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Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 29.1935

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https://doi.org/10.11588/diglit.14176#0361
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BESPRECHUNGEN

347

Persönlichkeit, gliedert sich nach einer Einführung in vier so grundlegende wie
umfassende Hauptabschnitte. Ihre Nennung „Die neue Weltansicht und ihre Ab-
wandlungen"; „Winckelmann und seine Wirkung. ,Klassik' und ,Klassizismus'. Die
Griechen"; „Die Herdersche Humanität. Herder der Seelenbildner. Volkstum und
Geschichte"; „Goethes Weg zur Klassik. Natur, Kunst, Sinnentum. Dämonie und
Beherrschung" ist kein Ersatz für die auch nur annähernde Beschreibung der
quellenden Fülle ihres Gehalts, der nachzudringen hier leider der Raum mangelt.
Der künftige Band wird mit dem Auftreten Schillers in Weimar anhebend sinnvoll
einen neuen Abschnitt des ganzen Zeitraums einleiten.

Kunstwissenschaftlich interessierte Leser werden überaus viel Fesselndes und
manche eigenwüchsige Betrachtungsweise finden. Ich verweise beispielhaft nur auf
die Darstellung der Wichtigkeit des Karl Philipp Moritz. Nachdrücklich sei auf
die im ganzen sparsamen, aber außerordentlich wesentlichen und für einigermaßen
mit der gelehrten Literatur vertraute Leser sehr erhellenden Anmerkungen auf-
merksam gemacht. Wer sie nicht aufmerksam berücksichtigt, übersieht Wesent-
liches zur Erkenntnis der Gelehrtenpersönlichkeit des Verfassers Franz Schultz.

Nach dem Erscheinen weiterer und abschließender Bände wird man dieses um
der Erkenntnis einer geistesgeschichtlichen Ganzheit willen verfaßte Gesamtwerk
als selbst ein Ganzes erst recht würdigen müssen. Gerade das lebendig verflech-
tende „und" zwischen Klassik und Romantik wird erst in künftigen Darlegungen
aufgewiesen werden. Schon dieser Band spendet Belehrung in edler Reichhaltigkeit.
Nicht minder tiefzielend aber sind die Aussichten auf das Künftige. Es bleibt zu
wünschen, daß der Verfasser uns nicht zu lange warten läßt. Allen Dankes darf
er sich schon jetzt versichert halten.

Karlsruhe (Baden). Emil Kast.

Richard Benz: Geist der romantischen Malerei. Wolfgang Jess
Verlag Dresden 1934. 76 S. 16 Tafeln und 17 Textabbildungen.

Ein anmutig ausgestattetes Büchlein, das in raschen Schritten das romantische
Revier durcheilt, um da und dort mit dem Zauberstab des Wortes eine Gestalt auf-
blühen zu lassen. Aber ehe wir es uns versehen, hat die schöne Erscheinung schon
wieder verschwinden müssen, und wir bleiben eher verwirrt als begreifend zurück.
Dabei ist es ein ganz bestimmter Gedankenweg, den sich der Autor vorgenommen:
Runge und Friedrich als die eigentlichen Künder der nördlich-,,romantischen" Roman-
tik, Overbeck und Cornelius als das tragische Mißverständnis einer historisierenden
Südkunst. Die Malerei des 19. Jahrhunderts hat nun nicht da den Anschluß gesucht,
wo das Köstliche bereit lag, sondern hat sich einer „plastischen Theatralik" verschrie-
ben, die „in Stil und Haltung zu etwas gelangt, was an Wagner gemahnt". Großes
und Kleines aus dem Bereich der romantischen „Naturalisten" wird zum Beleg für
die These in den Tafeln vorgelegt: eine köstliche Bodenseelandschaft von Issel, zart-
linige Zeichnungen von Olivier, Heinrich, Scheffer v. Leonhartshoff. Den Beschluß
macht eine seltene Illustration Brentanos zu seinem Märchen „Gockel, Hinkel und
Gackeleia". Leider ist die Wiedergabe der Druckstöcke auf dem rauhen Papier oft
recht ungenügend.

Einige historische Flüchtigkeiten wären noch auszumerzen: Friedrich nimmt sei-
nen zweiten und dauernden Aufenthalt in Dresden nicht erst 1804, sondern 1802.
Der Wiener Lukasbund Overbecks wird nicht 1806, sondern 1809 geschlossen. Runge
wird nicht erst durch die Berliner Jahrhundertausstellung, sondern durch Lichtwark
1895 neu bekannt gemacht.
 
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