Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 2.1858

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Die Maler Roger van der Weyden

und einige Notizen über Goswin und Peter van der Weyden.

IN euere mit Eifer betriebene Forschungen in Belgien, Deutschland und Frankreich
nach Documenten und allen Nachrichten, welche sich auf die Malerschule der van Eyck
beziehen, haben im Lauf der letzten Jahrzehente manches neue Licht auf diese glänzende
Kunslepoche geworfen und namentlich festgestellt, dass es zwei von ihren Zeitgenossen
hochgepriesene Maler mit Namen Roger van der Weyden aus Brüssel gegeben. Carel van
Mander war jedoch der erste Schriftsteller, der, sichern Traditionen folgend und durch
Selbstanschauung der Werke jener Meister, sie gehörig unterschieden und namentlich des
jüngeren eigentbümliche Verdiensie richtig charakterisirt hat. In den seitdem erfolgten stür-
mischen Zeilen gingen indessen entweder alle ihre vormals berühmten Gemälde zu Grunde,
oder blieben unbeachtet in fremden Ländern verborgen, so dass sich auch eine jede sichere
Kenntniss derselben verlor, und sich über die Meister selbst durch unklare oder irrige Nach-
richten von Vasari und seinen Nachfolgern ein solches Dunkel verbreitete, dass sogar noch
Fiorillo darüber Klage zu führen Ursache halte. Erst seitdem ich ein Bild, welches der
ältere Roger für die Medicäer geinalt, nachgewiesen und ich das berühmte Gemälde der
Kreuzabnahme aus Löwen vom Jüngern Roger in Spanien zu untersuchen Gelegenheit fand,
wodurch frühere Annahmen sich*bestätigten, konnten wieder mit voller Sicherheil die Werke
jener zwei grossen Meisler erkannt und bezeichnet werden.

Dennoch haben in neuester Zeit zwei ausgezeichnete Kunstschriftsteiler Belgiens,
deren Belescnheil grösser als ihre Bilderkenntniss erscheint, geglaubt, annehmen zu müssen,
dass es nur einen Roger van der Weyden gegeben, welcher zu hohem Ruhme gelangt und
auch alle Bilder gemalt, welche sonst jetzt allgemein entweder dem älteren oder dem jüngeren
Boger zugeschrieben werden, und der des Johann van Eyck berühmter Schüler gewesen ist.
Hier berücksichtigen wir besonders den Aufsatz des um seine vaterländische Geschichte
hochverdienten Archivars zu Brüssel, Herrn A. Waijters*), dessen Ansichten in Beireff un-
sere Gegenstandes auch Hr. A. Michiels beigetreten ist**), dabei jedoch mehrere Ver-
sehen begeht.

Hr. Wauters Ihcilt uns zuförderst die Nachweise mit, dass die Familie der van der
Weyden ursprünglich aus Brüssel stammt und daselbst im XV. und XVI. Jahrhundert in vielen

*) Revue universelle des Arts, puhl. par M. Paul Lacroix. Paris 1S55. Vol. I. p. 421 — II. p. 5 ff.

**) A. Michiels, Histoire de la Peinture flamande et hollandaise. Bruxelles 1845. — (Auch in dem neuesten
Werke über die alten niederländ. Maler: The early Flcmish Painters, by J. A. Crowe and G. B. Cavalcaselle. London
1857, herrscht die bisherige Verwirrung über die beiden Roger van der Weyden und deren Werke. — Red.)

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