselbe Bild boten: zu-
üftterst die Reste eines grösseren, etwa

l1/2 cm dicken Brettes, darüber eine Lage
Leder, dann menschliche und tierische
Knochen, Stücke von Holzstangen, mehrere
kleine Holzzapfen, Reisig, eine schwarze,
meist von Leder umgebene Masse (Holz ?),
Knöpfe, Ringe und Anhängerchen von
Bronze. Nach Entfernung der Gegenstände
zeichnete sich ihre Lage noch auf dem
Holzboden durch eine schwärzere Färbung
ab. Bei dieser Gleichmässigkeit der Er-
scheinung scheint die Annahme einer et-
waigen Wegspülung von der Hauptbestat-
tung durch das einströmende Wasser weniger
wahrscheinlich. Der Schädel (mesokephal)
hat seine Erhaltung nur dem Umstand zu
verdanken, dass er in dem Ausschnitt ei-
nes grösseren Holzes lag und der über
ihn weggehende Deckbalken nicht ganz
herunter gesunken war. Doch wird es
besser sein bei der geschilderten Sachlage
die Frage nach der Anzahl der Bestatteten
offen zu lassen.
Ein Teil der bearbeiteten Holzstücke
stammt nach meiner Ansicht von einem
Wagen. Vor allem ist ein Felgenstück
mit noch aufsitzendem Eisenbeschläg zu
erwähnen. Der Reif ist 2 cm breit, 0,5 cm
dick und durch starke Nägel (noch 3) mit
fast ebenso dicken, rechteckigen, wenig ge-
wölbten Köpfen (L. der Köpfe 5,5 cm, Br.
1,5) befestigt. Die Nägel sind direkt neben
einander eingeschlagen, so dass der eigent-
liche Reif gegen Abnützung geschützt war,
eine Erscheinung, die wir bereits an eini-
gen Wagen dieser Zeit kennen (vgl. Lin-
denschmit, Samml. zu Sigmaringen S. 136 f.,
loading ...