Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. gr. 237

Kommentare zu philosophischen und medizinischen Schriften des Aristoteles

Papier · 6, 171, 5 Bll. · 22 × 15 cm · Thessaloniki (?) · Anfang 14. Jh.


Schlagwörter (GND)
Philosophie / Scholien / Naturwissenschaft / Medizin.
Diktyon-Nr.
65969.
1ar–IIv vacant
1) IIIr–IVv Anonymus, Schreibübungen
2ar Schenkungsexlibris
2av vacat
2) 1r–112v Themistius, De anima paraphrasis
3) 113r–148v Simplicius, Scholia in Aristotelis De physica auscultatione
149r–152v vacant
4) 153r–171r Alexander Aphrodisiensis, Problemata
171v–173*v vacant
5) 174*r Anonymus, Fragmente

Kodikologische Beschreibung

Entstehungsort
Thessaloniki (?). Da einer der Kopisten in Thessalonike tätig war (vgl. Stefec 2013, S. 174), ist die Hs. möglicherweise dort entstanden.
Entstehungszeit
Anfang 14. Jh. Die Datierung ergibt sich durch die Wasserzeichen, die zumindest auf den Bll. 113–148 gefunden werden. Dagegen findet man von 1r–112v eine Schrift, die eher ins 15. Jh. deutet. Es kann daher nicht ganz ausgeschlossen werden, dass die Hs. zusammengesetzt ist.
Typus (Überlieferungsform)
Codex.
Beschreibstoff
Papier.
Umfang
6, 171, 5 Bll.
Format (Blattgröße)
22 × 15 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
II + 42a + 21 IV168 + III174* + I176*. Auf die Spiegel sowie die zugehörigen Vorsatzbll. wurde jeweils ein Doppelbl. aus Marmorpapier geklebt, so dass das Marmorpapier die Rectoseite von Bl. 1a bzw. die Versoseite von Bl. 176* bildet. Der Quaternio von Bl. 113–120 ist in sich falsch gebunden: die (laut Textverlauf) korrekte Blattreihenfolge ist: 114–116, 113/120, 117–119.
Foliierung
Vatikanische Foliierung (f. I–IV, 1–171). Die Bezeichnung der ungez. Bll. folgt dem Digitalisat (1a, 2a, 172*–176*).
Lagenzählung
Teilweise mit griechischen Zahlen: teilweise abgeschnitten. Reste davon sind meist am unteren Rand erkennbar. Die erahnbare Zahl ιε’ (15) auf 114r zeigt, dass die Bll. der Lage falsch eingeheftet sind.
Zustand
Die vorderen Vorsatzbll. und der hintere Teil der Hs. sind stark beschädigt. Stockflecken und Wurmlöcher treten häufig auf. Einige Bll. sind restauriert.
Wasserzeichen
Wasserzeichen aufgrund der Größe der Hs. nicht digitalisiert. Laut Stefec 2013, S. 174, haben die Bll. 113r–148v: Buchstaben, ähnlich „Nr. 5720 bei V.Mošin / S. I.Traljić, Vodeni znakovi XIII. i XIV. vijeka, Agram 1957 (datiert 1303/1313)“.

Schriftraum
18 × 11–13,5 cm (f. 1r–112v); 18,5 × 12,2 cm (f. 113r–148v); 18,5 × 11,5 cm (f. 153r–171r).
Spaltenanzahl
1 Spalte.
Zeilenanzahl
f. 1r–112v: 24 Zeilen; f. 113r–148v: 38 Zeilen; f. 153r–171r: 26–29 Zeilen.
Schriftart
Hand 1: kleine Buchstaben und relativ große Zeilenabstände; viele Ligaturen. Datierung mglw. 15. Jh.
Hand 2 (113r–148v): Fettaugenmode.
Hand 3 (153r–171r): Mit Einflüssen der Fettaugenmode, aber kursiver als Hand 2. Einsatz vieler Ligaturen.
Hand 4 (167r–171r): Anklänge an den Beta-Gamma-Stil, wohl 14. Jh. Ähnlich Hand 2, aber mit weniger Fettaugenelementen. Der Duktus ist gleichmäßiger als bei Hand 3. Weitere, ungeübte Hände auf IIIr, IVr–v, 174*r–v.
Angaben zu Schrift / Schreibern
Hand 1: ähnlich Gennadius Scholarios (RGK I, Nr. 71); Hand 2: Iohannes Pyrrhos (113r–148v).
Buchschmuck
Goldschnitt; Überschriften und Initialen sind rubriziert.

Nachträge und Benutzungsspuren
IIr: Capsa-Nr. C. 68, Allacci-Signatur 242, Signatur 237; 2ar Signatur 237, Provenienzvermerk seors. und Schenkungsexlibris. Stempel der BAV auf 1r und 174*v. Lateinische Ergänzungen 174*v: subjectum philosophiae naturalis: quae sunt in materia secundum esse et secundum rationem; außerdem finden sich in margine von der selben Hand einige Annotationen (teilweise falsch, wie liber secundus auf 33r).

Einband
Roter Ledereinband der BAV aus der Zeit von Kardinalbibliothekar Francesco Saverio de Zelada und Papst Pius VI.; Rücken mit deren goldenen Wappenstempeln, Rom 1779–1799; vgl. Schunke, Einbände, II, S. 911.
Provenienz
Augsburg / Heidelberg.
Geschichte der Handschrift
Die Hs. kam als Einzelstück (vgl. Vermerk seors auf f. 2ar) an Ulrich Fugger und gelangte zusammen mit seiner Bibliothek 1567 nach Heidelberg. 1584 Übergang in die Bibliotheca Palatina, 1623 Verbringung nach Rom, wo sie sich noch heute befindet.

Faksimile
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bav_pal_gr_237
Literatur
Stevenson, Graeci, S. 129; Rudolf Stefec, Der Codex Seitenstettensis des Plutarch, in: Rheinisches Museum 165, 2013, S. 172–193, hier S. 174, Anm. 8.
Verzeichnis der im Katalogisierungsprojekt abgekürzt zitierten Literatur

Inhalt

1) IIIr–IVv Digitalisat

Verfasser
Anonymus.
Titel
Schreibübungen.
Angaben zum Text
Schreibübungen, mit mehreren Wiederholungen. Inhaltlich handelt es sich um Invokationen, Grußformeln und Subskriptionen.
Incipit
IIIr βοομέ απαυστος προς τον κυριὸν θέ πάρθεν χερε κεχαριτομένε κ[ύριο]ς μετα σου.
Explicit
IVv ἑορτάζηεται ἀπριλλ ια’. ἰᾶται τοὺς …
Schrift / Schreiber
Eine ungeübte Hand. Auf IVv tritt eine andere Hand in Erscheinung, die wesentlich routinierter wirkt.

2) 1r–112v Digitalisat

Verfasser
Themistius (GND-Nr.: 118801783).
Titel
De anima paraphrasis.
TLG-Nummer
2001.040.
Angaben zum Text
Vor Beginn ist eine kurze Einleitung, inc. Ἰστέον ὅτι ἀριστοτέλης ἐν τρισὶ λόγοις.
Titel (Vorlage)
1r θεμιστίου παράφρασις τῶν περὶ ψυχῆς ἀριστοτέλους.
Incipit
1r Περὶ ψυχῆς ὅσα δυνατὸν σὺν ἐπιστήμη λαβεῖν.
Explicit
112v δυοῖν ἕνεκεν· καὶ πρὸς τὴν γεῦσιν· καὶ πρὸς τὸ σημαίνειν ἑτέρῳ:- τέλος τῆς θεμιστίου παραφράσεως· τῶ περὶ ψυχῆς, ἀριστοτέλους.
Edition
Richard Heinze, Themistii in libros Aristotelis de anima paraphrasis, Berlin 1899, (Commentaria in Aristotelem Graeca 5.3), S. 1–126 (Hs. als Sigle N herangezogen).

3) 113r–148v Digitalisat

Verfasser
Simplicius (GND-Nr.: 118642421).
Titel
Scholia in Aristotelis De Physica auscultatione.
TLG-Nummer
4013.004.
Angaben zum Text
Die Autorschaft des Simplicius wurde aufgrund von Textähnlichkeiten erschlossen. Es gibt aber große Unterschiede zwischen dem Text der Hs. und der Edition. Ein Doppelbl. ist falsch geheftet, der richtige Textverlauf ist f. 114–116, 113–120, 117–119, 121 usw. Die Bücher sind in der Reihenfolge IV, VII, V enthalten.
Titel (Vorlage)
114r σχ[όλια] εἰς τῆς φύσεως ἀκρόασιν· ἐν τῶ παρόντι βιβλίω, περὶ τόπου καὶ χρόνου καὶ κενοῦ διαλαβεῖν βουλόμενος, πρῶτον περὶ τόπου διδάσκει· δεικνὺς ὅτι ἀναγκαία ἐστὶ τῶ φυσικῶ, ἡ περὶ τούτου ζήτησις.
Incipit
114r Πότερον καθ’ αὐτὸν ὑφέστηκεν, ἢ ἐν ἄλλω τὸ εἶναι ἔχει· καὶ πότερον κενόν ἐστιν, ἢ διάστημα πέρας.
Explicit
148v καλῶς δὲ τῶ χρόνω προσέθηκεν ὅτι ἐν τῶ μεγέθει· οὐδὲ τῆ ἐφ’ἓν τῆς κινήσεως ἐκτάσει.
Edition
Hermann Diels, Simplicii in Aristotelis Physicorum libros quattuor priores commentaria, Berlin 1882 (Commentaria in Aristotelem graeca 9); Hermann Diels, Simplicii in Aristotelis Physicorum libros quattuor posteriores commentaria, Berlin 1885 (Commentaria in Aristotelem graeca 10). Hs. als Sigle N herangezogen bzw. erwähnt.

4) 153r–171r Digitalisat

Verfasser
Alexander Aphrodisiensis (GND-Nr.: 118501887).
Titel
Problemata.
TLG-Nummer
0732.002.
Angaben zum Text
Zunächst Ausschnitte aus dem ersten und zweiten Buch (u.a. 153r–v: cap. 29, 10, 7–9, 28, 5, 3); 161r–171r: Buch I (in der Reihenfolge der Edition).
Titel (Vorlage)
153r ἀλεξάνδρου ἀφροδισέως ἐπί τισιν ἀπορίαις λύσεις.
Incipit
153r δια τί τῶν ἀλόγων ζώων ἡ κόπρος ἧττον δυσώδης ἐστὶ· διότι ξηροτέρα.
Explicit
171r τὴν ἐν ἀντίαν καὶ τὴν λοιπὴν ποιότητα.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Auf 153r, 161r und 173r hat Friedrich Sylburg Annotationen hinterlassen.
Edition
Julius Ludwig Ideler, Physici et medici graeci minores, vol. I, Berlin 1841, S. 1–277.

5) 174*r Digitalisat

Verfasser
Anonymus.
Titel
Fragmente.
Angaben zum Text
Es handelt sich um einen theologischen Text, möglicherweise einen Brief, der von kleineren Schreibübungen umgeben ist. Es gibt Überschneidungen zu Text 1.
Incipit
174*r εὐλάβεσταται φρονημοτατ· περηφανέστατε· ἢ μᾶλλον .
Explicit
174*r εδεχθημεντα στεχιοσοι ολιγα.


Bearbeitet von
Vinzenz Gottlieb, Universitätsbibliothek Heidelberg, 2021.


Zitierempfehlung:


Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. gr. 237. Beschreibung von: Vinzenz Gottlieb (Universitätsbibliothek Heidelberg), 2020.


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