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Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 29.1935

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https://doi.org/10.11588/diglit.14176#0363
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BESPRECHUNGEN

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von W. v. Wartburg und F. Valsecchi im Selbstverlag des romanischen Seminars der
Universität Leipzig herausgegeben wird, hinter sich, und wir können auf diesen
Jahrgang zurückblicken, der uns 4 Hefte (das 3. und 4. in einem Band) geschenkt
hat. Bei der Begründung dieser Dreimonatschrift war es Absicht der Herausgeber,
wie uns in der Vorrede zum ersten Hefte dargelegt wird, alle gebildeten Deutschen,
insbesondere diejenigen, die des Italienischen nicht mächtig sind, auf dem Laufenden
mit den neueren Leistungen der Geisteswissenschaft, Kunst und Literatur in Italien
zu halten. Man will jedem deutschen Wissenschaftler oder auch nur kulturgeschicht-
lich Interessierten einen schnellen aber getreuen Überblick über Richtungen, Pro-
bleme und Lösungen verschaffen, die im Bereich seines Fachgebietes in Italien auf-
treten. Daß dieses Ziel erreicht wird, zeigt der erste Jahrgang der Zeitschrift. Auf-
sätze wie „Die Geschichte des italienischen Rechtes" von Arrigo Solmi (dem
jetzigen Justizminister), die „Studien über griechische Geschichte in Italien von
1913—1933" von A. Momigliano, „Die Krise der italienischen politischen Ge-
schichtsschreibung" von W. Matur i, die „Grundzüge der italienischen Philosophie der
Gegenwart" von G. Calogero sind geeignet, einen klaren Einblick in diese weiten
und vielspältigen Gebiete zu verschaffen. Auch einzelne Probleme, soweit sie Licht
auf eine Gesamteinstellung werfen, finden besondere Behandlung: Über den Stand der
modernen italienischen Tasso- und Leopardikritik berichtet O. Malagoli; die
Wertung des „18. Jahrhunderts in Italien und das Problem der Reformen in den Er-
gebnissen der neueren Historiographie" wird von C. Morandi dargelegt; die
Auseinandersetzung zwischen Idealisten und Neuscholastikern in der heutigen Philo-
sophie Italiens wird von F. O 1 g i a t i in kurzem wiedergegeben. Es wird auch dem
deutschen Leser die Möglichkeit geboten, mit den Grundlagen des faschistischen
Ideengutes in unmittelbare Berührung zu kommen durch eine Erläuterung der „Neuen
Preßgesetzgebung" (Paolo Orano) und der „Neugestaltung des Korporations-
wesens" in Italien (G. C h i a r e 11 i).

Was dann Schrifttum und Kunst anbetrifft, so zeigen M. P e n s a und A. L u -
a 1 d i mit einer Rückschau auf „Die Italienische Literatur der Nachkriegszeit" bzw.
auf „Die italienische Musik im 20. Jahrh.", welches die alten und absterbenden Rich-
tungen sind, und welche neuen Wege sich dem künstlerischen Schaffen in Italien auf-
tun. Als literarische Beilage zu diesem ersten Jahrgang der Zeitschrift werden eine
Novelle von P i r a n d e 11 o und „Die Adimari's" aus einem der besten Bücher
B. Cicognanis geboten.

Licht über die gegenwärtigen Leistungen Italiens auf den verschiedenen Kultur-
gebieten kann sich jeder Deutsche verschaffen durch das Nachschlagen eines Fach-
buches. Aber das Hauptverdienst der „Italienischen Kulturberichte"
liegt darin, daß sie Italiener selbst, und dazu solche, die mit großem Einfluß auf die
Weiterentwicklung des von ihnen besprochenen Faches wirken, mit ihrer eigenen
Stimme zu Worte kommen lassen. Wenn Arrigo Solmi z. B. über die Neurich-
tungen der italienischen Rechtsgeschichte, oder F. O 1 g i a t i über die Stellung der
Neuscholastik zum Spiritualismus und Idealismus berichtet, so ist man gegen alle
willkürlichen Deutungen und Verzerrungen gesichert, die bei einer Darstellung zwei-
ter Hand den Weg zum richtigen Verständnis versperren könnten. Es sei außerdem
nicht außer acht gelassen, daß die fachgemäß gewählten und geordneten bibliographi-
schen Hinweise, die den meisten Behandlungen beigegeben werden, dem deutschen
Leser Wege zu eigener Weiterforschung weisen und durch eine richtige Orientierung
das Suchen nach Gedankenlinien erleichtern.

Halle a. S. Mario Pensa.
 
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