Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. gr. 383

Theologische Sammelhandschrift in zwei Bänden

Papier · Pal. gr. 383, A: 3, 38; 198, 1 Bll.; B: 1, 185, 1 Bll. · 26,5–27,0 × 19,5–20,0 cm · Konstantinopel (?) · I. Mitte 14. Jh. / II. Zweites Viertel 14. Jh.


Schlagwörter (GND)
Kirche / Theologie / Byzanz / Homer / Cento / Michael Psellus / Symeon Seth / Christopherus Mytilenaeus / Thedoretus Cyrrhensis.
Diktyon-Nr.
66115.
1r–199v Pars Prior (Pal. gr. 383 A)
1r Lateinischer Inhaltsvermerk
1v vacat
1ar Schenkungsexlibris
1av vacat
Iv vacat
Fragment
1) 1br–38v Anonymus, Centuriae theologicae tres
Codex
2) 39r–58r Nicolaus IV. Muzalon Patriarcha, Versus de demissione et fuga suae
58v vacat
3) 59r–69v Patricius, Homerocentones (= Recensio IV Schembra)
4) 71r–83v Michael Psellus, Introductio in Psalmos (fragmentatus)
5) 84r Michael Psellus, Poema X in parabolam fermenti
6) 84r–85v Michael Psellus, Poema III de dogmate
7) 85v–87r Michael Psellus, Poema IV de conciliis oecumenicis
8) 87r–91v Michael Psellus, Poema I de inscriptionibus Psalmorum
9) 92v–144r Michael Psellus, De omnifaria doctrina
10) 144r–155v Symeon Seth, Conspectus rerum naturalium (hoc loco Psello attrib.)
11) 156r–214v Christopherus Mytilenaeus, Synaxarium iambicum (nunc bipartitum)
220r–384v Pars altera (Pal. gr. 383 B)
12) 215r Ps.-Iohannes Damascenus, Confessio fidei graeca
215v vacat
13) 216r–382v Theodoretus Cyrrhensis, Historia ecclesiastica
14) 382v–384v Theodoretus Cyrrhensis, De providentia (fragmentum)

Kodikologische Beschreibung

Typus (Überlieferungsform)
Codex.
Beschreibstoff
Oreintalisches Papier.
Umfang
Pal. gr. 383, A: 3, 38; 198, 1 Bll.; B: 1, 185, 1 Bll.
Format (Blattgröße)
26,5–27,0 × 19,5–20,0 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
Hs. mit Fragment (I. Bl. 1b–38; II. Bl. 39–384). Die ursprüngliche Lagenstruktur ist durch den Verlust des ursprünglichen Falzes heute weitgehend zerstört. Im Rahmen der neuzeitlichen Restaurierung wurden einzelne Lagen neu gefasst. Daraus ergibt sich die folgende Struktur für die Gesamthandschrift: Pal. gr. 383, A: Fragment (I-1)1a + I1,1a + III1b–6 + 4 IV38, Codex 4 IV62 + (IV-1)69 + 2 IV86 (Zf. 70 fehlt) + (IV-1)93 + 7 IV145 + III151 + 5 IV199 + (I-1)200*; Pal. gr. 383, B: (I-1)1a; mit Vor + 2 IV215; 8 IV279 + (IV-1)286 + 4 IV318 + (IV-1)325 + 7 IV381 + I383 + 1384 + (I-1)385*. Nach f. 381 schloss sich ursprünglich ein Quaternio der Reihung 1 Bl. (heute verloren) + f. 383–384 + 5 Bll. (heute verloren) an. Der letztgenannte Blattverlust kann aufgrund des Textausfalls entsprechend erschlossen werden. Im Anschluss begann mit f. 382 begann eine weitere Lage. Pal. gr. 383, A: Vorderspiegel ist Gegenbl. von 1a [erste Nennung], Hinterspiegel Gegenbl. von 200*; Pal. gr. 383, B: Vorderspiegel ist Gegenbl. von 1a [zweite Nennung], Hinterspiegel Gegenbl. von 385*.
Foliierung
Wohl vorvatikanische Foliierung im Kopfsteg (f. 1–69, 71–384), da f. 69 ein ursprüngliches Doppelblatt ersetzt. Daher findet sich auf f. 71r der Vermerk in einer Schrift des 19. Jhs. macante il n° 70. Bei ungezählten Bll. folgt die Zählung dem Digitalisat (1a, 200*; 1a, 385*).
Lagenzählung
Durch die neuzeitliche Anfalzung eines großen Teils der Blätter ist die Lagenzählung des ersten Teils der Handschrift bis auf ganz wenige Überreste verloren. Der zweite Teil mit Werken des Theodoret von Kyrrhos weist jeweils am Anfang und am Ende der Lagen im Fußsteg innen eine Zählung auf, die noch partiell erhalten ist. Erste erhaltene Ziffer ist die εʹ (= 5) auf f. 248r, die letzte die ιηʹ (= 18) auf f. 350r. Dies lässt den Rückschluss zu, dass die Schriften Theodorets ursprünglich wohl als eigener Band anzusehen waren. Für den heute abschließenden Text 14 wären unter Berücksichtigung der hier verwendeten Schriftart gut 100 Folia anzusetzen, womit eine Codexstärke von knapp 300 Blatt erreicht wäre. Vergleichbare Textzusammenstellungen sind überliefert, s. etwa die Codices Oxf. Bodl. Auct. E.2.4 sowie den über die hier verwendete Schrift durchaus verwandten Laur. Plut. 11.03.
Zustand
Wegen der besonderen Lagenstruktur s. die Zustandsbeschreibungen der einzelnen Faszikel.
Wasserzeichen
Naturgemäß nur auf dem restituierten f. 69 der Anker/Ancre, vergleichbar mit Briquet Nr. 484 (Herkunft des verwendeten Papiers aus Venetien, Mitte 16. Jh.).


Nachträge und Benutzungsspuren
Signaturenmarke der BAV auf dem Vorderspiegel beider Teile. Lateinisches Inhaltsverzeichnis aus der Fugger-Bibliothek auf f. 1r Nicolai Archiepiscopi Cypri poëma | Michaël Pselli doctrina ad Constantinum Duca cap. 194 | Eiusdem physicarum quaestionum explicatio | Theodoriti ecclesiasticæ historiæ libri quinq. | Catalogus Episcoporum Romæ, Antiochiæ, Alexandriæ Hierosolymæ, Constantinopoli (ab dem Wort episcop. durchgestrichen u. verbessert von Friedrich Sylburg zu: Eorum sanctorum episcoporum qui in historia ista memorantur. Darunter mit größerem Zeilenabstand und Hinweiszeichen vor der zweiten Verzeichniszeile noch in Augsburg nachgetragen Patricii Homerocentra. Darunter Signatur aus der Zeit der ersten vatikanischen Bindung. Schenkungsexlibris auf f. 1ar. Auf f. 1br zwei weitere Vermerke von Sylburg: zum einen die Schriftvergleichung mit Pal. gr. 381 <il>la manus qua psalterium exaratum numero 381, zum anderen eine lateinische Übersetzung einer unterstrichenen Passage confessio peccati proprio manu facta. Auf f. 1b wiederum erläuternde Hinweise von der Hand Sylburgs: (1) Dicta Sententiosa 82 pia, cum expositione; (2) Deest initiu(m) huius diciti, & septem insuper alia dicta; (3) ea manus qua psalterium exaratum numero 381. Außerdem eine lateinische Übersetzung zum Begriff ἐξάγγελμα. Einige lateinische Übersetzungen wohl von der Hand Johannes Reuchlins (f. 71v, 73v, 74r, 76r, 131v). Auf f. 37 handschriftlicher Notizzettel aus dem 19. Jh. mit Bestimmung des Textes 2 aufgeklebt. Auf f. 71 Hinweis auf fehlende Zählung, außerdem Textbestimmung von Sylburg (In psalmos & Psalmorum epigraphias seu inscriptiones), außerdem Bücher des AT aufgelistet. Ebenso f. 85r: Psellus, Basileae edit(onis) p. 170. Notizzettel des 19. Jhs. auf f. 93r zur Inhaltsbestimmung, ebenso f. 194r. Wenige Federproben.

Einband
Ledereinband der BAV aus der Zeit von Kardinalbibliothekar Jean-Baptiste Pitra (1869–1889) und Papst Pius IX. Vgl. SCHUNKE, Einbände, II, S. 909.
Provenienz
Basel / Augsburg / Heidelberg.
Geschichte der Handschrift
Wie am Ort ausgeführt, ist wohl die byzantinische Hauptstadt bzw. ihre nähre Umgebung als Entstehungsraum der Handschrift anzusetzen. Allerdings sollte man von zwei unterschiedlichen Büchern ausgehen, die auf denselben Schreiber zurückgehen. Die Eingangsseiten beider Teile sind in formaler Hinsicht ähnlich gestaltet, was erfahrungsgemäß als Hinweis auf ein und dasselbe Skriptorium gewertet werden kann. Der erste Teil der Handschrift (ohne das Fragment!) setzte sich aus verschiedenen theologisch-philosophischen Abhandlungen zusammen. Auffällig ist dabei jedoch, dass Band A mit der nur hier überlieferten literarisch anspruchsvollen Abdicatio des Patriarchen Nikolaos IV. Muzalon (im Sinne eines Rechtfertigungsgedichts) einsetzt und mit dem liturgischen Kalender des Christopheros v. Mithylene endet, wobei alle Einzeltexte dem sog. obersten Register der byzantinischen Hochsprache angehören. Das gilt im Grunde auch noch für das als Seitenfüller auf f. 215r eingefügte pseudodamaszenische Textstück samt Abschlusshymnus. Band B begann mit der Kirchengeschichte des Theodoret v. Kyrrhos, auf die eine weitere seiner großen Schriften folgte. Letztere ging jedoch zum größten Teil verloren. Diese Texte sind eher dem spätantiken, in mittelbyzantinischer Zeit nochmals redigierten Griechisch zuzuordnen. Die hier noch erhaltene ursprüngliche Lagenzählung weist die Theodoret-Texte als eine zusammenhängende Einheit aus. Den beiden Hauptteilen gegenüber fällt das Centurienfragment zur mönchischen Askese sprachlich stark ab, da es einem viel weiter unten angesiedelten Sprachregister angehört und auch in der formalen Gestaltung abweicht. Letzteres weist aufgrund des Inhalts und seiner schlichten Machart auf einen monastischen Hintergrund hin. Bestätigt wird dies durch die beiden kurzen theologischen Fülltexte auf f. 215r. Die Erstellung in einem klösterlichen Skriptorium liegt also nahe, dem aufgrund der gleichen Schrift dann aber auch die übrigen Teile zugeordnet werden müssten. Zu einem genauen Aufbewahrungsort aller drei Teile im Raum Konstantinopel sind keine näheren Angaben möglich, da die originalen Vor- und Nachsatzblätter fehlen.
Von zentraler Bedeutung für die weitere Geschichte der Handschrift sind die bereits oben genannten Zusätze mit den charakteristischen roten Textunterstreichungen und Randnotizen, die Johannes Reuchlin zugerechnet werden können. Reuchlin hatte während seiner Studienzeit in Basel Zugang zu jenen griechischen Codices, die aus dem Legat des Johannes von Ragusa (Ioan Stoiković) stammten. Letzterer hielt sich zwischen dem September 1435 und dem 2. Nov. 1437 als Abgesandter des Baseler Unionskonzils in Konstantinopel auf, wo er für den eigenen Gebrauch 61 griechische Handschriften mit überwiegend theologischen Inhalten erwerben konnte. Der Grund für einen derartigen Ausverkauf an Büchern dürften in einem wegen Klostersterbens schwindenden Bedarf wie auch im permanenten Geldmangel des zu dieser Zeit bereits osmanisch eingekesselten Konstantinopel zu sehen sein. Johannes von Ragusa hatte nach monastischem Gebrauch verfügt, dass seine Bibliothek mit seinem Tod in den Besitz jenes Baseler Dominikanerkonvents übergehen sollte, dem er sich angeschlossen hatte. Als Beilage zu dem bei Beatus Rhenanus überlieferten Testament des Johannes hatte der Dominikaner Johannes Cuno eigens das inzwischen von Jean Vernet publizierte Inventar erstellt, s. Les manuscrits grecs de Jean de Raguse († 1443), in: Baseler Zs. für Geschichte und Altertumskunde 61 (1961), S. 99–100. Daher sind die entsprechenden Handschriften auch bis heute bekannt. In dem genannten Konvent hatte Johannes Reuchlin in den 1480er Jahren Zugang zu den Handschriften erhalten, die er für seine griechischen Sprachstudien eifrig nutzte und in ihnen – wie damals durchaus üblich – seine graphischen Spuren hinterließ. Im Zuge der Reformation wurde der Konvent ab dem Mai 1525 säkularisiert. In diesem Rahmen kam es zur Überführung der im Kloster verbliebenen Codices in die Baseler Universitätsbibliothek. Unter den Einträgen 52 und 53 finden sich in der Liste des Johannes Cuno zwei Codices mit der Kirchengeschichte des Theodoret von Kyrrhos. Während der erste in Basel verblieben ist (= Cod. Basil. A III 18), gilt der zweite als verschollen. Die Baseler Handschrift und der Pal gr. 383 befinden sich zwar in einem philologischen Nahverhältnis, sind aber keinesfalls Schwesterhandschriften, wie etwa vorgeschlagen in Theodoret, Kirchengeschichte. Hrsg. v. Leon Parmentier. Dritte, durchges. Aufl. v. Günther Christian Hansen, Berlin u. New York 1998, S. IX. Jean Vernet setzte für den verlorenen Codex nun den Ox. Bodl. Libr. Auct. E. 4. 18 (saec. XI) an, der sich seit 1603 in Oxford befindet, ohne dabei jedoch sicher sein (Vernet, Les manuscrits, wie oben, S. 99–100). Seine Annahme beruhte dabei nur auf der engen philologischen Abhängigkeit beider Handschriften. Allerdings können dem Oxonensis eine ganze Reihe weiterer Codices zugeordnet werden, was Vernets Annahme im Grunde widerlegt. Auch welchen Weg sie von Basel nach Oxford genommen hätte, ist nicht verifizierbar. Bekannt ist hingegen, dass Hieronymus Froben und Nicolaus Episcopius für die Erstellung der ersten griechischen Druckausgabe der Kirchengeschichte (innerhalb der Sammlung Auctores Historiae ecclesiasticae als abschließender Text Theodoriti libri V graece, ut sunt ab auctire conscripto, ersch. Basel 1535, ohne Seitenangabe) noch beide Baseler Theodoret-Codices benutzt hatten, womit sich jedoch der mögliche Weg einer der Handschriften nach Augsburg erklären ließe. Denn wie im Fall des Pal. gr. 402 wäre es durchaus möglich, dass auch der Pal. gr. 383 nach dem Druck der Kirchengeschichte Theodorets zunächst noch als eine Art Musterexemplar bei Hieronymus Froben oder Nicolaus Episcopius in Basel verblieben war. Der Dominikanerkonvent war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelöst und die Stadt noch immer durch die Wirren der Reformation geprägt, es gab also keinen Besitzer mehr, der auf eine rasche Rückgabe gedrängt hätte. Die eher hohe Ordnungsnummer in der Fugger-Bibliothek und ihr Fehlen in dem von Martin Gerstmann erstellten Inventar des Cod. Pal. lat. 1950 deuten nun auf einen Erwerb der Handschrift durch Ulrich Fugger nach 1563 hin. In jenem Jahr war auch Hieronymus Froben verstorben, in dessen Erbmasse sich nachweislich der Cod. Pal. gr. 402 mit Predigten des Gregor von Nazianz befunden hatte (vgl. dazu die entsprechende Beschreibung unten). Die letztgenannte Handschrift war u.a. als Muster für einen möglichen Nachdruck bei Froben verblieben, während das gleichfalls von ihm benutzte Baseler Parallelexemplar (= Cod. Basil. A. N. I. 8) an die Stadt als Rechtsnachfolger des Konvents zurückgegeben worden war (dazu Vernet, Les manuscrits, wie oben, S. 91). Es liegt durchaus nahe, auch eine der Theodoret-Handschriften als Teil eines solchen Legats zu betrachten, um deren Herkunft der Erblasser vielleicht noch gewusst haben mag. Im Fall des Pal. gr. 402 war es Johannes Oporin, der über seine guten Geschäftsbeziehungen nach Augsburg u. insbesondere zur Familie Fugger (s. dazu Fritz Husner, Die editio princeps des „Corpus Historiae Byzantinae“. Johannes Oporin, Hieronymus Wolf und die Fugger, in: Festschrift Karl Schwarber. Beiträge zur schweizerischen Bibliotheks-, Buch- und Gelehrtengeschichte. Zum 60. Geburtstag am 22. Nov. 1949 dargebracht, Basel 1949, S. 143–162) für den Transfer nach Augsburg verantwortlich gewesen war. Im Fall des Pal gr. 383 könnte nach dem Tod des Hieronymus Froben ein Verkauf an Ulrich Fugger in die Wege geleitet worden sein. Der zweifache seor(sum)-Vermerk auf den f. 3r u. 39r könnte darauf hindeuten, dass die Handschrift zunächst in zwei Teilen verkauft wurde, um in einem weiteren Schritt etwa aufgrund der Schriftidentität zusammengefasst zu wurden. Beide Eintragungen gehen jedoch nicht mehr auf Martin Grabmann oder Henri Estienne zurück, die den größten Teil der Fugger-Bibliothek entsprechend gekennzeichnet hatten, sondern stammen von einer etwas jüngeren Hand. Bleibt noch zu klären, wann f. 69 restituiert wurde. Eine genaue Datierung ist über das Papier kaum möglich, zumal das Wasserzeichen nur den weit verbreiteten venezianischen Anker aus der Mitte des Zeitraums 1550/1560 zeigt. Folgt man dem hier skizzierten Weg der Handschrift, scheidet Venedig als Zwischenstation aus. Es kann aber durchaus sein, dass ein fehlendes oder zerstörtes Blatt im Auftrag von Hieronymus Froben oder noch später auf Veranlassung Ulrich Fugger ergänzt wurde. Dafür kommen venezianischen Ateliers der Zanettis bzw. später von Andreas Darmarios aber durchaus in Betracht, der sich 1566/67 auch selbst in Augsburg aufhielt. Im Zuge der Vertreibung Ulrich Fuggers aus Augsburg gelangte die Handschrift 1567 nach Heidelberg, dort wohl Aufstellung in der Heiliggeistkirche. Mit Fuggers Tod im Februar 1584 rechtsgültiger Übergang in den Bestand der Bibliotheca Palatina. 1622/23 gelangte sie nach der Zerstörung Heidelbergs als Schenkung des bayerischen Herzogs Maximilian an Papst Gregor IX. über München nach Rom, seither Aufbewahrung in der BAV.

Faksimile
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bav_pal_gr_383ga
Literatur
Stevenson, Graeci, S. 245–247; Barbara Crostini, The Teubner Edition of Psellos in the Light of a New Find in MS Trinity College Dublin 373, in: Juan Signes Codoñer/Inmaculada Pérez Martín (Hrsg.), Textual Transmission in Byzantium. Between Textual Criticism and Quellenforschung, Turnhout 2015, S. 276; Sophia I. Doanidou, Ἡ παραίτησις Νικολάου τοῦ Μουζάλωνος ἀπὸ τῆς ἀρχιεπισκοπῆς Κύπρου, in: Hellenika 7 (1934), S. 109–150 (passim); Enrica Follieri, Il calendario giambico di Cristoforo di Mitilene secondo il mss. Palat. gr. 383 e Paris. gr. 3041, in: Analecta Bollandiana 77 (1959), S. 245–304; I calendari in metro innografico di Cristoforo Mitileneo, a cura di Enrica Follieri. I: Introduzione, testo e tradizione, II: Commentario e indici, Brüssel 1980, (I) S. 12 Anm. 48, 60 Anm. 82, 208 Anm. 24, 219, 299 u. (II) passim (diese Hs. Sigle V); Chiara Gazzini, Un canone di Giuseppe l’Innografo per s. Apollonio di Sardi dal Barb. gr. 469, in: Nea Rhome, 11 (2014, ersch. 2015), S. 24, 42, 45; Nicola Muzalone, Carme apologetico. Introduzione, testo critico, traduzione a cura di Gioacchino Strano, Bonanno 2012, S. 64–66, 68–73.
Verzeichnis der im Katalogisierungsprojekt abgekürzt zitierten Literatur

Fragment I (Bl. 1b–38)

Sachtitel / Inhalt
Fragment.

Kodikologische Beschreibung

Entstehungsort
Konstantinopel (?). Vermutlich Konstantinopel oder Umgebung (siehe Schriftart).
Entstehungszeit
Mitte 14. Jh. Datierung aufgrund der Schrift, so auch Follieri, Il calendario giambico, s. Literatur, S. 264 mit Anm 2, vgl. hier aber die Ausführungen zur Haupthandschrift; Stevenson: 13. Jh.). Gioacchino Strano, s. Literatur, S. 65–66, setzt mit Vorbehalt und ohne nähere Begründung das 12. Jh. an.
Typus (Überlieferungsform)
Fragment.
Beschreibstoff
Orientalisches Papier.
Umfang
3, 38 Bll.
Format (Blattgröße)
27,0 × 20,0 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
Die ursprüngliche Lagenstruktur ist durch den Verlust des Falzes heute weitgehend zerstört. Die Blätter wurden im Rahmen der vatikanischen Bindung neu zusammengefasst zu (I-1)1a + I1,1a + III1b–6 + 4 IV38.
Foliierung
Vatikanische Foliierung mit Bleistift im Kopfsteg (f. 1b–38).
Lagenzählung
Nicht erhalten.
Zustand
Die noch vorhandenen Blätter sind weitaus stärker beschädigt als die der Haupthandschrift, insbes. f. 1–2. wurden im Rahmen einer frühneuzeitlichen Renovierung neu gefasst.

Schriftraum
20,0 × 8,5–16,0 cm.
Spaltenanzahl
1 Spalte.
Zeilenanzahl
16–23 Zeilen.
Schriftart
Der zu kommentierende Text wurde vom Schreiber in einer großformatigen, für das literarische Genre aber nicht untypischen archaisierenden Minuskel eingetragen, die an der Buchminuskel des 11. Jahrhunderts orientiert ist, aber auch Elemente der zeitgleichen Urkundenschriften aufweist. Die Kommentare ebenfalls in einer klar modifizierten Form der Hodegon-Schrift, die Rückgriffe auf die sog. Fettaugenmode des 13. Jahrhunderts zeigt. Außerdem liegt hier stärkere Tendenz zur Kurrentschrift und Gebrauch von Ligaturen als im Text vor. Geschwungene obere Hast des Buchstabens Tau nur im Text, nicht aber im Kommentar.
Angaben zu Schrift / Schreibern
Zum Schreiber s. die Haupthandschrift.
Buchgestaltung
Text (gekennzeichnet mit κείμενον) und Kommentar (gekennzeichnet mit ἑρμηνεία) wechseln in der für Centurien charakteristischen Form ab, wobei eine Textzeile der Höhe von zwei Kommentarzeilen entspricht. Die Zählung der Einzeleinträge (s. zuletzt ρʹ = 100 auf f. 37v) befindet sich auf dem Außensteg der jeweils ersten Textzeile. Initialbuchstaben in einer abgewandelten Form der konstantinopolitanischen Auszeichnungsschrift in zinnoberroter Tinte. Ebenfalls Textmarken und Zählungen hier zinnoberrot. Auf einigen Blättern wurden diese mit einer wässrigen, rot-blauen Tinte von einer jüngeren Hand nachgetragen, die dabei auch einige florale Elemente verwendete.
Buchschmuck
Am Ende des zweiten um am Beginn des dritten Buches Wellenlinien mit kleinteiliger Musterung. Sonst kein Buchschmuck erhalten.

Provenienz
Basel / Augsburg / Heidelberg.

Inhalt

1) 1br–38v Digitalisat

Verfasser
Anonymus.
Titel
Centuriarum trium de vita contemplativa fragmentum.
Angaben zum Text
f. 1br–9rv <Βί(βλος) βʹ>; f. 9v–38v Βί(βλος) γʹ.
Incipit
1br <Βίβλος Β... κείμ(ενον) ... >[μεταχείρημα. <ἑρμ(ηνεία)> Ὅτι οἱ τοῦ βάρους ...
Weiteres Initium
9v Βί(βλος) ΓἘπιβουλὴ τὸν κατὰ λόγον ἀγῶνα ...
Explicit
38v ... ἑρμ(ηνεία) ... ἐπιβλέψοι, τὰ παραπτώματα συγχωρούμενος.
Textgestaltung
Oberhalb des Buches Gamma (= f. 9v) Buchbezeichnung in epigraphischer Auszeichnungsschrift.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Auf die ursprünglichen drei Centurien weist der entsprechende Zählvermerk auf f. 9v hin. Von den 70 Einträgen des Buches Beta fehlen heute die ersten sieben wegen Blattausfalls. Da sich solche Sammlungen in der Länge erfahrungsgemäß entsprachen, lässt sich somit auf einen Verlust von etwa 50 Blatt am Anfang des Codex schließen.

Faszikel II (Bl. 39–384)

Sachtitel / Inhalt
Theologische Sammelhandschrift (heute zweigeteilt).

Kodikologische Beschreibung

Entstehungsort
Konstantinopel (?). Vermutlich Konstantinopel oder Umgebung (s. dazu unter Schriftart).
Entstehungszeit
Zweites Viertel 14. Jh. vgl. oben das Fragment (Datierung aufgrund der Schrift, s. dazu auch zur Geschichte der Handschrift). Seine heute vorliegende äußere Form erhielt der Codex frühestens im Kontext der Erwerbung für die Bibliothek Ulrich Fuggers. Stevenson (und in seinem Gefolge größere Teile der Sekundärliteratur) datierte die Hs. wohl aufgrund der formalen Nähe zur Fettaugenmode in das 13. Jh.
Typus (Überlieferungsform)
Faszikel.
Beschreibstoff
Orientalisches Papier wohl byzantinischer Provenienz (aufgrund der Graufärbung).
Umfang
198, 1; 1, 185, 1 Bll.
Format (Blattgröße)
26,5 × 19,5 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
Pal. gr. 383 A: 4 IV62 + (IV-1)69 + 2 IV86 (Zf. 70 fehlt) + (IV-1)93 + 7 IV145 + III151 + 5 IV199 + (I-1)200*; Pal. gr. 383 B: (I-1)1a; mit Vor + 2 IV215; 8 IV279 + (IV-1)286 + 4 IV318 + (IV-1)325 + 7 IV381 + I383 + 1384 + (I-1)385*.
Foliierung
Wohl vorvatikanische Foliierung im Kopfsteg (f. 1–69, 71–384), da f. 69 ein ursprüngliches Doppelblatt ersetzt. Daher findet sich auf f. 71r der Vermerk in einer Schrift des 19. Jhs. macante il n° 70.
Lagenzählung
Durch die neuzeitliche Anfalzung eines großen Teils der Blätter ist die Lagenzählung des ersten Teils der Handschrift bis auf ganz wenige Überreste verloren. Der zweite Teil mit Werken des Theodoret von Kyrrhos weist jeweils am Anfang und am Ende der Lagen im Fußsteg innen eine Zählung auf, die noch partiell erhalten ist. Erste erhaltene Ziffer ist die εʹ (= 5) auf f. 248r, die letzte die ιηʹ (= 18) auf f. 350r. Dies lässt den Rückschluss zu, dass die Schriften Theodorets ursprünglich wohl als eigener Band anzusehen waren. Für den heute abschließenden Text 14 wären unter Berücksichtigung der hier verwendeten Schriftart gut 100 Folia anzusetzen, womit eine Codexstärke von knapp 300 Blatt erreicht wäre. Vergleichbare Textzusammenstellungen sind überliefert, s. etwa die Codices Oxf. Bodl. Auct. E.2.4 sowie den über die hier verwendete Schrift durchaus verwandten Laur. Plut. 11.03.
Zustand
Die Handschrift ist stark beschädigt, was zu einem großen Teil der schlechten Papierqualität geschuldet ist. Dadurch kam es insbesondere im Bereich des Falzes sowie an den Außenstegen zu Materialausbrüchen. Der Buchblock wurde im Rahmen der frühneuzeitlichen Restaurierung der Hs. wiederhergestellt. Dabei wurden zahlreiche Blätter neu angefalzt. Gleichzeitig wurden auch durch Wurmfraß und Feuchtigkeit bedingte Abbrüche zu einem größeren Teil mit Japanpapier stabilisiert. Weiterhin weist die Handschrift starke Feuchtigkeitsschäden auf, was auf den Rändern durchgängig zu Pilzbefall führte. Im schlechten Zustand des Beschreibstoffes dürfte auch der Grund dafür zu suchen sein, dass man die Hs. im Rahmen der durch Angelo Mai veranlassten und erst nach seinem Tod fertiggestellten vatikanischen Erstbindung in zwei Bände unterteilte.

Schriftraum
20,5 × 16,5 cm.
Spaltenanzahl
1 Spalte.
Zeilenanzahl
f. 1–38: 16–23; f. 39–155: 28–31; f. 156–216: 37; f. 217–389: 31 Zeilen, je in Abhängigkeit von der Textart.
Schriftart
Das Manuskript lässt den Einfluss antikisierender, auf gute Lesbarkeit bedachter Schriftarten des ausgehenden 13. bzw. 14. Jahrhunderts erkennen. Einen Zusammenhang mit der zeitgleichen sog. Hodegon-Schrift zeigt insbesondere das eher frei beschriebene und wohl dem horror vacui geschuldete f. 215r mit der dort besonders auffälligen Arrondierung der Buchstaben. Dazu begegnen partiell noch Elemente der sog. Fettausgenmode des 13. Jhs. (Vergrößerung der runden Buchstabenformen wie Omikron, Sigma oder Omega), auf die der Schreiber zurückgreift, die wiederum in ganz ähnlicher Form bei dem sog. Metochitesschreiber des 14. Jhs. begegnen. Die beiden genannten Schreibstile finden sich hier also vereinigt. Man kann somit von einer Buchschrift sprechen, die sich insgesamt stark an der entsprechenden Minuskel des 11. Jhs. orientiert und auf diese Weise dem lauten Vorlesen sehr zuträglich war. Als Entstehungsort sollte man daher am ehesten an den Raum Konstantinopel denken, aus dem die beiden oben genannten Schreibstile stammen. Einige Elemente wie das arrondierte Kappa, das langgezogene Majuskellambda (als Minuskelbuchstabe), das groß gestaltete Tau mit geschwungener oberer Haste (darauf dürfte die oben genannte, jedoch sachlich nicht begründete Datierung von G. Strano beruhen) oder die charakteristische Epsilon-Kappa-Verbindung könnten auch als Charakteristika dafür gelten, dass der Schreiber aus dem Bereich des südöstlichen Mittelmeerraumes bzw. Zypern stammte (vgl. hier besonders den von Paul Canart als zyprische Quadratschrift definierten Schreibstil des Cod. Pal. gr. 367. Wie bereits erwähnt erinnert die Schrift von ihrem äußeren Erscheinungsbild her durchaus an den als Handschriftenschreiber nur schwach belegten Demetrios Rhomanites (s. RGK I, Nr. 100 u. III Nr. 174), der etwa zeitgleich in der Nähe von Nicosia gelebt hat (s. hier den Cod. Vat. gr. 569, f. 2r–55v), was immerhin die hier angenommene Datierung unterstützt. In einem gewissen Zusammenhang mit Zypern könnte man auch die hier vorliegende Singulärüberlieferung von Text 2 sehen. Da es für den aus Zypern stammenden Nikolaos IV. Muzalon darin letzten Endes jedoch um eine Begründung der Rechtsmäßigkeit seiner Patriarchenwürde in Konstantinopel (1147–1151) ging, die es zu stärken galt, wäre vor dem Hintergrund der Schriftart wohl doch der byzantinischen Hauptstadt gegenüber Zypern der Vorzug zu geben. Dies gilt insbesondere für den ersten Teil der heutigen Handschrift, in der eine ganze Reihe theologisch-philosophischer Traktate des 11. und 12. Jahrhunderts zusammengetragen wurden.
Angaben zu Schrift / Schreibern
Die Haupthand A weist eine recht große Ähnlichkeit zu der des Demetrios Rhomanites auf, vgl. Cod. Vat. gr. 569, f. 2–55, sowie RGK III, Nr. 174 u. I, Nr. 100. Allerdings gibt es doch einige Unterschiede wie die Gestaltung der Buchstaben Xi und Phi oder der gelegentliche Rückgriff auf Elemente der Fettaugenmode, die eine Identifizierung ausschließen. Die zweifellos vorhandene Ähnlichkeit beider Schriften, für die es zahlreiche weitere Beispiele gibt (vgl. etwa den Cod. Tubing. Mb 2) lässt sich jedoch gut über die antikisierenden Tendenzen von Schreibern des 14. Jhs. erklären, wie sie sich unter anderem im sog. Hodegon-Stil zeigten. Die Textzusammenstellung und die schlichte Machart der Handschrift lassen aber wohl auf ein klösterliches Skriptorium schließen, dem der Schreiber angehörte. Schriftidentisch ist im Übrigen der Cod. Laur. Plut. 5.31 (gleichfalls Homerocentones). Für das restituierte f. 69r–v gibt RGK III, Nr. 46 Aristobulos Apostoles als Schreiber an (gest. 1538 in Venedig). Allerdings ist die vom Kopisten für diesen Abschnitt verwendete Schrift keineswegs als sonderlich individuell zu bezeichnen. Insbesondere die Form der Buchstaben Beta und Phi sowie das unsauber gezogene Xi lassen eher an Andreas Darmarios (oder sein Skriptorium) denken (= Hand a), der den Text aus einer zweispaltigen Vorlage ergänzte.
Buchgestaltung
Der Text wurde unter guter Ausnutzung des Beschreibstoffs in einer Spalte, aber nicht in allzu engem Zeilenabstand, auf das Papier eingetragen, was eine gute Lesbarkeit gewährleistet. Dem entspricht auch der eher schlichte Gesamteindruck der Handschrift. Werk- und Abschnittinitialen wurden entsprechend vergrößert und nach links ausgerückt. Werktitel stehen jeweils in einer Zeile, werden jedoch nicht immer vom Textblock abgesetzt, Zwischentitel und etwaige Zählungen finden sich jeweils auf den Außenstegen. Außerdem einige erläuternde Skizzen zum naturphilosophischen Text 10. Zur inhaltlich bedingten abweichenden Gestaltung von Text 1 und 11 vgl. die Listeneinträge unten. Zitate durch einfach Anführung gekennzeichnet.
Buchschmuck
Keine Zierelemente bis auf die farbliche Absetzung von Überschriften, Initialen und Zählungen (in der Regel karminrot) vom Textblock abgesetzt. Zu Beginn und jeweils zwischen den Haupttexten finden sich unterschiedlich gestaltete, schlichte karminrote Zierlinien.

Nachträge und Benutzungsspuren
S. zum Codex.

Provenienz
Basel / Augsburg / Heidelberg.

Inhalt

2) 39r–58r Digitalisat

Verfasser
Nicolaus IV. Muzalon Patriarcha (GND-Nr.: 100955142).
Titel
Versus de abdicatione suae.
TLG-Nummer
3101.001.
Titel (Vorlage)
39r Στίχοι νικολάου (μοναχοῦ) τοῦ μυζάλων(ος) τοῦ γεγονότος ἀχιεπισκόπ(ου) κύπρου ἐν τῇ παραιτήσει αὐτοῦ γενόμενοι. Ὁ τῆς σιωπῆς τῆς ἐμῆς ὁ λόγος. φεύγων διώκτας ἐξανίσταμαι θρόνου.
Incipit
39r Ἀεὶ μὲν ἐχρῆν ἐκδιδράσκειν ...
Explicit
58r ... καθοδηγήσειε πρὸς σωτηρίαν.
Edition
Sophia I. Doanidou, Ἡ παραίτησις Νικολάου τοῦ Μουζάλωνος ἀπὸ τῆς ἀρχιεπισκοπῆς Κύπρου, in: Hellenika 7 (1934), S. 110–141 (Text bislang nur auf Grundlage dieser Hs. bekannt; Nicola Muzalone, Carme apologetico. Introduzione, testo critico, traduzione a cura di Gioacchino Strano, Bonanno 2012, S. 74–158 (auf Grundlage dieser Hs., der Text der Ausgabe Doanidou wurde jedoch nur bedingt verbessert).

3) 59r–69v Digitalisat

Verfasser
Patricius (GND-Nr.: 1088046053).
Titel
Homerocentones (= Recensio IV Schembra).
TLG-Nummer
2766.002.
Angaben zum Text
CPG 6025.
Titel (Vorlage)
59r Βίβιλος πατρικιοίο θεουδέος ἀρητῆρος, ὃ μέγα ἔργον ἔξερεν ὁμερείης ἀπὸ βίβλου, κυδαλίμων ἐπέων τεύξας ἐρίτιμον ἀοίδη(ν).
Incipit
59r Πρήξιας ἀγγελέουσαν ἀνικήτοιο θεοῖο ...
Explicit
69v ... τὰ καὶ νῦν πάντα τελεῖται.
Schrift / Schreiber
Das restituierte f. 69 wurde in einer individuellen Kopistenschrift des 16. Jhs. ausgerührt.
Textgestaltung
Die Textvorlage von f. 69 war offenbar zweispaltig und wurde womöglich auf Bestellung ausgeführt.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Das auslautende f. 69 wurde um die Mitte des 16. Jhs. wohl durch Andreas Darmarios bzw. sein Atelier ersetzt. In der wohl stark beschädigten Vorlage wären für dieselbe Textmenge jedoch ca. anderthalb Blätter erforderlich gewesen. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, dass heute in der Zählung ein Bl. 70 fehlt, das bis zur Restitution mitgezählt war.
Edition
Artur Ludwich, Eudociae Augustae, Procli Lycii, Claudiani carminum Graecorum reliquiae, Leipzig 1897, S. 81–102 (= I–III622; diese Hs. nicht herangezogen).

4) 71r–83v Digitalisat

Verfasser
Ps.-Michael Psellus (GND-Nr.: 118733605).
Titel
Introductio in Psalmos.
TLG-Nummer
2702.015.
Incipit
71r <... κοφίνων,> [πρὸς δὲ καὶ τὴν ...
Explicit
83v οὐδ'ἐν καθέδρᾳ τῶν λοιμῶν ἠθέλησε καθίσαι [!].
Nachträge und Rezeptionsspuren
Am Anfang Textverlust im Umfang etwa einer Seite, der jedoch nicht restituiert wurde.
Edition
Michaelis Pselli Poemata rec. L. G. Westerink, Stuttgart/Leipzig 1992, S. 304–327 = LIII28–706 (diese Hs. Sigle v, die jedoch für die Textkonstitution nicht herangezogen wurde; Apographon dieser Hs. war der inzwischen verbrannte Cod. Taurin. Gr. 331 = C.II.34).

5) 84r Digitalisat

Verfasser
Michael Psellus (GND-Nr.: 118733605).
Titel
Poema X in parabolam fermenti.
TLG-Nummer
2702.015.
Titel (Vorlage)
84r Τοῦ αὐτοῦ.
Incipit
84r Γυνή, ζύμη, βέλτιστε ...
Explicit
84r ... ὅλην ἀνεζύμωσεν ἡμῶν τὴν φύσιν.
Edition
Michaelis Pselli Poemata rec. L. G. Westerink, Stuttgart/Leipzig 1992, S. 233–234 = X1–10. (diese Hs. Sigle v; Apographon dieser Hs. war der inzwischen verbrannte Cod. Taurin. Gr. 331 = C.II.34).

6) 84r–85v Digitalisat

Verfasser
Michael Psellus (GND-Nr.: 118733605).
Titel
Poema III de dogmate.
TLG-Nummer
2702.015.
Titel (Vorlage)
84r Τοῦ αὐτοῦ εἰς τὸν ὅρον τῆς πίστεως.
Incipit
84r Δέχου καὶ τὸν θεμέλιον ...
Explicit
85v ... ἀρχὴ γὰρ τοῦτο καὶ κριπὶς. Τυγχάνει βασιλείας.
Edition
Michaelis Pselli Poemata rec. L. G. Westerink, Stuttgart/Leipzig 1992, S. 68–72 = III. (diese Hs. Sigle v; Apographon dieser Hs. war der inzwischen verbrannte Cod. Taurin. Gr. 331 = C.II.34).

7) 85v–87r Digitalisat

Verfasser
Michael Psellus (GND-Nr.: 118733605).
Titel
Poema IV de conciliis oecumenicis.
TLG-Nummer
2702.015.
Incipit
85v Γίνωσκε καὶ τὸν ἀριθμὸν ...
Nachträge und Rezeptionsspuren
Auf dem Außensteg Verweis wohl von Leo Allatius auf seine Edition Diatriba de Psellis, Rom 1634, S. 170.
Edition
Michaelis Pselli Poemata rec. L. G. Westerink, Stuttgart/Leipzig 1992, S. 72–77 = III. (diese Hs. Sigle v; Apographon dieser Hs. war der inzwischen verbrannte Cod. Taurin. Gr. 331 = C.II.34).

8) 87r–91v Digitalisat

Verfasser
Michael Psellus (GND-Nr.: 118733605).
Titel
Poema I de inscriptionibus Psalmorum.
TLG-Nummer
2702.015.
Titel (Vorlage)
87r Τοῦ αὐτοῦ εἰς τὰς ἐπιγραφὰς τῶν ψαλμῶν, καὶ τὰ διάψαλμα.
Incipit
87r Οὐκ ἔστι τὸ ψαλτήριον ...
Nachträge und Rezeptionsspuren
Die beiden formalen Abschlussverse fehlen.
Edition
Michaelis Pselli Poemata rec. L. G. Westerink, Stuttgart/Leipzig 1992, S. 1–13 = I1–291. (diese Hs. Sigle v; Apographon dieser Hs. war der inzwischen verbrannte Cod. Taurin. Gr. 331 = C.II.34).

9) 92r–144r Digitalisat

Verfasser
Michael Psellus (GND-Nr.: 118733605).
Titel
De omnifaria doctrina.
TLG-Nummer
2702.028.
Titel (Vorlage)
92r Τοῦ πανσόφου κυροῦ μιχ(αὴλ) τοῦ ψελοῦ [!], διδασκαλίαπαντοδαπὴ καὶ πάντη ἀναγκαιοτάτη ἐν ἑκατὸν ἐνενήκοντ(α) πρὸς τοῖς τέσσαρις κεφαλαίοις θεωρουμένη, χωρὶς τῶν σχεδιασθέντ(ων) ἑτέρων διαφόρων λόγων καὶ στίχων πρὸς διαφόρους ὑποθέ(σεις) ἐκτεθεῖσα πρὸς τὸν εὐσεβέστατον καὶ ἀοίδιμων βασιλέα κῦρον μιχαὴλ τὸν δοῦκα, αὐτοκράτορα γεγενότα.
Incipit
92r Πιστεύω [!] εἰς ἕνα πατέρα τὴν πάντων ἀρχὴν αἰτίαν ...
Explicit
144r ... ἐξήνεγκε καὶ ἀπωχέτευσεν.
Edition
Michael Psellus, De omnifaria doctrina. Critical text and introduction, Utrecht 1948 (= Diss. phil., Nijmegen 1948, S. 17–108 = cap. 1–193 (diese Hs. der Herausgeberin nicht bekannt).

10) 144r–155v Digitalisat

Verfasser
Symeon Seth (GND-Nr.: 1089616023).
Titel
Conspectus rerum naturalium.
TLG-Nummer
3113.003.
Titel (Vorlage)
144r τοῦ αὐτοῦ πανσόφου ψελλοῦ [!] πρὸς τὸν βασιλέα κῦρον μιχαὴλ τὸν δούκαν, ἐπιλύσεις σύντομοι φυσικῶν ζητημάτων.
Incipit
144r Ὁ μὲν πλούταρχος, ὦ μέγιστε ...
Nachträge und Rezeptionsspuren
Vom Schreiber wie auch in einem Teil der Überlieferung wird dieser Text Michael Psellos zugewiesen, er stammt jedoch von Symeon Seth. Dessen Text läuft aber mit f. 155r, Z. 11 an einer Stelle aus, an der in der Überlieferung auch ein Hauptabschnitt endet. Der Schreiber hat dabei am Blattanfang die Zwischenüberschrift nochmals eingefügt, obwohl dies nicht erforderlich gewesen wäre. Offenbar um das begonnene Blatt zu füllen, hat er ab Zeile 11 aus dem voranstehenden Text 10 (De omnifaria doctrina) die Abschnitte 122 (= εἰς πόσους κύκλους διαιρεῖται ὁ ουρανός), 132 (περὶ τῆς τῶν ἀστέρων φορᾶς καὶ κινήσεως, 161 (πόθεν ἄν τις γνοίῃ ἑλληνικαὶς ἀποδείξεσι τὴν τοῦ κόσμου συντέλειαν) und 162 (τίνα δεξιὰ τοῦ κόσμου καὶ τίνα ἀρσιτερά) nochmals wiederholt.
Edition
Armand Delatte, Συμεὼν μαγίστρου τοῦ Σὴθ Σύνοψις τῶν φυσικῶν, Lüttich/Paris 1939, S. 17–89 (diese Hs. nicht herangezogen, der bislang nur von Delatte publizierte Text versteht sich aber auch nicht als streng kritische Edition).

11) 156r–214v Digitalisat

Verfasser
Chrsiopher Mytilenaeus (GND-Nr.: 183344294).
Titel
Calendarium metricum hymnographicum.
Titel (Vorlage)
156r Συναξάριον δίστιχον ἰαμβικὸν διαλαμβάνον περὶ τῆς διόλου τοῦ χρόνου μημονευομένων ἁγίων καὶ τοῦ τρόπ(ου) τῆς ἑκάστου τελευτῆς. ποίημα χριστοφό(ρου) πατρικίου τοῦ μιτυληναίου. μηνὸς σεπτεμβρίου (πρώτη), ἡ ἴνδικτος ἤτοι ἀρχὴ τοῦ νέου ἔτους.
Incipit
156r Ἴνδικτον ἡμῖν εὐλόγει ...
Explicit
214v ... ὃν τῇ χρόνου δίδωμι συγγραφῇ πέρας.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Im Rahmen der durch Angelo Mai veranlassten vatikanischen Bindung wurde der Codex in zwei Einzelbände aufgeteilt. Der schlechte Zustand des Papiers und der fast durchgängige Verlust des ursprünglichen Falzes dürfte zu dieser konservatorisch bedingten Maßnahme geführt haben. Offenbar hatte die Handschrift zu diesem Zeitpunkt bereits Anfang und Ende verloren. Vgl. dazu auch oben die Geschichte der Handschrift.
Edition
I calendari in metro innografico di Cristoforo Mitileneo, a cura di Enrica Follieri, II: Commento e indici, Brüssel 1980. Die jambischen Trimeter auf die Tagesheiligen finden sich zu einem sehr großen Teil im Kommentarteil zu den Canones in dem entsprechenden Datumseintrag. Textgrundlage ist u.a. diese Hs. (= Sigel V). Allerdings fehlt jeweils die einleitende Formel.

12) 215r Digitalisat

Verfasser
Ps.-Iohannes Damascenus (GND-Nr.: 118557971).
Titel
De sancta Trinitate (excerptum).
TLG-Nummer
2934.035.
Incipit
215r Πατὴρ, υἱὸς, πνεῦμα ἅγιον. τρία πρόσωπα ...
Explicit
215r ... ὁμολογίαι, μία πίστις.
Schrift / Schreiber
Der Schreiber gebrauchte für diesen von ihm sakral aufgefassten Text Elemente der Hodegon-Schrift (vgl. oben Text 1). In den Zeilen 8–14 folgt ein Hymnus auf die Trinität, der aus der Lebenswelt des Schreibers stammen dürfte: Πιστεύω τρεῖς τριάδας · θ(εὸ)ν π(ατέ)ρα ἄναρχον · | υἱὸν ῖσχυρὸν συνάναρχον · πνεῦμα ἅγιον, ·| ἀθάνατον · τριάδα θεὸν τέ-|λειον · δύο φύσεις δύο | θελήσεις · θεότητα καὶ ἀνθρωπότητα ·| τρεῖς μονάδας, καὶ ἔστι μία οὐσία, μία δύ-|ναμις, μία θεότης.
Edition
Migne PG 95, Sp. 13A6–11.

13) 216r–384v Digitalisat

Verfasser
Theodoretus Cyrrhensis (GND-Nr.: 118756796).
Titel
Historia ecclesiastica.
TLG-Nummer
4089.003.
Angaben zum Text
F. 216r–v Pinax libri Ii; f. 217r–262v Liber I; f. 263r–v Pinax libri IIi; f. 264r–303r Liber II; f. 303r–v Pinax libri IIIi; f. 303v–319v Liber III; f. 319v–320v Pinax libri IVi; f. 320v–353r Liber IV; f. 353r–354r Pinax libri Vi; f. 354r–381r, 383r–384v, 382r Liber V; f. 382r–v Catalogus episcoporum in Historiam commemoratorum.
Titel (Vorlage)
217r Τοῦ ἁγίου μακαρίου θεοδωρίτου (!) ἐπισκόπου κύρου, ἐκκλησιαστικῆς ἱστορίας, τόμος αʹ.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Ein Blatt ausgefallen nach f. 279, daher Textverlust πόλεμον πεί[θουσι γὰρ ... εὐφρα]τίωνα καὶ πόντος (!) Theodoret, Hist. eccl., S. 12812–1309 Parmentier/Hansen. Außerdem nach f. 381v Verlust eines Blattes mit Textausfall ἀνέξομαι ] τοὺς μὲν ... διαφόρους δυσμενείας ἐσχηκότες = Hist. eccl., S. 3328–33411 Parmentier/Hansen. Dadurch wurden auch die f. 383–384 falsch eingeordnet. Außerdem Textverlust zwischen f. 384v u. 382r λαχὼν καὶ] τὴν εὐσέβειαν ... ἀπήλαυον.[ ἐξ δὲ καὶ = Hist. eccl., S. 33815–3482 im Umfang von etwa fünf Folia. Auf den Seitenstegen findet sich eine recht umfangreiche, mit Semeioseis dem Text verbundenen Scholiierung einer Hand des 14./15. Jhs., die von Parmentier entsprechend durchgesehen wurde. Er sah darin aber keine große Bedeutung für die Textüberlieferung, vgl. Theodoret, Hist. eccl., s. Literatur, S. X–XII. Weiterhin begegnen einige Ergänzungen aus dem früheren 16. Jh. (z.B. eine Streichung und Restitution auf f. 368r), die auf eine Verwendung als Druckvorlage hinweisen und dabei mit dem ersten griechischen Druck des Textes bei Hieronymus Froben (= Auctores Historiae Ecclesiasticae, Basel 1535) in Verbindung gebracht werden könnten.
Edition
Theodoret, Kirchengeschichte. Hrsg. v. Leon Parmentier. Dritte, durchges. Aufl. v. Günther Christian Hansen, Berlin/New York 1998, S. 1–349 (diese Hs. Sigle M). Parmentier hat dieser Hs. den Cod. Basil. A III 18 (Omont 80) als Schwesterhs. zugeordnet und beide in einen mittelbaren Zusammenhang zu dem überlieferungsgeschichtlich wichtigen Cod. Bodl. Auct. E II 14 (saec. XIII) gesetzt. Damit jedoch wurde der Cod. Pal. gr. 383 von den Herausgebern aus der Textkonstitution ausgeschieden. Die Hs. wurde aber wohl für die Erstellung des griechischen Erstdrucks (bei Hieronymus Froben, Basel 1535) herangezogen.

14) 382v Digitalisat

Verfasser
Theodoretus Cyrrhensis (GND-Nr.: 118756796).
Titel
De providentia orationes X (fragmentum).
TLG-Nummer
4089.032.
Titel (Vorlage)
382v Τοῦ μακαρίου θεοδωρήτου περὶ προνοίας αἱ ἀποδείξεις ἀπ᾿ οὐρανοῦ καὶ σελήνης καὶ ἀστέρων ἡμέρων τὲ καὶ νυκτῶν, καὶ τῶν τοῦ ἔτους ὡρῶν, λόγος, αʹ.
Incipit
382v Νόμος ἐστὶ τοῖς ἀνθρώποις ...
Explicit
382v ... δὲ δίκας τῶν τολμημάτων] ἀξίας ...
Nachträge und Rezeptionsspuren
Der Text bricht heute mit f. 382v ab. Die f. 383–384 sind Teil der Historia ecclesiastica (s.o. Nr. 13). Da der erste Text als λόγος αʹ gezählt wird, ergibt sich, dass in der ursprünglichen Handschrift wenigstens eine des insgesamt zehn Predigten zählenden Corpus folgte. In der Schwesterhandschrift des Cod. Basil. A III. 18 (s. Catalogue des Manuscrits Grecs des Bibliothèques de Suisse. Bâle, Berne, Einsiedeln, Genève, St. Gall, Schaffouse et Zürich, par Henri Omont, Leipzig 1886, S. 33) sind immerhin noch drei Predigten erhalten.
Edition
Migne PG 83, Sp. 556B1–557Α2.


Bearbeitet von
Dr. Lars Hoffmann, Universitätsbibliothek Heidelberg, 26.07.2020.
Katalogisierungsrichtlinien
Die Katalogisierungsrichtlinien finden Sie hier.
Gefördert durch
The Polonsky Foundation Greek Manuscripts Project: a Collaboration between the Universities of Cambridge and Heidelberg – Das Polonsky-Stiftungsprojekt zur Erschließung griechischer Handschriften: Ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Cambridge und Heidelberg.