Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 28.1934

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Höhere Wirkungsgestalten des sprachlichen Ausdrucks

im Deutschen.

Von

Friedrich Kainz.

I.

Das Thema des vorliegenden Aufsatzes wird einmal den Gegenstand
eines Hauptabschnittes in einer künftig zu schreibenden Sprachästhetik
zu bilden haben. Dieser günstigeren Gelegenheit muß die einläßliche
Beantwortung der in Betracht kommenden Fragen verspart bleiben; hier
können sie schon deshalb nicht erschöpfend behandelt werden, weil der
zur Verfügung stehende geringe Raum das Vorbringen eines größeren
Beispielsbestands, auf den bei stilistischen Arbeiten so sehr viel ankommt,
fast völlig ausschließt. Wir müssen uns darauf beschränken, das Problem
möglichst klar zu fassen, ferner für die hier sich darbietenden Erscheinun-
gen eine zulängliche sprachphilosophische und stiltheoretische Formel zu
finden, die der künftigen sprachästhetischen Forschung die Arbeit erleich-
tern soll und schließlich diese durch einige vielbesagende Anregungen in
die richtigen Bahnen zu lenken. Ich glaube indes, daß mit Hinblick auf das
zur Erörterung vorgeschlagene Anliegen auch diese vergleichsweise be-
scheidene Zielsetzung wohl genügen wird, um das uns vor allem Wichtige
erreichen zu lassen. Denn hier handelt es sich keineswegs um ein völlig
neues Problem oder um ein Verfahren, für das man bislang überhaupt
noch nicht sehend geworden wäre, vielmehr lediglich um einige letzte
Schritte auf einem Weg, auf dem die frühere Stilistik bereits nicht un-
beträchtliche Strecken zurückgelegt hatte, wenngleich mehr in unsicherem
Umherirren als in zielbewußtem Vorwärtsschreiten. Vor allem ist es uns
darum zu tun, der Stilistik durch klare Fragestellung ein seit mehr als
zweitausend Jahren vage geahntes Problem zu deutlichem Bewußtsein
zu bringen.

Die gesamte Sprachästhetik von ihrer Begründung durch die Redelehre
der Griechen bis zur modernen Stilistik ist eine ausgesprochene Mosaik-
forschung, die sich vornehmlich mit den einzelnen sprachlichen Wirkungs-
mitteln befaßt. Die unter den allbekannten Bezeichnungen „Tropen und

Zuitschr. f. Ästhetik u. allg. Kunstwissenschaft. XXVIII.

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