Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 2.1858

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120 ÜBER BYZANTIN. ERZTHÜREN DES XI. JAIIRH. IN ITALIEN.

situs Hierosolymitani xenodochii" u. s. w. u. s. w. — Diese Loslösung' von dem Mutterhausc,
welche wohl durch die Aufnahme der kriegerischen Tendenzen einer zweiten Gründung
gleichkam'), manifestirt sich auch in der Wahl eines anderen Schutzheiligen, zwar auch eines
Johannes, aber des Täufers, unter dessen Namen bereits in jener Bulle von 1113 die Kirche
neben dem Hospitale erwähnt wird. Noch heute erhebt sich dieselbe, wenn auch nicht in
der ursprünglichen Form, mit ihren Kreuzgängen und einigen Gebäuden des Hospitales auf
der Stätte der ersten Gründung, südlich von der Grabeskirche, nur durch eine enge Strasse
von ihr getrennt. Aber das Ganze dient dem Betriebe einer Lohgerberei, und in der noch
ganz brauchbaren Kirche liegt Lohabfall hoch aufgelhürmt.2) Erst vor wenigen Wochen hat
der protestantische Johanniterorden der Bailei Brandenburg an dieser Stätte der ersten
Gründung wiederum ein Hospiz eingerichtet/5) —

Wenn unser Pantaleon in dem oben angeführten Berichte des ihm gleichzeitigen
und wohl sogar persönlich bekannten Amalus (s. o. S. 109) als Stifter „gewisser Hospitäler
in Anliochia und Jerusalem" genannt wird und ausser dem von Wilhelm von Tyrus gedach-
ten neben der Grabeskirche liegenden, wie man bei dem gänzlichen Mangel an Nachrichten
davon und nach dem Berichte eben jenes Schriftstellers annehmen muss, kein zweites
Hospital der Amalfitaner um die Mitte des XI. Jahrb. in Jerusalem bestand, so wird man
ihn, wenn auch nach dem Obigen nicht für den alleinigen, so doch für den Hauptgründer
dieser Pflanzstätte des S. Johannilerordens halten dürfen.

1) Man wird das ausdrücklicheZeugniss des freilich nicht ganz gleichzeitigen Wilhelm von Tyrus über den besonders auch
durch die Person des Gcrard und das Lokal vermittelten Zusammenhang beider Gründungen nicht so entschieden als unbegründet
erklären dürfen, wie P. A. Paoli, Dell' origine ed istituto del sacro militar ordine di S. Giovanbattista. Roma. 1781. 4". 4 f., 7 ff.
und an vielen Stellen thut.

2) Fr. Ad. Strauss, Sinai und Golgatha, Reise in das Morgenland. Sechste Auflage. Berlin 1856. S. 211. Dr. E. G.
Schultz, Jerusalem. Berlin. 1845. S. 117. — 3) Berliner Revue 1S58. XII. 560.

Dr Ernst Strehlke.

Die Maler Roger van der Weyden

und einige Notizen über Goswin und Peter van der Weyden.

(Fortsetzung. — Vgl. Heft I, S. 1.)

Roger van der Weyden der Jüngere, f 1529.

Wie schon im EingaDg angegeben worden, herrscht über diesen Meister einige
Verwirrung, indem der oft leichtfertige Guicciardim, von den vier Gemälden im Bathhause
zu Brüssel sprechend, sie irrig dem Boger van der Weyden, dem Schüler des Johann van
Eyck zuschreibt und somit eine Verwechslung begeht, welcher Vasari und Opmeer*) gefolgt
sind. Lampso.mus jedoch, der besser unterrichtet war, sagt in seinen Lobgedichten, die er
wegen der fraglichen vier Gemälde in Brüssel unserm Meister erlheilt**), mit keinem Worte,

*) Opmerii Cbronographus. I, p. 406. — **) Erstlich unter dem Portrait des Künstlers, welches Hieronymus Cook
mit noch andern um 1570 hat fertigen lassen und in dem längeren von C. van Mander mitgctheilten Lobgedicht.
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