Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 28.1934

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BESPRECHUNGEN

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zwischen zur Beschreibung wirkungsmäßiger Existenz vorgedrungen ist, so dehnt
sich das Feld der Regie bis auf Technisches und Äußerlichkeiten immer noch un-
erforscht zwischen Drama und Aufführung. Gelingt es aber, dem Begriff des „Spiel-
haften" im Drama eine Definition des „Theatralischen" gegenüberzustellen, drama-
tisch-spielhafte und theatralische Qualitäten miteinander in Beziehung zu setzen, so
wäre damit endlich einmal der ästhetische Ort bestimmt, den das Theater gegenüber
dem Drama einnimmt. Lebensbedingungen und Gesetzlichkeit der Regiekunst liegen
in dieser Distanz Drama — Aufführung. Solange sie unbekannt ist, wird es bei der
Unsicherheit und Willkür bleiben, mit der man bisher die Tätigkeit des Regisseurs
beurteilt. Die Historiker haben sich wenig oder ergebnislos mit dieser Frage befaßt.
Da sie aber zu den wichtigsten des Theaters und einer Theaterwissenschaft gehört,
ist es schon von Bedeutung, wenn nun von ästhetischer Seite ein gewisser Anhalt
geboten wird.

Um so dringlicher aber meldet sich der Wunsch nach einer unmittelbaren Er-
gänzung des vorliegenden „Beitrages zur angewandten Methodenlehre einer Wissen-
schaft vom Dramatischen". Es ist bezeichnend, daß die neue Definition des Drama-
tischen zunächst auf die Raum bezogenheit als Charakteristikum stieß. Daß zur
räumlichen Erstreckung auch die zeitliche gehört, erscheint notwendig und selbst-
verständlich, aber doch mehr als eine Folge davon. Gegenüber der zweifellos beson-
ders charakteristischen Bedeutung der Zeit für die Epik konnte Junghans nur auf
die andersgeartete, mehrfache Rolle der Zeit im dramatischen Werk hinweisen. So
bedauert man bei aller Dankbarkeit für die überzeugende, formvoll und beredt ge-
gebene Untersuchung beinahe, die neue dramaturgische Auffassung nicht zunächst
am Raumproblem erhärtet zu sehen. Jedenfalls wäre eine Bestätigung durch eine
Untersuchung des dramatischen Raums nunmehr doppelt willkommen.

Berlin. Winfried Klara.

von Ehrmann, Alfred: Johannes Brahms. We g, Werk und Welt.
548 Seiten, mit zahlreichen Bildern und Dokumenten. RM 14.—. Verlag Breitkopf
und Härtel, Leipzig.

Diese jüngste Brahmsbiographie tritt nach Umfang und Anlage neben die
älteren Darstellungen von Niemann (1920), Nagel (1923) und Ernest
(1930). Sie fußt wie die drei genannten Werke kaum noch auf dem persönlichen
Erlebnis, wodurch K a 1 b e c k s großes Brahmswerk und Florence M a y s Dar-
stellung gekennzeichnet sind. Sie berichtet sorgfältig zusammenfassend über das von
der Brahmsforschung Festgestellte und ergänzt den bekannten Tatsachenbestand um
einiges neu in Erfahrung Gebrachte. Die Darstellung folgt dem zeitlichen Ablaufe
des Lebens, das in seinen bürgerlichen Grenzen reich und bunt war. Brahms war
keineswegs ein Einsiedler, sondern ein sehr tätiger und glücklicher Wirtschafter
mit seinem Werke, in dessen Dienste er ganz Deutschland und Holland bereiste.
Diese Konzertreisen brachten Buntheit in sein Leben. Künstlerischen Reichtum
bedeuteten und spendeten die Sommerreisen in die Alpen und nach Italien; hier
sproß der größte Teil seiner Werke. In diese lange Kette äußerlich wenig bedeut-
samer Ereignisse eine leicht erkennbare Ordnung zu bringen, das hat Schwierig-
keiten. Erst wer durch wiederholte Beschäftigung mit dem Lebensgange des Meisters
diesen zu überblicken vermag, der wird der Darstellung Ehrmanns gern und willig
folgen können. Auf vertrautem Felde erscheint dann hier manches neu beleuchtet
und warm bestrahlt von einer zuversichtlichen künstlerischen Verehrung, von ver-
ständnisvoller Liebe für den Menschen.
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