Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 30.1936

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BEMERKUNGEN

Es verhält sich also allem Anschein nach so, daß der im großen gesehen ein-
fache Bogen der mittelalterlichen Architekturgeschichte eine Komplikation nur da-
durch erfährt, daß bald nach Erreichen des Gipfels (Hochromanik) ein Wechsel in
der Formensprache eintritt, und zwar infolge Einbruchs einer im wesentlichen auf
nordischen Voraussetzungen fußenden Formenwelt. Dieser Wechsel kann nicht im
Wege einfacher Ablösung vorgenommen werden; denn einerseits ist zur Zeit des er-
wähnten Einbruchs die alte Morphologie noch nicht tot, läuft daher neben der neuen
noch eine Zeitlang einher und entwickelt aus sich heraus ein eigenes, wenn auch der
zeitlichen Erstreckung nach mehr oder weniger verkümmertes Endstadium — auf der
anderen Seite konnte die neue Formensprache selbstverständlich nicht plötzlich aus
dem Nichts entstehen, mußte vielmehr aus eigenen, zunächst vergleichsweise primiti-
ven Voraussetzungen herauswachsen. Auf diese Weise kam es zur Überkreuzung im
angedeuteten Sinne.
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