Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst / Korrespondenzblatt — 10.1891

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Redigiert von
Professor Dr. Hettner
in Trier und
Professor Dr. Lamprecht
in Leipzig.

Korresoontfenzöli

der

Verlag
der
FR. LINTZ’schen
Buchhandlung
in Trier.

Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst,
zugleich Organ der historisch-antiqnarischen Vereine zn Backnang, Birkenfeld, Dürk-
heim, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Metz, Neuss, Prüm,
Speyer, Strasshnrg, Stuttgart, Trier, Worms, sowie des antliropol. Vereins zn Stuttgart.
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April. Jahrgang X, Nr. 4. 1891.
Das Korrespondenzblatt erscheint in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Inserate ä 25 Pfg. für die
gespaltene Zeile werden von der Verlagshandlung und allen Inseraten-Bureaus angenommen, Beilagen
nach Uebereinkunft. — Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, das Korrespondenzblatt monatlich. —
Abonnementspreis 15 Mark für die Zeitschrift mit Korrespondenzblatt, für letzteres allein 5 Mark.

Neue Funde.
Schriesheim (bei Heidelberg). [Römischer
Bau.] Einem Bericht von Karl Christ in
der Heidelberger Zeitung vom 13. März
sowie dessen brieflicher Mitteilung ent-
nehmen wir: Dieser Tage wurden bei ei-
nem Neubau, den Herr Gastwirt Louis
Wagner „Zur Pfalz“ in Schriesheim dicht
neben dem Stationsgebäude der Lokalbahn
durch Herrn Baumeister Böhl von Neuen-
heim ausführen lässt, die Grundmauern
eines römischen Gebäudes aufgedeckt. Es
ist ein Keller aus Bruchsteinmauerwerk
von Porphyr, die Wände sind gelb ver-
putzt, die Mauerfugen mit roten Linien
bezeichnet; AVandnischen dienten zur Auf-
nahme von allerlei Gegenständen; in der
Mitte des Raumes stand ein steinerner
Tisch auf einem Säulenfusse. Der Keller
war, wie man aus verkohlten Holzresten
schliessen darf, mit Balken gedeckt und
voll einem daneben liegenden betonierten
Estrich aus zugänglich. Darin fand sich
auch ein kleines Relief von Keupersand-
stein, das eine sitzende weibliche Figur
darstellt, in langem Gewände mit einem
Fruchtkörbchen im Schoosse, also ein
sogen. Matronenbild, leider ohne Kopf und
Inschrift; Höhe 28 cm, Breite 16 cm.
Die dabei zu Tage gekommenen Menschen-
und Tierknochen scheinen teilweise aus
neueren Kriegszeiten herzurühren. Der
Keller zeigt dieselbe Anlage, die uns auch
bei anderen römischen Niederlassungen
hierzulande, namentlich bei dem im Jahre
1766 bei Schriesheim aufgefundenen, fälsch-

lich als Columbarium bezeiclineten, Bau
begegnet, vergl. Acta der Pfälzer Aka-
demie, II pag. 107 mit 2 Tafeln, und Karl
Christ’s Aufsatz „Das 100jährige Jubiläum
der Entdeckung römischer Altertümer bei
Schriesheim“ im Jahrgang 1866 der „Hei-
delberger Familienblätter“. — Die Fund-
stücke und ein Plan des Gebäudes kommen
in die Sammlung des Mannheimer Alter-
tums-Vereins. K. Baumann.
Echzell. [Römische Altertümer.] Im ver-20.
gangenen Winter wurden auf dem Fried-
hofe in Echzell bei der Anlage von Grä-
bern wiederholt starke Mauern, Scherben
römischer Gefässe und Ziegelsteine mit
Inschriften gefunden. Durch Herrn Lehrer
Simon gelangte die Nachricht von diesen
Funden an Herrn Kofler, der dann von
dem historischen Vereine mit der Unter-
suchung der Örtlichkeit beauftragt wurde.
Soweit es der beschränkte Raum im Fried-
hof gestattete, wurden die Ileizvorrichtun-
gen eines grossen römischen Gebäudes
freigelegt und es zeigten sich über einer
starken Betonierung die in Reihen gestell-
ten viereckigen und runden Backstein-
pfeilerchen, auf welchen der Estrichboden
ruhte, der durch frühere Grabanlagen stark
beschädigt und teilweise zerstört war.
Jedes Pfeilerchen oder Säulchen bestand
etwa aus 10 Backsteinplättchen, welche
genau aufeinander gelegt und durch eine
dünne Lehmschicht mit einander verbunden
waren. Die viereckigen trugen sämtlich
den Stempel der 22. Legion: LEG'NXIL
PR • P • F ■ (primigenia pia fidelis), die run-
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