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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. gr. 391

Sammelhandschrift zu Diophantus Alexandrinus

Papier · 3, 128, 2 · 32,1 × 21,3 cm · Venetien (?) · Zwischen 1571 und 1579


Sprache
Griechisch.
Schlagwörter (GND)
Diophantus Alexandrinus / Antike / Mathematik / Arithmetik / Geometrie.
Diktyon-Nr.
66123.
1arv vacat
2ar Schenkungsexlibris
2av vacat
Ir Titel
Iv vacat
1) 1r–122v Diophantus Alexandrinus, Arithmeticorum libri sex cum scholiis Planudis
2) 122v–128r Diophantus Alexandrinus, De polygonis numeris
128v–130*v vacant

Kodikologische Beschreibung

Entstehungsort
Venetien (?). Da die Vorlage des Kopisten, Vat. Reginensis gr. 128, in Venetien erstellt wurde, ist die Region als Entstehungsort der Hs. ebenfalls anzunehmen.
Entstehungszeit
Zwischen 1571 und 1579 . Das Wasserzeichen auf Bl. I wurde im Zeitraum 1571–1579 verwendet (siehe unten „Wasserzeichen“). Allard hat hinreichend belegt, dass es sich bei der Hs. um eine Abschrift von Vat. Reginensis gr. 128 handelt; dieser Kodex ist auf das Jahr 1571 datiert, siehe Allard, Les Arithmétiques, S. 71 und 106. Hieraus ergibt sich, dass die Hs. nicht vor 1571 und nicht nach 1579 entstanden sein kann.
Typus (Überlieferungsform)
Codex.
Beschreibstoff
Westliches Papier.
Umfang
3, 128, 2.
Format (Blattgröße)
32,1 × 21,3 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
(I-1)1a + 12a + 1I + 5 V50 + (VII-2)62 + 3 V92 + 2 II100 + III106 + (III-1)111 + II115 + I117 + 3 II129* + (I-1)130*. Vorderspiegel ist Gegenbl. von 1a, Hinterspiegel Gegenbl. von 130*. Nach Folium 62 wurden zwei Bll., hinter 111 wurde ein Bl. entfernt. Schaltzettel (4a und 36a) vorhanden.
Foliierung
Die vatikanische Foliierung in dunkler Tinte ist in der Ecke Kopfsteg – Außensteg notiert (f. 1–128). Die Bezeichnung der ungez. Bll. folgt dem Digitalisat (1a, 2a, 129* und 130*).
Lagenzählung
Reklamanten auf jeder Seite parallel zum Text nahe des Bundstegs.
Zustand
Der Codex befindet sich in einem restaurierten Zustand. Die Bll. I bis 129* wurden, vermutlich um das aufgrund Tintenfraß brüchig gewordene Papier zu festigen, beidseitig mit transparenter Gaze beklebt. Vereinzelt wurden Lagen durch Innen- und Außenbeklebungen verstärkt. Auch das später (in den Jahren 1571–1579) hinzugefügte Papier (Bl. I) ist vom Tintenfraß befallen.
Wasserzeichen
Bei dem Wasserzeichen auf Bl. I handelt es sich um ein dreigeteiltes Wappenschild (Göpel), auf dessen oberen Plätzen ein Löwe und ein Rautenmuster und auf dessen unterem Platz ein Reichsapfel zu erkennen ist (pfälzisches Wappen), siehe Piccard-Online DE8085-PO-25754..

Schriftraum
24 × 16–18,5 cm.
Spaltenanzahl
1 Spalte.
Zeilenanzahl
32 Zeilen.
Schriftart
Die nach rechts geneigte Schrift von Schreiber a) ist von geübter Hand; es ist eine humanistische Gebrauchsschrift des 16. Jahrhunderts. Bei der Schrift von Schreiber b) handelt es sich um eine weniger geübte und weniger gleichmäßige Druckminuskel. Die Schrift von Schreiber c) ist eine gleichmäßige, aufgerichtete Druckminuskel.
Angaben zu Schrift / Schreibern
Die Hs. wurde von drei Schreibern angefertigt.
Schreiber a) f. 1r–52v; 83r–100v.
Schreiber b) f. 53r–82v; 107r–128r. Der Schreiber beginnt auf Folium 53r mit einem lateinischen D statt eines griechischen Δ, was darauf hindeutet, dass der Schreiber kein Grieche ist. Das D wurde anschließend (vermutlich von Xylander) gestrichen und das Δ über der Streichung notiert.
Schreiber c) f. 101r–106v.
Buchgestaltung
Die Hs. ist einheitlich gestaltet. Die Überschriften der Bücher I-II sind in epigraphischer Auszeichnungsschrift hervorgehoben. Die folgenden Buchüberschriften von Schreiber b) sind einfach gehalten. Der Text ist als Fließtext gestaltet. Die Scholien von Buch I und II sind vorhanden und in die Textfläche eingefügt und stehen im Wechsel mit dem Text von Diophantus; sie werden durch vorhergehende Absätze und die Unterüberschrift Σχόλιον eingeleitet. Die Scholien beginnen ohne hervorgehobene Initialen und enden mit einem Absatz. Die mathematischen graphischen Darstellungen der Scholien sind nicht wiedergegeben. Da für diese jedoch Freiräume im Textfeld gelassen wurden, wurde die Hs. anscheinend nicht abschließend bearbeitet.
Buchschmuck
Die Hs. weist nur spärlichen Buchschmuck (Initialen), jedoch keine Rubrizierungen auf. Die Initialen sind ohne Verzierung und haben die Höhe von ca. drei Zeilen.

Nachträge und Benutzungsspuren
Auf dem Vorderspiegel wurde die Besitzmarke der BAV angebracht. Auf Folium 2ar wurde die Signatur D: 392 im Kopfsteg und die Signatur 391. Pal: gr: im Fußsteg notiert. Dazwischen ist das Schenkungsexlibris Maximilians I. eingeklebt. Auf Folium Ir ist die Nr. 391 (Ecke Kopfsteg – Bundsteg) und der Titel der Hs. ΔΙΟΦΑΝΤΟΥ ἈΛΕΞΑΝΔΡΕΩΣ ἀριθμητικῶν βιβλία ϛ. Diophanti Alexandrini rerum arithmeticarum libri sex verzeichnet. Unter dem Titel wurde mit Bleistift (nach 1575) hinzugefügt Xylander edidit Latinê (gemeint ist der Druck: Wilhelm Xylander, Diophanti Alexandrini Rerum Arithmeticarum Libri sex, Basel 1575 [VD16 D 1996 und 1995]). Der runde vatikanische Stempel ist auf den Folia 1r und 128r angebracht.
Die Hs. ist durchsetzt mit Anmerkungen, Korrekturen und Anweisungen für den Drucker von der Hand Wilhelm Xylanders: Die Scholien wurden zur Kenntlichmachung durch eine waagerechte Linie neben den entsprechenden Zeilen markiert. Die unausgefüllten Freiräume für graphische mathematische Darstellungen sind mit geschwungenen Linien gefüllt. Hinter Bl. 3 wurde ein Zettel mit einer mathematischen Tabelle aus dem Scholium eingefügt (f. 4a); der Zettel hat die lat. Überschrift In Diophantum lib: 1. fol. 4., eine deutsche Erklärung und eine mit griechischen Zahlen ausgefüllte Tabelle. Die Tabelle ist ediert in: Diophantus Alexandrinus, Opera omnia, vol. II, ed. Paul Tannery, Leipzig 1895, S. 130. Hinter Bl. 35 wurde ein weiterer Zettel (f. 36a) mit einer mathematischen Graphik eingefügt. Bei einigen Bll. wurde im Kopfsteg der Rectoseiten durch (halb-)umkreiste griechische Ziffern die Zugehörigkeit zu Buch I, II etc. verzeichnet. Im Fall von griechischen Zeichen, die Xylander nicht beim Drucker vermutete, machte er häufig Vorschläge zur Umschreibung, wie beispielsweise auf Folium 54v: Hier findet sich im Fußsteg der Hinweis an den Drucker, dass das griechische Zahlzeichen Sampi (Ϡ) auch durch ωρ oder εὐνακόσια [sic] dargestellt werden könne. Der Primärtext wird durch von Xylander nachträglich notierte Kapitelüberschriften (z.B. Προβλ. α΄, f. 80v) gegliedert.

Einband
Roter Ledereinband der BAV aus der Zeit von Kardinalbibliothekar Francesco Saverio de Zelada und Papst Pius VI.; späterer Rücken mit goldenen Wappenstempeln von Papst Pius IX. (oben) und Kardinalbibliothekar Angelo Mai (unten), vgl. Schunke, Einbände, II, S. 909.
Provenienz
Heidelberg.
Geschichte der Handschrift
Die Hs. wurde vermutlich in Venetien für den Verkauf hergestellt. Anhand des Wasserzeichens auf Bl. I, das in Heidelberg etwa von 1571–1579 verwendet wurde, kann von einer Neubindung in dieser Zeitspanne in Heidelberg ausgegangen werden. Im Zuge dieser Bearbeitung erhielt die Hs. das neue Titelblatt (Bl. I). Möglicherweise geschahen diese Maßnahmen, als Wilhelm Xylander den Codex zwischen 1571 und 1579 mit zahlreichen Anmerkungen und Hinweisen an den Drucker für eine geplante Drucklegung versehen hat, siehe Tannery, Diophanti opera I, p. V. Der Druck wurde, vermutlich aufgrund des Todes von Xylander, nicht ausgeführt. Gemäß BAV, Pal. lat. 1950 gehörte die Hs. nicht zur Fuggerbibliothek.

Faksimile
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bav_pal_gr_391
Literatur
Stevenson, Graeci, S. 251; Fabio Acerbi, Diofanto. De polygonis numeris. Introduzione, testo critico, traduzione italiana e commento, Pisa/Rom 2011, S. 118; André Allard, La tradition du texte grec des Arithmétiques de Diophanted'Alexandrie, in: Revue d'histoire des textes 12–13 (1985), S. 57–138 (Sigle P).
Verzeichnis der im Katalogisierungsprojekt zitierten Literatur

Inhalt

1) 1r–122v Digitalisat

Verfasser
Diophantus Alexandrinus (GND-Nr.: 118525913).
Titel
Arithmeticorum libri sex cum scholiis Planudis.
TLG-Nummer
2039.001; 4146.001 (Scholien).
Angaben zum Text
f. 1r–42r Buch I; f. 42v–75v Buch II; f. 75v–86r Buch III; f. 86v–103r Buch IV; f. 103v–114r Buch V; f. 114r–122v Buch VI.
Titel (Vorlage)
ΔΙΟΦΑΝΤΟΥ ἈΛΕΞΑΝΔΡΕΩΣ ἀριθμητικῶν α΄.
Explicit
122v καὶ ἕξει τὸ πρόβλημα ἐλεύθερον τοῦ ἡμίσεως: ~.
Nachträge und Rezeptionsspuren
In Margine sind Scholien von der Hand Xylanders. Es gibt ferner zahlreiche lateinische und deutsche Korrekturen und Anmerkungen. Auf Folium 2r wurden ausformulierte mathematische Angaben gestrichen und durch schematische Darstellungen im Fußsteg ersetzt. In den freigelassenen Zeilen für die f. 4r ausgelassene Tabelle steht Hac pertinet typus, littera α notatus. Verwiesen wird hiermit auf den nach Bl. 3 eingefügten Zettel (Bl. 4a), auf dessen Rectoseite die Tabelle notiert ist (Edition: Diophantus Alexandrinus, Opera omnia, vol. II, ed. Paul Tannery, Leipzig 1895, S. 130). In den Freiraum auf Folium 6v ist notiert Mangelt nichts. In den Freiraum auf Folium 32v steht Hie mangelt nichts. gehört alles an ainander. Der Freiraum auf Folium 36 wurde gefüllt mit der Angabe Hirhin gehort das figürlin mit ⛧ bezaichnet daß zeng gehört alles ann ainander. Die mit dem Pentagramm aufgezeichnete Graphik findet sich auch auf dem eingefügten Zettel, Bl. 36a.
Edition
Text: Diophantus Alexandrinus, Opera omnia, vol. I, ed. Paul Tannery, Leipzig 1893, S. 2–448 (Hs. wurde für die Ed. berücksichtigt); Scholien: Diophantus Alexandrinus, Opera omnia, vol. II, ed. Paul Tannery, Leipzig 1895, S. 125–255 (Hs. wurde für die Ed. berücksichtigt).

2) 122v–128r Digitalisat

Verfasser
Diophantus Alexandrinus (GND-Nr.: 118525913).
Titel
De polygonis numeris.
TLG-Nummer
2039.002.
Angaben zum Text
Titel (Vorlage)
Διοφαντου [sic] ἀλεξανδρέως περὶ πολυγώνων ἀριθμῶν:.
Explicit
128r ὥστε ἄρτινος [sic] ἐστίν ὁ ημ· τετμήσθω δίχα κατὰ τὸ Ν: ~ Τέλος τοῦ Διαφάντου: ~.
Edition
Diophantus Alexandrinus, Opera omnia, vol. I, ed. Paul Tannery, Leipzig 1893, S. 450–480.


Bearbeitet von
Paul A. Neuendorf, Universitätsbibliothek Heidelberg, 22.09.2020.
Katalogisierungsrichtlinien
Die Katalogisierungsrichtlinien finden Sie hier.
Gefördert durch
The Polonsky Foundation Greek Manuscripts Project: a Collaboration between the Universities of Cambridge and Heidelberg – Das Polonsky-Stiftungsprojekt zur Erschließung griechischer Handschriften: Ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Cambridge und Heidelberg.