Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst / Korrespondenzblatt — 10.1891

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Redigiert von
Professor Dr. Hettner
in Trier und
Professor Dr. Lamprecht
in Leipzig.

[omsDonfaiM

der

Verlag
der
FR. L INTZ’schen
Buchhandlung
in Trier.

Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst,
zugleich Organ der historisch-antiquarischen Vereine zu Backnang, Birkenfeld, Dürk-
heim, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Metz, Neuss, Prüm,
Speyer, Strassburg, Stuttgart, Trier, Worms, sowie des anthropol. Vereins zu Stuttgart.
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Mai. Jahrgang X, Nr. 5. 1891.
Das Korrespondenzblatt erscheint in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Inserate ä 25 Pfg. für die
gespaltene Zeile werden von der Verlagshandlung und allen Inseraten-Bureaus angenommen, Beilagen
nach Uebereinkunft. — Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich, das Korrespondenzblatt monatlich. —
Abonnementspreis 15 Mark für die Zeitschrift mit Korrespondenzblatt, für letzteres allein 5 Mark.

Neue Funde.
43. Worms. [Gräber der Bronzezeit bei Met-
tenheim.] Im Spätsommer des verflossenen
Jahres wurden auf dem Gute des Hrn. Haupt-
mannes a. D. Hoffmann aus Mainz auf dem
sogen. „Eicher Sand“ bei Mettenheim Grab-
funde zu Tage gefördert, welche aus mehr
als einem Grund das Interesse der Archäo-
logen zu erregen im Stande sind. Dieser
Eicher Sand besteht aus einer mehrere
Hundert Morgen grossen Fläche Landes
östlich der Rheinchaussee, das bisher als
öde Sandwüste bekannt gewesen war. Es
ist ein Rheingebilde, ein Überbleibsel jenes
einer früheren geologischen Epoche ange-
hörenden grossen Rheinsees und besteht
aus reinem Flugsand, welcher seine Ange-
hörigkeit zu dem Rheingeschiebe dadurch
beweist, dass er sich aus Granitkörnern
zusammensetzt. Diese Wüste nun zu
fruchtbarem Boden umzugestalten, war die
geniale Idee des jetzigen Besitzers und es
wird dibsesünternehmen durchgeführt unter
der bewährten Leitung des Herrn Direk-
tors Hermann. Es ist auch ganz erstaun-
lich, was in dieser Beziehung in der kur-
zen Zeit von einigen Jahren schon erreicht
worden ist, wo früher Wüste war, prangt
jetzt eine blühende Oase.
Bei diesen Arbeiten nun wurden im
Laufe der letzten Jahre in der Nähe der
Eicher Chaussee verschiedene Skelette an-
getroffen, die aber, weil sie ohne Beigaben
gefunden wurden, von den Arbeitern unbe-
achtet blieben, bis um die angegebene Zeit
bei dem Baue eines Stallgebäudes, dem

Wohnhause gegenüber ein vollständiges
Skelett gefunden wurde, das an dem einen
Beine einen grossen Schmuckring aus
Bronze und an der rechten Hand einen
Fingerring aus demselben Metalle trug.
Beide Ringe sind von vorzüglicher Erhal-
tung und nur durch die Unvorsichtigkeit
der Arbeiter etwas beschädigt worden.
Auch zwei Gefässe fanden sich bei dem
Skelett, dieselben sind jedoch in Stücke
zerbrochen und nur wenige davon erhalten
worden. Es ist zu bedauern, dass die Ar-
beiter nicht sofort von dem Funde Kennt-
nis gaben, Skelett und Beigaben hätten
alsdann sehr leicht vollständig unversehrt
erhoben werden können. Es ist nämlich
ganz erstaunlich, wie dieser leicht beweg-
liche, trockene Flugsand, in welchem ohne
jede Beimischung von Erde, die Skelette
gebettet liegen, die Knochen und die Bei-
gaben konserviert. Nicht nur, dass die
Bronzen von einer geradezu tadellosen
Erhaltung sind und selbst nur ganz geringe
Oxydation zeigen, so dass sie noch an
vielen Stellen ihre ursprüngliche goldglän-
zende Farbe bewahrt haben, auch selbst
die Skelette sind bis auf die kleinsten
Knochen vollständig erhalten geblieben,
eine Erhaltung, wie sie bei einem ca. drei-
tausend Jahre alten Grabfund wohl kaum
anderswo Vorkommen dürfte.
Im Ganzen wurden drei Grabstätten auf-
gedeckt und die aufgefundenen GegenstämLa*,.,...
von dem Besitzer auf das bereitwilligste0 - ,~W
dem Paulus - Museum zur Verfügung ge- "'-y
stellt. Zugleich wurde dem ARj^cumsver^'*
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