Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

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auch die Ursachen ihrer Vollkommenheit genauer erforschen. Man erkannte, dass nicht nur
wenigen hervorragenden Monumenten jener Periode dieser Vorzug gebühre, dass er vielmehr
in jedem kleinsten Werke gleichmässig zu erkennen sei, seihst bis in die einzelnen Dorf-
kirchen und Bürgerhäuser hinein. Nicht nur die mehr und mehr in Galerien geretteten
Hauptwerke der Malerei und anderer Kunstweisen waren des Studiums vverth: auch die Werke
der verschiedensten Künstler und Handwerker, in edlen und unedlen Metallen, in Stein wie
in Holz, ja selbst am Wehestuhle und mit der Nadel, wurden der Beachtung und seihst des
eingehenden Studiums würdig erachtet.

Während der vierzig Jahre, welche seitdem verflossen sind, ist gewiss, was wir dank-
bar anzuerkennen haben, unendlich Vieles in dieser Beziehung von hervorragenden Männern
der Kunst und Wissenschaft nicht minder, wie von Freunden und Gönnern derselben ge-
schehen. Dennocli dürfte dessen, was noch geschehen muss, leicht noch mehr sein. Vor
allem ist es wichtig, dass die Forschung, welche bisher mehr vereinzelt und so zu sagen
zufällig war, in gleichmässiger Weise zusammengefasst werde. Dies kann in keiner Weise
besser geschehen, als durch ein gemeinsames Organ, eine Zeitschrift, in welcher dieje-
nigen, welche neue Entdeckungen auf dem Gebiete der Archäologie und Kunst des Mittel-
alters zu machen oder neue Erklärungen des schon Bekannten zu geben haben, sich aus-
sprechen können.

Von Allen ist bisher schmerzlich empfunden worden, dass unser Vaterland, obwohl dem
Auslande weder an Zahl noch an Wichtigkeit seiner mittelalterlichen Kunstdenkmäler nach-
stehend, eines solchen Organs entbehrt, welches, ähnlichen bereits lange bestehenden auslän-
dischen Unternehmungen würdig an die Seite tretend, ausschliesslich dem Studium der christ-
lichen Kunst und Archäologie gewidmet wäre, um allen Forschern und Freunden derselben
als Mittelpunkt zu dienen. In mannichfachem Verkehr mit gleichgesinnten Kunst- und
Alterthumsfreunden sind wir veranlasst worden, ein solches Organ zu gründen, und gehen
nun, in Hoffnung auf thälige Unterstützung, sowohl bei Herausgabe als auch bei Verbreitung
desselben, freudig an die Aufgabe.

Zunächst sei es erlaubt die allgemeinen Grundsätze darzulegen, welche uns, unter
Gottes Beistand, bei der Bedaction der Zeitschrift leiten sollen.

. Dieselbe muss weit genug sein, um der Erörterung der verschiedensten Bichtungen,
welche die Archäologie und Kunst der christlichen Vorzeit aufklären sollen, den nöthigen
Baum zu gewähren. Dass durch die Sinne wahrnehmbare Gegenstände auch einer sinnlichen
Darstellung bedürfen, ist selbstsprechend; deshalb sind auch Abbildungen der zu beschrei-
benden Monumente durchaus nothwendig.

Andererseits ist aber, um das zu erstrebende Ziel zu erreichen, eine Abgrenzung
nothwendig. Wir verkennen nicht, in welchem inneren Zusammenhange die verschieden-
artigsten Aeusserungen eines organischen Lebens mit einander stehen. Dennoch gehen sie
theilweise in ihrer Erscheinung so weit auseinander, dass man sie auch in der Erforschung
auseinanderhallen muss, wenn man nicht über dem Unendlichen die erreichbaren Ziele ver-
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