Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst / Korrespondenzblatt — 10.1891

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83.

Redigiert von
Professor Dr. Hettner
in Trier nnd
Professor Dr. Lamprecht
in Leipzig.

Köfpesooodenzbla

der

Verlag
der
FR. LINTZ’schen
Buoh-liandlung
in Trier.

Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst,
zugleich Organ der historisch-antiquarischen Vereine zu Backnang, Birkenfeld, Dürk-
heim, Düsseldorf, Frankfurt a. BI., Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Metz, Neuss, Prüm,
Speyer, Strasshurg, Stuttgart, Trier, Worms, sowie des anthropol. Vereins zu Stuttgart.
-fr-
Oktober. Jahrgang X, Nr. 10. 1891.
Das Korrespondenzblatt erscheint in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Inserate ä 25 Pfg- für die
gespaltene Zeile werden von der Verlagshandlung und allen Inseraten-Bureaus angenommen, Beilagen
nach Uebereinkunft. — Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, das Korrespondenzblatt monatlich. —
Abonnementspreis 15 Mark für die Zeitschrift mit Korrespondenzblatt, für letzteres allein 5 Mark.

Neue Funde.
Karlsruhe. [Römisches Gebäude bei Walds-
hut.] In Dr. Schreibers Taschenbuch für
Geschichte und Altertum in Süddeutsch-
land, 10. Jahrg. 1844, findet sich in dem
Bericht über Römische Altertümer am
Oberrhein die auch in Fechts „Südwestl.
Schwarzwald“ 1858 übergegangene Notiz:
„Auf dem Wege von Waldshut nach Gurt-
weil, einige hundert Schritte von der Stadt,
zeigt sich, aus den etwas höheren Wiesen
hervortretend, altes, zum Teil mit Gesträuch
bewachsenes Gemäuer. Dasselbe bildet
gegen den Weg eine grosse Platte von
hartem, mit Ziegelteilen durchmischtem
Mörtel; das hintere Ende mag noch tief
im Schutte stecken. Auf der horizontalen
Platte liegt lockeres Erdreich; unter der-
selben ist durch Herabrollen des Schuttes
eine Höhlung entstanden, so dass man die
untere Fläche der Platte gut wahrnehmen
kann. Es sind Backsteine in den Mörtel
eingedrückt. Auf diese Nachricht begab
sich der Verfasser an Art und Stelle und
fand sogleich, was er im voraus vermutet
hatte, nämlich den ITeizboden (Hypocaus-
tum) einer gewöhnlichen römischen Villa,
mit den Pfeilerchen aus Backsteinen, der
Decke von grösseren gebrannten Platten
und dem Fussboden des darüber gelege-
nen Gemaches aus einem abgeschliffenen
Gusse von Kitt. In dem Schutte zeigten
sich Bruchstücke von Mörtelbekleidung der
Wände mit roher Malerei, Arabesken und
Gewinden von Blättern. Die Fundamente
reichen tief in die Wiesen hinein und

scheinen sehr ausgedehnt. Das eigentliche
Nachgraben musste damals unterbleiben.“
Reste von römischem Bauschutt blieben
auch später liegen und als im Frühjahr
dieses Jahres die zwei hier in einem Winkel
auseinander gehenden Strässchen nach
Gurtweil korrigiert wurden, stiess man
aufs neue auf die römischen Trümmer.
Der Anlass wurde benützt, um im Anfang
Mai die ganze Anlage blosszulegen und
genauerer Untersuchung zu unterziehen.
In der That fand sich ein grösseres
römisches Gebäude, dessen Funda-
mente und teilweise erhaltenen Mauern
sich von Nord-Ost nach Süd-West wenig
tief unter dem Wiesengrund in dem Win-
kel zwischen den beiden Strässchen mit
der Front gegen die Stadt Waldshut hin
hinzogen. Ein südöstlicher Komplex
von 6 Einzelräumen I—VI war der an
der südlichen Ecke von V, welche in der
That etwas zerstört erschien, früher ange-
brochene. Er bildete im Allgemeinen ein

(Nordost-)

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(Südwest-)

Rechteck von 14 auf 11 m und befand
sich im Fundament und in den zunächst
darüber liegenden Partien mit Resten von
Bruchsteinmauern von 50—85 cm Dicke
und da und dort noch 1 m bis 1,50 m
Höhe in einem noch so befriedigenden
Zustand, dass mancherlei bemerkenswerte
bauliche Eigentümlichkeit daran studiert
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