Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 2.1858

Page: 178
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MANNICHFALTIGES.

I. Kleinere Aufsätze und Notizen.

1. Einige Notizen über Goswin und Peter van der Werden.

(Als Schiuss der Abhandlung über die Maler Roger van der Weyden. — Vergl. Heft I. S. 1 ff. Heft III. S. 120 ff.)

Goswin van der Weyden,

geb. 1465, lebte noch 1535.

Einige in neuerer Zeit aufgefundene Documente diesen Maler betreffend haben erwiesen, dass
er sich mindestens von 1503—1530 in Antwerpen aufgehalten und 1535 im Alter von 70 Jahren ein
Altarblatt mit zwei Flügelbildern für die Abteikirche zu Tongerloo gemalt hat. In der dabei befindlichen
Inschrift giebt er auch an, dass er ein Enkel des Roger van der Weyden sei. Hier folgen nun die nähern
Angaben darüber.

In der „Liggere" (von legen, niederschreiben), oder dem Buch, worin die Meister-Aufnahmen etc.
in die Malergilde des H. Lucas zu Antwerpen seit dem Jahre 1453—1627 sind eingeschrieben worden,
wird Goswin van der Weyden i. J. 1503 als „franc-maitre" der Genossenschaft aufgenommen.

Als seine bei ihm eingetretenen Schüler finden sich verzeichnet:

1503: Peerken Bovelant. 1504: Simon Portugaloys. 1507: Aerdt van der Ve-
kene. 1512: Neelken van Berghen und Franz Dreyselere. 1513: Inghels Ingels-

sone. 1517: Hennen Simons.

Sodann ist aufgezeichnet, dass er 1514 zum Dechant (Doyen) der Genossenschaft des h. Lucas
ist erwählt worden und zum zweitenmal im Jahr 1530. Von da an geht seine Spur in der Liggere
verloren. *)

Ueber das Altarblatt, welches er 1535 für die Abteikirche zu Tongerloo gemalt, giebt A. Heyler**)
folgende Nachrichten:

„Goswin wurde in Brüssel geboren. Im Jahre 1535, als er bereits 70 Jahr alt war, malte er
ein Bild, welches den Tod und die Himmelfahrt der Jungfrau darstellt und welches sich jetzt am Ein-
gang des Klosters, in dem niedern Theil der Kirche zu Tongerloo befindet, ehedem aber den Hauptal-
tar schmückte. Auf den Flügelbildern hat er sich selbst und seinen Grossvater dargestellt, und über
diesen beiden Figuren befindet sich ein Täfelchen mit folgender Inschrift:

Opera R. P. D.

Arnoldi Streyterii hujus Ecdesiae abbatis hanc depinxit posteritatis Monumentum tabulam Goswinus
Vanäerweyden septuagenarius sua canitie, quam infra ad vivam exprimit imaginem, artern sui avi Rogeri,
nomen Appellis suo aevo sortüi, imitatus, redemti orbis anno 1535.

(Durch die Bemühungen des hochwürdigen Vaters, Herrn Arnold Streiter, Abt dieses Klosters,
wurde dieses Gemälde, als ein Denkmal für die Nachwelt, ausgeführt im Jahre der Erlösung der Welt
1535, von einem Siebzigjährigen, Goswin Vanderweyden, in seinem Alter, von dem er uns hier
ein lebendiges Bild gelassen, in der Kunst seines Grossvaters Boger, genannt der Apelles seines Zeitalters.)

Hr. van Hasselt hat dieses Bild wieder in dem Museum zu Brüssel aufgefunden. Es ist im
Catalog von 1851 mit No. 593, jetzt mit No. 631 bezeichnet, wird aber irriger Weise dem Gerhard
van der Meire zugeschrieben. Dasselbe wurde bei der Invasion der Franzosen mit andern Bildern der
Abtei Tongerloo und der S. Michaelskirche zu Antwerpen in das Canzleigebäude zu Brüssel gebracht und
später in ejne Bemise, wodurch sie sehr gelitten haben. Im Jahre 1844 befand sich unser Gemälde im

*) S. Catalogue du Musee d'Anvers 1849 p. IX und 38, wo ein ausführlicherer Bericht über das Buch.
**) Adkien Heyler, Historische verhandling over de Kempen. 2. Edition. Turnbout 1837 p. 160. — Waüter
Revue etc. II. p. 331.
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