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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. gr. 225

Psalterium feriatum cum Odis

Papier · 3, 156 (+ 1), 2 Bll. · 18,5 × 10,5 cm · Konstantinopel (?) · 1452


Sprache
Griechisch.
Schlagwörter (GND)
Kirche / Bibel / Altes Testament / Psalterium / Odae Salomonis.
Diktyon-Nr.
65957.
Ir Lateinische Inhaltsangabe
Codex
Iv Schenkungsexlibris
1) 1r–100v, 102r–139r Psalterium
2) 139r–156v Odae
Zusatz
3) 101r Evangelium secundum Iohannem (fragm.)
101v vacat

Kodikologische Beschreibung

Entstehungsort
Konstantinopel (?). Siehe Geschichte der Handschrift.
Entstehungszeit
1452. Vgl. f. 156v ἐτεληόθη τὸ παρὸν ψαλτή|ριον διὰ χειρὸς ἐμοῦ μιχαὴλ τοῦ καστρ | ἐπὶ ἔτους ͵ςϠξʹ [= a. 1451/52] ἰνδ(ικτιῶνος) ιεʹ [?] | καὶ ὅσι [!] ἀναγινόσκετε εὔχε|σθε διὰ τὸν κ(ύριο)ν καὶ μὶ [!] κατα|ράσθε [!] ὅτι ἀμαθὴς ἠμῆν τοῦ | γραφεῖν· καὶ ὀξύων καδανώμεον οὐδόλος [!] ἐπίσταμε. καὶ πάλιν λέγη [!] καὶ ὁ γρά(φ)ων παραγρα(φ)ή. Das o.g. Weltjahr bezeichnet die Zeit 1. Sept. bis 31. August. Allerdings wird auch die nur sehr schwer zu erkennende 15. Indiktion genannt, weswegen die Hs. wie o.g. datiert werden sollte.
Typus (Überlieferungsform)
Codex.
Beschreibstoff
Westliches Papier von schlechter Qualität.
Umfang
3, 156 (+ 1), 2 Bll.
Format (Blattgröße)
18,5 × 10,5 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
(II-2)2a + 1I + IV8 + III14 + 10 IV94 + (IV-1+1)102 + 6 IV150 + III156 + (II-2)158*. Vorderspiegel ist Gegenbl. zu 1a, Hinterspiegel Gegenbl. zu 156*. Auf die Spiegel sowie die zugehörigen Vorsatzbll. wurde jeweils ein Doppelbl. aus Marmorpapier geklebt, so dass das Marmorpapier die Rectoseite von Bl. 1a und die Versoseite von Bl. 156* bildet. Die Handschrift ist heute unvollständig, denn am Anfang fehlen Überschrift und Text im Umfang von einem Bifolium. Im Rahmen der ersten vatikanischen Bindung wurden Vorder- und Hinterspiegel mit buntem Wachspapier verklebt. Dieses Wachspapier wurde während der von Angelo Mai veranlassten Einbandstabilisierung erhalten und mit dem neuen Spiegelpapier verbunden. Nach f. 14 fehlt Text im Umfang eines Ternios (Allatius weist an dieser Stelle auf einen Quaternio hin). Nach f. 39 wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt ein kleiner Zettel vom Ende des 15./Anfang des 16. Jhs. mit einem altitalienischen Spottgedicht mit eingebunden, heute f. 39a. Die 13. Lage ist heute um ein jüngeres Blatt wieder zu einem Quaternio ergänzt.
Foliierung
Vatikanische Foliierung des 18. Jhs. mit schwarzer Tinte im Kopfsteg rechts (f. I, 1–39, 39a, 40–156). Die Bezeichnung der ungez. Bll. folgt dem Digitalisat (1a, 2a, 157*, 158*).
Lagenzählung
Griechische Zählung am Anfang noch mit roter Tinte im Kopfsteg rechts (nur noch wenige erhalten bzw. lesbar) sowie im Fußsteg links auf der letzten Versoseite eines jeden Faszikels von der Hand des Schreibers (βʹ = f. 14v, … κʹ = f. 150v). Partiell wurde die Zählung von jüngerer Hand nachgezogen.
Zustand
Schlechter Zustand. Aufgrund von Wasserschäden bes. im oberen Drittel der gesamten Hs. (auch Schimmelspuren erkennbar) ist der Text zum Teil nur noch sehr schwer lesbar. Etwas Wurmfraß, auch Falz zum Teil beschädigt.
Wasserzeichen
Ochsenkopf mit Kreuz auf durchgehender Stange (wie Harlfinger, II, Ochsenskopf/Boeuf 37 [nachweisbar für Tübingen 1460]).

Schriftraum
11,8 × 8,5 cm (f. 70r).
Spaltenanzahl
1 Spalte.
Zeilenanzahl
20 Zeilen.
Linierung
Nicht erkennbar.
Schriftart
Noch an den sog. Hodegon-Stil des 14. Jhs. angelehnte, sehr gut lesbare Buchschrift, die insbesondere für religiöse Texte jeder Art Verwendung fand. Initialbuchstaben, aber und Teile der Überschriften in einer abgewandelten Form der alexandrinischen Auszeichnungsmajuskel.
Angaben zu Schrift / Schreibern
Michael Kastr(ēnus), s. auch RGK III, Nr. 4621 (abweichend nur f. 85r l. 9–85v l. 3). Der Familienname wurde vom Schreiber abgekürzt u. bereits in VG, S. 313 wie hier angegeben erweitert. Da der Name im spätem Byzanz durchaus geläufig war, wurde er auch in PLP V, Nr. 11394 zitiert.
Buchgestaltung
Text sehr sauber mit brauner Tinte in das kleinformatige Buch eingetragen. Psalmenzählung auf den Rändern mit roter Tinte, die sog. Kathismata vor den meist mit roter Tinte geschriebenen Einzeltiteln. Psalmeninitialen etwas größer, Abschnitts- bzw. Versinitialen kleiner (Höhe etwa 1,5 Zeilen) und in Textfarbe auf die jeweils linken Außenstege ausgerückt. Rotes Flechtband als Abschluss des ersten Teilabschnitts des Psalters auf f. 62v, danach auf f. 63r im Kopfsteg Hinweis auf die Dreiteilung des Psalters (mit roter Tinte aus der Vorlage übernommen). Zwischen den Psalmen und den Oden auf f. 139r ein recht plumper Zierstreifen (wohl vom Schreiber selbst) mit Flechtbandmuster.
Buchschmuck
Bis auf den o.g. Zierstreifen kaum Buchschmuck. Nur Psalmenzählung und -titel sowie die dazugehörige Initiale farblich abgesetzt (einige davon aber auch durchaus ansprechend, etwa f. 17v). Ab f. 149v wurden die Initialen zu einem unbekannten Zeitpunkt in weit geübterer Form partiell ersetzt. Abschnittsinitialen teils konturiert, aber nicht ausgefüllt.

Nachträge und Benutzungsspuren
Signaturmarke der BAV auf dem Vorderspiegel. Lateinische Inhaltsbezeichnung Pslami Davidis (von Leo Allatius) auf f. Ir. Schenkungsexlibris auf f. Iv. Im Kopfsteg von f. 1r Capsa-Nr. C. 90 u. Allacci-Signatur 68. Daneben lateinische Inhaltsbezeichnung der Fuggerbibliothek Psalmi mit Signatur und Erwerber- bzw. Zwischenbesitzervermerk Cyp(rius) (= Hieronymus Tragudistes Cyprius), beides von der Hand Henri Estiennes. Bis f. 8v lateinische Transliteration der Psalmentitel in einer Kanzleischrift des 15./16. Jhs. für offenbar des Griechischen nur noch bedingt mächtige Lektoren mit schwarzer Tinte hinzugefügt. Hinweis auf anschließende Textlücke von Leo Allatius auf f. 7v im Fußsteg sowie von einem unbekannten Leser auf f. 8r. Gelegentlich Federproben. Nach f. 39 wurde ein Einlagezettel mit einem ironischen Text im venezianischen Dialekt aus dem 15./16. Jh. mit eingebunden (Unterschied zwischen männlich-erwachsenen und jugendlichen Bärten), was jedoch eine Aussage über den weiteren Verbleib der Hs. ermöglicht. Auf f. 62v am Ende des ersten Psalterabschnitts einige Invokationen, auf f. 98r formale confessio als Reaktion auf den gelesenen Text (Hand d. 15./16. Jhs.). Von derselben Hand auf λέγεται γὰρ ὡς ἔν τινι τόπῳ ἦν δένδρον πᾶν μεγεθέστατον ἐν ᾧ κόρακα (vgl. Vita et miraculae Nicolai Myrensis, 23–4; Gustav Adolf Anrich), Hagios Nikolaos. Der heilige Nikolaos in der griechischen Kirche; Texte und Untersuchungen, Leipzig 1913–1917), f. 116v ein Ephrem Syrus-Zitat: μακάριος ὁ τὸν βίον ὑψηλὸν ταπεινὸν δὲ τὸ φρόνημα (Sermon compunctarius, S. 11811 Assemani, Sancti Patris Nostri Ephraem Syri Opera Omnia, Romae 1746 = Konstantinos G. Phrantzoles, Ὁσίου Ἐφραίμ τοῦ Σύρου ἔργα [The Works of St Ephrem the Syrian], Thessaloniki 1994), außerdem vermutlich Hymnenanfänge auf f. 128r, 131r u. 132r.

Einband
Roter Ledereinband der BAV aus der Zeit von Kardinalbibliothekar Francesco Saverio de Zelada und Papst Pius VI.; späterer Rücken mit goldenen Wappenstempeln von Papst Pius IX. (oben) und Kardinalbibliothekar Angelo Mai (unten), vgl. Schunke, Einbände, II, S. 909.
Provenienz
Venedig / Augsburg / Heidelberg.
Geschichte der Handschrift
Es ist wohl davon auszugehen, dass die Hs. in Konstantinopel angefertigt wurde. Dafür spricht, dass der Cod. Tubing. Mb3 als ähnlich kleinformatige Hs. laut Wasserzeichen auf dem gleichen Papier geschrieben wurde (fertiggestellt laut f. 148r am 28. Juli 1460; dazu s. Wilhelm Schmid, Verzeichnis der griechischen Handschriften der K. Universitätsbibliothek zu Tübingen, Tübingen 1902, S. 7). Diese wurde 1576 von Stephan Gerlach in Konstantinopel für drei Taler erworben und nach Württemberg geschickt. Auch das Schriftbild beider Hs. ist vergleichbar. In ihrer schlichten Machart deutet diese Hs. auf den liturgischen Gebrauch im eher monastischen Bereich hin. Diese Annahme wird durch die späteren Hinzufügungen auf den Außenstegen, die eher dem monastischen Bereich zuzuordnen sind, bestärkt.

Faksimile
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bav_pal_gr_225
Literatur
Stevenson, Graeci, S. 120; Lehmann, Fuggerbibliotheken, II, S. 101; Alfred Rahlfs, Verzeichnis der griechischen Handschriften des Alten Testaments für das Septuagintaunternehmen, Berlin 1914, S. 243 (Sigle 1778); VG, S. 313.
Verzeichnis der im Katalogisierungsprojekt zitierten Literatur

Inhalt

1) 1r–100v, 102r–139r Digitalisat

Titel
Psalterium ad usum liturgicum instructum.
TLG-Nummer
0527.027.
Angaben zum Text
Der Text setzt heute erst mit Ps. 2,10 ein. Außerdem Blattausfall nach f. 14v, daher fehlen αὐτους·] πρὸς σὲ ἐκέκραξαν ... [ῥῦσαί με ἐκ χειρὸς = Ps. 21,6–30,16.
Incipit
1r >…< καὶ νῦν βασιλεις, συνέται … = Ps. 2,10 (Blattausfall am Anfang).
Nachträge und Rezeptionsspuren
Die zum liturgischen Gebrauch vorgesehenen Textstücke werden durch die entsprechenden Kathismata bezeichnet.
Edition
Alfred Rahlfs (ed.), Septuaginta, id est Vetus Testamentum graece iuxta LXX interpretes, II: Libri poetici et prophetici, Stuttgart 1979, S. a–b, c–164.

2) 139r–156v Digitalisat

Titel
Odae ad usum liturgicum instructae.
TLG-Nummer
0527.028.
Angaben zum Text
Nachträge und Rezeptionsspuren
Auf die Unterschrift des Schreibers folgt noch eine der charakteristischen Endnoten: ὥσπερ ξέν(οι) χαίρουσιν ἠδὶν πατρίδα καὶ | θαλαττεύοντες οἰδὶν λιμένα, καὶ ἡ | στρατευόμενοι ἠδὶν τὸ νύκος οὕτως καὶ | γράφοντες οἰδὶν βιβλίου τέλος [= ὥσπερ ξέν(οι) χαίρουσιν ἰδεῖν πατρίδα καὶ | θαλαττεύοντες ἰδεῖν λιμένα, καὶ οἱ | στρατευόμενοι ἰδεῖν τὸ νῖκος οὕτως καὶ | γράφοντες ἰδεῖν βιβλίου τέλος].
Edition
Alfred Rahlfs (ed.), Septuaginta, id est Vetus Testamentum graece iuxta LXX interpretes, II: Libri poetici et prophetici, Stuttgart 1979, S. 164–183.

3 - Zusatz) 101r Digitalisat

Verfasser
Johannes, Evangelist (GND-Nr.: 118557815).
Titel
Evangelium secundum Iohannem (exc.).
TLG-Nummer
0031.004.
Angaben zum Text
Incipit
101r >… βεβρωκόσιν. < [τῷ καιρῷ ἐκείνῳ …
Explicit
101r … οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ >εἰς …<.
Edition
Novum Testamentum graece. Begr. v. Eberhard Nestle, Hrsg. v. Kurt Aland, 26. Aufl. Stuttgart 1979, S. 264.


Bearbeitet von
Dr. Lars Hoffmann, Universitätsbibliothek Heidelberg, 16.01.2020.
Katalogisierungsrichtlinien
Die Katalogisierungsrichtlinien finden Sie hier.
Gefördert durch
The Polonsky Foundation Greek Manuscripts Project: a Collaboration between the Universities of Cambridge and Heidelberg – Das Polonsky-Stiftungsprojekt zur Erschließung griechischer Handschriften: Ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Cambridge und Heidelberg.