Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst — 1.1856

Seite: 59
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Nochmals Mainz, Speier, Worms/)

Die Herren Schnaase und Kugler haben meine Schrift über die obengenannten drei
Dorne im deutschen KunstblaUe einer eben so freundlichen wie eingehenden Besprechung
unterworfen. Beide mir persönlich so nahe stehenden Kunstforscher sind hierzu vorzugs-
weise berufen. Seil mehreren Decennien stehen sie mit an der Spitze unserer Kunstge-
schichte, deren letzte Ausbildung ihrem Fleisse, ihrer Einsicht, vorzugsweise verpflichtet ist;
beide hatten neben Herrn Wetter die Geschichte der obengenannten Dome, welche selbst
einen Angelpunkt der ganzen deutschen Kunstgeschichte bildet, zuerst wissenschaftlich fest-
zustellen sich bemüht. Als ich es unternahm die charakteristischen Theile jener grossen
romanischen Gewölbebauten, der bisher fast durchgehend herrschenden Ansicht entgegen,
dem XII. Jahrhundert zu überweisen, (was Kugler in Bezug auf den Dom zu Speier aller-
dings schon früher gelhan,) war ich deshalb genöthigt jenen befreundeten Kunstforschern
vorzugsweise entgegenzutreten. In der jetzigen Bcurtheilung meiner Schrift führen sie nun
die Discussion über den streitigen Gegenstand fort, theils die Differenz festhaltend, theils
meiner Beweisführung zustimmend, theils auch den Standpunkt von einem neuen Gesichts-
punkte aus betrachtend. Bei der Wichtigkeit der Sache ist die endliche Feststellung dieser
Frage gewiss im höchsten Grade wünschenswerlh, und ergreife ich deshalb nochmals die
Feder, um die Gegengründe wiederum einer Prüfung zu unterwerfen.

Herr Schnaase, dessen zuerst erschienene Beurtheilung (Deutsch. Kunstbl. 1853 No.
45. 46.) ich hier zuerst ins Auge fasse, stimmt meiner Beweisführung nur in einem Punkte
bestimmt bei, nämlich über das spätere Alter des Doms zu Worms, worüber er sich früher
nicht ausdrücklich ausgesprochen halte; er stimmt jetzt zu, dass die Weihe des J. 1181
sich auf den jetzigen Bau bezieht. Dagegen hält er an der Ansicht fest, dass die beiden
anderen Dome dem XI. Jahrhundert angehören.

In Bezug auf den Dom zu Mainz macht er jedoch eine wesentliche Modification.
Die Nachrichten der Vita Bardonis, (deren Vorhandensein ich gesprächsweise zuerst durch
ihn erfuhr, ehe mir Dr. Watteinbach die Correcturbogen derselben zur Benutzung mittheille,
welche ich jedoch, da meine Schrift bereits abgeschlossen war, nur in einer Anmerkung
anführen konnte,) musslcn seine frühere Annahme, dass der jetzige Dom der im J. 1037
beendete Bau sei, als unmöglich erscheinen lassen. Um aber doch dem XI. Jahrhundert

*) Die vielfachste amtliche und ausseramlliche Deschäftigung des Unterzeichneten halle die Vollendung dieser, in
der grösseren Hälfte bereits vor 2 Jahren niedergeschriebenen Antikritik leider bisher verhindert. Die Wichtigkeit des Ge-
genstandes wird die so späte Wiederaufnahme entschuldigen. * v. Quast.
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