Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 2.1907

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BESPRECHUNGEN. 447

Hermaphroditen gemacht. Solche Vergleiche, wie Wagner sie hier anwendet, sollten
aber lieber nicht mit physischen Vorstellungen vermischt werden.

Wenn ich dann in meiner Besprechung sagte, daß ein Autor, dem ein solches
Mißverständnis entschlüpfe, unser Vertrauen für seine übrige Darstellung verliere,
so klingt das vielleicht in dieser allgemeinen Form ein wenig scharf; weshalb ich
jetzt genauer mich dahin ausdrücken möchte, daß man seine Darstellung mit Vor-
sicht aufnehmen und am Original nachprüfen muß, was bei jedem derartigen Werke
eigentlich sich immer empfiehlt. Keineswegs aber sollte damit eine radikale Ver-
urteilung dieses Buches noch anderer Arbeiten desselben Gelehrten ausgesprochen
werden.

Berlin. J. Vianna da Motta.

Wilhelm Pfeifer, Lehrbuch für den Geschichtsunterricht an höheren
Lehranstalten. Teil IV, V, VI. Mit einem Bilderanhange zur Kunst-
geschichte von Paul Brandt. Breslau, Verlag von Ferd. Hirt, 1907.
Diese drei Bände werden deshalb hier erwähnt, weil sie in den von Herrn
Brandt besorgten Bilderanhängen einen Beitrag zur Verwendung der Kunst im Schul-
unterricht bieten. — Über die Sache selbst habe ich mich ja bereits in meinem
Buche einigermaßen ausgesprochen. Das vorliegende Unternehmen macht mir den
besten Eindruck. Für die Lehraufgabe der Obersekunda sind 100 Abbildungen zur
Kunst- und Kulturgeschichte der Griechen und Römer, für Unterprima etwa ebenso-
viel aus altchristlicher Zeit, Mittelalter und Renaissance, für Oberprima wiederum
ungefähr 100 Abbildungen aus der neueren Kunstgeschichte zusammengestellt und
erläutert. Die Auswahl ist bis auf Einzelheiten, die ich beanstanden würde, gut
getroffen, die Wiedergabe der Werke so weit gelungen, daß die Hauptsachen klar
hervortreten und jedenfalls die Erinnerung einen festen Halt gewinnt, und die Er-
läuterungen sind bei aller Kürze vortrefflich, manchmal sogar von ausnehmender
Vorzüglichkeit. Man merkt, daß an dem Verfasser der Fortschritt unseres Kunst-
gefühls und der Umschwung in der Kunstwissenschaft nicht unbeachtet vorüber-
gegangen sind. Möchten nur unter seinen Amtsgenossen recht viele sein, die im
gleichen Sinne diese Tafeln benutzen! Die Anschaffung der Bände ist durch den
äußerst billigen Preis in erfreulicher Weise erleichtert.

Berlin. Max Dessoir.
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