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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. gr. 431 pt. B

Josua-Rotulus

Pergament · 15 Bll. (ursprünglich aneinandergeklebt) · 30,0–31,5 × 1063,8 cm · Konstantinopel · Drittes Viertel 10. Jh.


Sprache
Griechisch.
Schlagwörter (GND)
Altes Testament / Oktateuch / Byzanz / Buchmalerei / Josuarolle.
Diktyon-Nr.
66163.
1) Ir-XVr Libri Josuae excerpta permulta cum illustrationibus XXXVI

Kodikologische Beschreibung

Entstehungsort
Konstantinopel. Aufgrund Ausführung und Schrift; siehe Geschichte der Handschrift.
Entstehungszeit
Drittes Viertel 10. Jh. S. dazu Angaben zu Schrift / Schreibern. Zu den früheren Datierungsversuchen vom 6. bis zum 10 Jahrhundert s. etwa Mazal, Josua-Rolle, S. 80–81.
Typus (Überlieferungsform)
Rotulus.
Beschreibstoff
Pergament.
Umfang
15 Bll. (ursprünglich aneinandergeklebt).
Format (Blattgröße)
30,0–31,5 × 1063,8 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
Einzelbll.
Foliierung
Moderne vatikanische Foliierung (I-XV) in der rechten oberen Ecke der einzelnen Blätter. Die Farbe der dafür verwendeten Tinte wurde dem Schriftbild des Rotulus angepasst.
Lagenzählung
Keine Lagenzählung.
Zustand
Das für die Herstellung des Rotulus verwendete Pergament ist im Schnitt 1,5 mm dick, aber von noch guter Qualität (vgl. etwa die Versoseite von Bl. IIv u. XVv) und daher auch teils stärker vergilbt. Durch den unabdingbaren Rollvorgang ergaben sich insbesondere auf den Versoseiten (= Haarseite des Pergaments) Falten und kleinere Risse, die zum Teil mit Papierstreifen hinterlegt wurden. Die Bll. I und II sowie insbes. Bl. XV sind wohl durch Einwirkung von Feuchtigkeit teils stark nachgedunkelt. Aus konservatorischen Gründen wurden die 15 bis heute erhaltenen Blätter unterschiedlicher Länge im Jahr 1902 voneinander gelöst. Seither werden sie zwischen zwei Platten aus Plexiglas als Tafeln verwahrt (hier im Folgenden aber sachgerecht als Folio bezeichnet). Über vergleichbare Rotuli wie insbes. die Codd. Pal. gr. 746 (11. Jh.) und Ath. Vatop. 602 (13. Jh.)von einem Verlust von 34, zum Teil sehr komplexen Szenen mit Einzelbildern ausgehen. Der Rotulus müsste für diesen Fall eine Länge von etwa 2420 cm besessen haben (so Weitzmann, Joshua-Roll, siehe Literatur, S. 89–108 und abgekürzt wiederholt in Mazal, Josua-Rolle, siehe Literatur, S. 13–16; die hypothetische Bildfolge s. Kurt Weitzmann/Massimo Bernabò/Rita Tarasconi, The Byzantine Octateuchs, Mount Athos, Vatopedi Monasteri […],vol. II: Text, Princeton, NJ, 1999, S. 224–275). Allerdings gibt es keinerlei Evidenz dafür, dass der Pal. gr. 431 jemals vollständig gewesen wäre.
Wie die Beschreibungen von Leo Allatius (= Pal. gr. 431 pt. A) belegen, gelangte der Rotulus auf jeden Fall im heutigen Umfang von Heidelberg nach Rom.

Schriftraum
variierend.
Spaltenanzahl
Spaltenzahl variierend.
Zeilenanzahl
Zeilenzahl variierend.
Linierung
Nur das einspaltig beschriebene Bifolium aus Pergament (f. 1+10) zweispaltig liniert wie Leroy 00A2.
Schriftart
Beide Schreiber verwenden – für ihre eigene Zeit bereits antikisierend – reine Majuskelschriften, die jedoch deutlich den Einfluss des bereits vorherrschenden Minuskelkanons erkennen lassen. Hand A benutzte ein Schreibgerät mit etwas dickerer Spitze. Sein Duktus zeigt einen nahezu geraden Schrifteintrag, die zum Minuskelkanon gehörende Akzentuierung dürfte in seiner Vorlage noch gefehlt haben, da sie nicht immer korrekt ist. Ebenso zeigt seine Schrift schon Elemente der zeitgleichen Auszeichnungsschriften, ist dabei jedoch nicht mehr von der Bibelmajuskel des 9. Jahrhunderts beeinflusst. Die weitaus stärker nach rechts geneigte Schrift der Hand B weist auf einen raschen Texteintrag hin, soweit dies seine für die Entstehungszeit bereits artifizielle Majuskel zuließ. Offenbar orientierte sich auch Hand B an einer älteren Textvorlage und ahmt dabei weitgehend deren scriptio continua ohne klar erkennbare Worttrennungen nach. Gleichwohl treten bereits verschiedene Kürzel auf (etwa für das καὶ u.a.m.), wie sie für Minuskelschriften charakteristisch sind. Marco D’Agostino/Paolo Degni, Considerations on origin and development of the »Perlschrift«, in: Christian Brockmann u.a. (Hrsg.), Griechisch-byzantinische Handschriftenforschung. Traditionen, Entwicklungen, neue Wege, I, Berlin 2020, S. 190–191 (mit Anm. 103) sehen daher auch im Pal. gr. 431 ganz zurecht eine Vorform der etwas späteren Perlschrift.
Angaben zu Schrift / Schreibern
Zwei Schreiber. Auf Hand A gehen jene Beischriften zurück, die den Charakter von Überschriften zu den jeweiligen Szenen besitzen oder auch Einzelpersonen bezeichnen. Diese wurden offenbar vor den übrigen Texten eingetragen. Auf Hand B gehen der Septuagintatext sowie die beschreibenden Beischriften zweiten Ranges zu Einzelszenen zurück (letztere erforderten die Regularien des 2. Konzils von Nikaia von 787). Otto Kresten konnte diese Hand B überzeugend mit der des Basileios μοναχὸς καὶ καλλίγραφος identifizieren, der am 30. September 962 seine Arbeit am Cod. Vat. Ross. 169 beendet hatte (Datierung dort auf f. 381v; s. Kresten, Il rotolo, siehe Literatur, S. 19–20 mit Fig. 5 zum Schriftvergleich). Zu den Malern s. die Buchgestaltung. Abgelehnt wurde diese Identifizierung ohne echte Begründung von Filippo Ronconi, Le main insaissiable. Rôle et functions des copists byzantins entre réalité et imaginaire, in: Scrivere e leggere nell’Alto medioevo. Atti … Spoleto, 28 aprile – 4 maggio 2011, vol. 2, Spoleto 2012, S. 634–635 mit Anm 30 sowie fast schon im Gleichklang damit von Daniele Bianconi, Letture tardoantiche a Bisanzio nel riflesso della cultura scritta, in: ebd., S. 845–846 mit Anm. 69 (wiederholt 2014 in Libri e letture di corte …, wie oben, S. 779).
Buchgestaltung
Der Text wurde mit aller Wahrscheinlichkeit erst nach der szenischen Ausgestaltung eingefügt. Über mögliche Vorlagen kann nichts Sicheres gesagt werden.
Buchschmuck
Im ersten Schritt wurden die Illuminationen in Grisaille-Technik ausgeführt, wodurch bereits in den einzelnen Darstellungen eine gewisse Perspektive erreicht wird. Auf die Verwendung dieser Technik ist auch die Frühdatierung des Josua-Rotulus in das 5. oder 6. Jahrhundert in der älteren Literatur zurückzuführen. Später wurden einzelne Figuren und Gegenstände von einem anderen Maler mit größerer Vorsicht nachgebessert, s. etwa die Beine der Priester auf f. IIr oder die der Pferde und einzelner Israeliten am rechten Blattrand. Auf einen dritten, möglicherweise sogar späteren Maler (oder Nutzer?) dürfte z.B. die Hervorhebung der Konturen mit einer noch etwas dunkleren Tinte zurückgehen (so etwa Erzengel, Josua und die übrigen Personen auf Bl. IVv. Allerdings wurde gerade dadurch der ästhetisch zum Teil sehr hohe Wert der Darstellung empfindlich gestört. Zu weiteren Charakteristika wie etwa dem merkwürdig flachen, fast schon hässlichen Gesicht des Josua s. Mazal, Josua-Rolle, siehe Literatur, S. 66–68). In einem vierten Schritt wurden allem Anschein nach die blauen und violett-roten Kolorierungen ausgeführt (ebd., S. 68–71). Ob auch letztere noch zu Lebzeiten des anonymen Auftraggebers der Handschrift abgeschlossen wurden, lässt sich nicht mehr sicher entscheiden. Die einzelnen Szenen wurden durch landschaftliche Elemente wie Bäume, Flüsse oder Wege voneinander getrennt. Die Art der Darstellung lehnt sich dabei an spätantike Muster an, wie dies etwa die personifizierte Darstellung der Flussgottheit Jordan oder die Stadttychen von Jericho und Gai mit nach oben gehaltenem oder abgelegtem Füllhorn (so etwa Bl. VIr) zeigen und dürften auf entsprechende Musterbücher zurückgehen. Zu detaillierten Beschreibungen, zu offenkundigen Versehen innerhalb einzelner Darstellungen und zur kunsthistorischen Einordnung sei hier auf die umfangreiche Literatur verwiesen, s. bes. Kurt Weitzman, The Joshua Roll. A Work of the Macedonian Renaissance, Princeton N. J. 1948 (passim) sowie John Lowden, The Octateuchs, siehe Literatur, S. 105–119.

Nachträge und Benutzungsspuren
Bibliotheksstempel der BAV auf f. Ir. Signaturenmarken der BAV auf jeder Versoseite. Zur nachgetragenen Blattzählung siehe Foliierung. - Pal. gr. 431 pt. A entstand erst in Rom und wird daher als Zusatz angeführt. Im Nachgang der Verbringung nach Rom hat Leo Allatius in Pal. gr. 431 pt. A lateinische Transkriptionen zum Rotulus unter dem Titel Descriptio et versio Latina eximii contacii picti Vaticani per summun virum Leonem Allatium (BAV, Pal. gr. 431 pt. A, f. IIr) zusammengefasst. Dafür stellte er auf jeweils gegenüberliegenden Doppelseiten (= f. IVv-XVIr) den griechischen Texten des eigentlichen Rotulus eine lateinische Übersetzung gegenüber; darauf folgen die Leerseiten XVIv-XIXv. Die pag. 1–20 bieten danach eine Umschrift der Zusätze auf den Versoseiten Vv u. VIv (fortlaufender Text), auf die im Folgenden noch einzugehen ist. Allaccis Ausführungen wurden in den 1830er Jahren unter dem Kardinalbibliothekar Giuseppe Albani zu einer eigenen kleinen Handschrift, dem Pal. gr. 431 pt. A, zusammengebunden. Die Zusätze auf den oben genannten Blättern sowie auf Bl. XIII (die Schrift auf Bl. XII ist nicht mehr lesbar) hat Schreiner, Prachthandschrift, siehe Literatur, S. 46–58 vorgestellt, zu einem größeren Teil ediert und ausführlich kommentiert. Dankenswerterweise kann also in der hier gebotenen Kürze auf seine Ausführungen zurückgegriffen werden. Eine Transkription der theologischen Partien und insbesondere auch der von ihm edierten Melchisedek-Erzählung bot jedoch bereits Leo Allacci im Pal. gr. 431 pt. A, p. 1–20 – was von Schreiner womöglich übersehen wurde. Beide Schreiberhände lassen sich aufgrund der Schrift im Stil der Fettaugenmode in das späte 13. Jahrhundert einordnen, aufgrund des im Baubericht erwähnten Trikephalons als Zahlungsmittel muss letzterer jedoch vor 1295 verfasst worden sein, wie Schreiner, Prachthandschrift, S. 46 herausgearbeitet hat (dort auch ausführliche Charakterisierung der Schreiberhände).
F. Vv, Z. 1–12: Wie auch Schreiner trotz moderner Technik konnte bereits Leo Allacci die ersten zwölf Zeilen des Texts nicht mehr lesen.
F. Vv, Z. 13–18: Ps.-Dionysius Alexandrinus, Erotapokriseis, ed. Pitra, Analecta sacra, III, Venedig 1883, S. 598 (aus dieser Hs.).
F. Vv, Z. 18–27: teils nicht mehr lesbare Auszüge aus Basilius Caesariensis, Contra Eunomium (τοῦ ἁγίου βασλείου τοῦ … οὕτως καὶ ὁ νοῦς), Schreiner, Prachthandschrift, S. 46 Anm. 15 konstatiert kaum Übereinstimmungen mit dem von Bernard Sesboué u.a. edierten Text.
F. Vv, Z. 27–45: Ps.-Gregorius Nazianzenus, Dialexis adversus Eunomium. Γρηγορίου τοῦ θεολόγου διάλεξις πρὸς εὐνόμιον. ἐρώτησις εὐνομίου, εἴπε γρηγόριε … κοινὸν καὶ τῶν ὑποστάσεων (in der vorliegenden Form nicht ediert, von Schreiner aber nicht gelesen, vgl. dazu Schreiner, Prachthandschrift, S. 46 Anm. 15).
F. Vv, Z. 41–77: Σχόλια διαφορὰ ἐκ τῶν πράξεων τῶν ἁγίων ἀποστόλων. Καὶ συναυλιζόμενος τουτέστι … οἱ ληστεύοντες ἔλαβον (mit Schreiberwechsel im fortlaufenden Text!). Schreiner, Prachthandschrift, S. 47, konnte diesen Text wie auch die folgenden beiden Abschnitte zwar mit einer der bekannten Versionen des Kommentars von Ps.-Oecumenius identifizieren, weist allerdings auch auf die großen Abweichungen im Text hin. Allacci, siehe Pal. gr. 431 pt. A, f. 7r, ging zunächst von Iohannes Chrysostomus als Autor aus, strich diesen aber wieder in einer Randnotiz.
F. Vv, Z. 77–104 + f. VI, Z. 1–18: Ἐκ τῆς πρὸς ἑβραίους ἐπιστολῆς. πολυμερῶς καὶ πολυτρόπως … ἀρχιερεὺς εἰς τὸν αἰῶνα (vollständig transkribiert von Allacci; Schreiner, Prachthandschrift, S. 47, konnte den Text grosso modo mit einer der Fassungen des in Byzanz beliebten Ps.-Oecumenius-Kommentars zum Hebräerbrief identifizieren [Belegstellen s. S. 47], hat dann aber auch selbst auf S. 48–49 die darin enthaltene Melchisedek-Erzählung kritisch ediert).
F. VIv, Z. 18: Ἐκ τῆς γενέσεως περὶ θαρρᾶ πατρὸς ἀβραὰμ. Ὅτε ὀργίσθη ὁ θεὸς θαρρᾷ τῷ πατρὶ ἀβραὰμ] (Text bricht ab). Fragment eines unbekannten Genesiskommentars.
F. ΧΙΙΙv, Z. 1–19: Rechnungsnotizen über den Bau eines Hauses und die dafür erforderlichen Materialtransporte, erstmals ediert, übersetzt und kommentiert nach dieser Handschrift von Schreiner, Prachthandschrift, S. 50–51.

Einband
Als sich die Handschrift im Besitz von Ulrich Fugger und anschließend der Bibliotheca Palatina befand, war die Form des Rotulus noch erhalten. Über die Art der Verwahrung ist nichts bekannt, wenigstens aber für den Transport nach Heidelberg war er uber einander gerollet <und> in maculatur gewicklet (siehe BAV, Pal. lat. 1921, f. 130r). Seit der o.g. Zerlegung der illuminierten Rolle werden die Einzelblätter unter Plexiglas verwahrt.
Die auf Leo Allacci zurückgehenden Transkriptionen sind heute mit dem charakteristischen roten Ledereinband der BAV aus der Zeit von Kardinalbibliothekar Giuseppe Albini (Wappenstempel auf dem hinteren Buchdeckel) und Papst Gregor XVI. (Wappenstempel auf dem vorderen Buchdeckel) versehen. Der Buchrücken zeigt nur die goldgeprägte Signatur. Außerdem ist für diesen Band eine Buchhülle aus blau-marmorierter Pappe erhalten. Vgl. Schunke, Einbände, II, S. 909.
Provenienz
Padua (?) / Augsburg / Heidelberg.
Geschichte der Handschrift
Innerhalb des vorgegebenen Projektrahmens können an dieser Stelle nur auf einige ausgewählte Aspekte zu der Entstehung und der historischen Bewertung des Josua-Rotulus angesprochen werden. Als sicher kann gelten, dass er in Konstantinopel entstanden ist. Denn für dessen hier angenommenen Entstehungszeitraum gab es in Byzanz anderenorts kaum Zugriffsmöglichkeiten auf geeignete Text- und Bildvorlagen – wie etwa einen vollständigen, illuminierten Oktateuch. Diese wurden zumeist in den kaiserlichen oder den patriarchalen Bibliotheken aufbewahrt. Dass nun tatsächlich von einer solchen Vorlage wohl aus dem 9. Jh. auszugehen ist, konnte John Lowden, The Octateuchs (siehe Literatur), S. 105 u. (zusammenfassend) 116–117 nach sorgfältiger Analyse der einzelnen Szenen gegenüber Kurt Weitzmanns anderslautender These herausarbeiten. Letzterer hielt den Rotulus für eine genuine Schöpfung aus der Mitte des 10. Jhs. ohne direktes handschriftliches Vorbild (s. zuletzt auch Kurt Weitzmann/Massimo Bernabò/Rita Tarasconi, The Byzantine Octateuchs, II, Text, S. 309–310). Stattdessen nahm Weitzmann z.B. einen architektonischen Fries mit entsprechender Illustration an. Dem widerspricht jedoch Lowdens Analyse der Bilderfolge, die seiner Ansicht nach eine gemeinsame Vorlage sowohl für den Rotulus, als auch für die Gruppe der ab Mitte des 11. Jhs. erstellten illustrierten und vollständig erhaltenen Oktateuch-Hss. erkennen lassen. Völlig entkräftet wird Weitzmanns Argumentation dadurch jedoch nicht, da ja der Josua-Rotulus im Gegensatz zu den Oktateuch-Hss. von vornherein einen nur fragmentierten alttestamentarischen Text enthält. Unbestritten ist dagegen der zeitliche Ansatz des Rotulus nach der Mitte des 10. Jhs., womit er als ein künstlerisches Erzeugnis der sog. makedonischen Renaissance anzusehen wäre. Begründen lässt sich die Datierung über die verwendete Majuskel, aber auch über einzelne stilistisch Elemente. Dazu kommen sachliche Erwägungen wie die von Otto Kresten, Die Hinrichtung, siehe Literatur, der allein über ein ikonographisches Detail etwaige Früherdatierungen der Schriftrolle weitestgehend auszuschließen konnte. Denn die im Pal. gr. 431 dargestellte φούρκα τοῦ θανάντου als Instrument zur Strangulierung ist für Byzanz realienkundlich erst ab dem 10. Jahrhundert greifbar. Weiterhin gelang Otto Kresten – wie bereits oben erwähnt – die Identifikation und zeitliche Einordnung des Schreibers B, dessen Tätigkeit wohl eher im höfischen Milieu anzusiedeln ist. Somit lässt sich die Entstehung des Josua-Rotulus insgesamt recht genau auf das dritte Viertel des 10. Jahrhunderts eingrenzen. Wie bereits gesehen, hatten zunächst die Buchmaler mit ihrer Arbeit begonnen, bevor Hand A und der Mönch Basileios den Rotulus durch ihre Texteinträge vollendeten. Letzterer schrieb den o.g. Cod. Vat. Ross. 169 für den πρωτοσπαθάριος καὶ κουράτωρ Basileios, einen hohen kaiserlichen Würdenträger, der seinerseits dem Umfeld von Basileios Lakapenos, einem illigitimen Sohn des 948 verstorbenen Kaisers Romanos I., angehörte. Basileios Lakapenos hätte sich nach dem Tod seines Vaters vielleicht auch selbst Hoffnungen auf den Thron gemacht. Als παρακοιμώμενος und damit als Eunuch verbot sich für ihn dieser Weg jedoch. Gleichwohl galt er als Kunstliebhaber und kann mit einer Reihe von illuminierten Handschriften (dazu s. Luigi Bevilacqua, Basileios parakoimomenos e i manuscritti miniati. Impronte di colore nell'Ambrosiano B 119 sup., in: Vie per Bisanzio. VIII Congresso Nazionale …, Venezia, 25–28 nov. 2009, a cura di Antonio Rigo, Bari 2013, S. 1013–1030; zum Josua-Rotulus s. S. 1016, Anm. 15) und weiteren Kunstobjekten in Verbindung gebracht werden (dazu Otto Kresten, Der Erzengel Michael, Josua und der Löwe. Zur Ikonographie der Darstellungen auf der Rückseite des Elfenbeinkästchens in der Badia della SS. Trinita in Cava de' Tirreni, in: Alethes Philia. Studi in onore di Giancarlo Prato, a cura di Marco D’Agostino, Spoleto 2010, S. 479–488). Gleichwohl sieht Lowden im Josua-Rotulus ein zufällig erhaltenes Relikt aus Makedonenzeit (s. Octateuch problems, S. 118), das keine ideologischen Ansprüche oder Repliken vermittelt. Unklar bleibt dennoch, welchen Zweck es erfüllen sollte. Am plausibelsten erscheinen Lowden Überlegungen wie die von Cyril Mango (s. S. 119 mit Anm. 80), der die Josua-Sequenz als Nachzeichnung eines Mosaikfrieses aus dem Großen Palast in Konstantinopel deutete. Umgekehrt könnte man natürlich auch an eine Mustervorlage für ein noch zu errichtendes bzw. neu auszuschmückendes Gebäude denken, auf deren Versoseiten später ein Baumeister des 13. Jhs. seine Materialberechnungen anstellen sollte. Dies bleibt natürlich ebenso unbeweisbar wie die zu ausführlichen Erwägungen von Wander, Joshua-Roll, siehe Literatur, S. 94–138, der im Josua-Rotulus einen künstlerischen Ausdruck für die möglichen politischen Ambitionen des Basileios Lakapenos als eine Art νέος σαλωμών (eben ähnlich wie im Falle der Kaiser Basileios I. und seines Sohns und Nachfolgers Leon VI.). Solche Ausführungen gehören jedoch in den Bereich der Spekulation. Dasselbe gilt für ebd., S. 83–92, wenn Wander Überlegungen von Weitzmann, Joshua-Roll, S. 3–5 u. 100–114 aufgreift und als mögliche Vorlage für die Darstellungen des Josua-Rotulus von der Existenz einer kleineren, knapp zwei Meter hohen Josua-Triumphsäule in Konstantinopel ausgeht, die entweder an eine frühere byzantinische Landnahme im nunmehr islamischen Palästina erinnert habe oder als ein Ausdruck politischen Wunschdenkens an eine noch bevorstehende Kaiserherrschaft aufzufassen sein könnte. Unter anderem veranschlagt Wander dafür gewisse Steigungswinkel innerhalb einzelner Abbildungen, die man aber auch nur als Versuch der Gewinnung eines besseren räumlichen Eindrucks für die betreffende Darstellung bezeichnen kann. Otto Krestens Schreiberidentifikation bestätigte gleichwohl die Annahme, dass die Entstehung des Josua-Rotulus im kaiserlichen Umfeld anzusiedeln sei – und damit aber auch zu einer weiteren Nutzung zur Verfügung gestanden hätte. Denn wie bereits erwähnt, wurde er nach Lowden ebenso für die Erstellung der späteren Oktateuch-Hss. herangezogen (einerseits den Cod. Ath. Vatop. 602, andererseits die Codd. Vat. gr. 746, Ist. Bibl. Serail 8, Smyrna Euang. Schol. A I [heute zerstört]) wie auch für Werke der plastischen Kunst, wie dies Mazal, Josua-Rolle, S. 76–78, unter Zusammenfassung der Forschungssituation seiner Zeit ausführte. Diese Einschätzung gilt bis heute und spricht zumindest für einen gewissen Stellenwert, den der Josua-Rotulus einmal besessen haben musste. Da der von jenem abhängige Cod. Ath. Vatop. 602 erst im 13. Jahrhundert entstand, ist davon auszugehen, dass sich die Handschrift zu dieser Zeit noch in Konstantinopel (oder zumindest in der griechischen Welt) befand. Letzteres beweisen die beiden Zusätze auf den oben angeführten Versoseiten, die dem 13. Jahrhundert angehören. Die ausführlichen Notizen des Anagnostes Georgios Kurtikes (eine umfassende prosopographische Einordnung seiner in Konstantinopel durchaus einflussreichen armenischstämmigen Familie bei Schreiner, Prachthandschrift, S. 52–54) über einen Hausbau und den dafür zu leistenden Aufwand (f. XIIIv) legen jedoch den Schluss nahe, dass sich der Rotulus in kirchlichem Besitz befunden haben könnte und in diesem Zusammenhang auch mit patristischen Lesetexten beschrieben wurde (= f. Vv, VIv). Ob gerade genannter Georgios Kurtikes mit dem niedrigen kirchlichen Amt eines Lektors nun Eigentümer der Handschrift war oder sie nur wiederverwendete, lässt sich nicht mehr entscheiden. Erster historisch greifbarer Besitzer der Rolle war Ulrich Fugger, der 1567 aus Augsburg nach Heidelberg vertrieben wurde und bei dieser Gelegenheit seine Bibliothek mitführte. Ob Giannzzo Manetti ein weiterer Vorbesitzer war, was bereits Mazal, Josua-Rotulus, S. 85, ohne nähere Begründung angedeutet hatte, und in dessen Nachfolge Niccolò Leonico Tomeo, wie Eleonora Gamba, Un nuovo manoscritto copiato da Niccolò Leonico Tomeo (Par. gr. 1833). Appunti per la ricostruzione della sua biblioteca, in: Eikasmos 25 (2014), S. 342 (zuletzt übernommen von Ciro Giacomelli, Greek Manuscripts in Padua. Some New Evidence, in: Rosa Maria Piccione [ed.], Greeks, Books and Libraries in Renaissance Venice, Berlin/Boston 2021, S. 202) annimmt, gehört wenigstens derzeit noch in den Bereich der Spekulation. Der Josua-Rotulus findet sich zwar nicht in einem der Augsburger Fuggerinventare (wie dem des Pal. lat. 1950), dafür jedoch (vgl. auch Lehmann, Fuggerbibliotheken, I, S. 104 u. II, S. 314, 455) in dem 1571 durch den Notar Philipp Ludwig von Schwechenheim anlässlich der vertraglich vereinbarten Überlassung der fuggerschen Bibliothek an die Pfälzer Kurfürsten erstellten Inventarium herrn Ulrich Fuggers bibliotheck so zum hailigen gaist allhie inn verwahrung des Pal. lat. 1921 auf f. 129v–130r mit der Notiz: Historia veteris testamenti de populo Israelitico. In | einer langen tafell uff perment abgerissenn, uber einan- | der gerollet, in maculatur gewicklet. Die Form des Rotulus legt nahe, dass er in Augsburg gesondert aufbewahrt wurde und dadurch den Inventarisierungen der 1550er Jahre entging. Dies könnte nach 1571 auch in Heidelberg der Fall gewesen sein, da die Handschrift nicht in dem auch nach dem Tod Ulrich Fuggers im Februar 1584 noch weitergeführten Register der in der Heiliggeistkirche aufgestellten Graeca (= BAV, Pal. lat. 1916, f. 530r–551v) verzeichnet ist. Dies wiederum legt die Vermutung nahe, dass der Josua-Rotulus als ein „kurioses“ Kunstobjekt in die Schlossbibliothek gebracht worden war. Denn die dort verwahrten Manuskripte sowie etwaige Zukäufe ab 1596 finden sich unter Jan Gruters Nachträgen zu Friedrich Sylburgs Katalog der griechischen Handschriften. Der Josua-Rotulus ist dort unter der Nr. 405 mit dem Eintrag Picturae aliquot populi Isrealitici historias veteri testamento longa tabularum | serie repræsentates. A tergo sunt quædam Dionysii Alexandrini episcopi (BAV, Pal. lat. 429bis, f. 136r) aufgelistet. Immerhin waren auf diese Weise auch die Zusätze des Rotulus in Heidelberg bereits erfasst worden. Als Teil der Bibliotheca Palatina gelangte die Josua-Rolle im Zuge der Eroberung der Stadt im Jahr 1622 als Geschenk des bayerischen Herzogs Maximilian an Papst Gregor XV. über München nach Rom. Im Verzeichnis des Pal. lat. 1949, das Leo Allacci dort nach Ankunft der Kriegsbeute erstellte, findet sich der Rotulus auf f. 90r unter dem wenig aussagekräftigen Vermerk Volumen ex pergameno continens historiam Exodi und war als 69. Objekt der Capsa 90 entnommen worden. In den Wirren der napoleonischen Besetzung Roms gelangte der Rotulus durch einen geschickt verdeckten Diebstahl im Jahr 1808 für sechs Jahre in den Besitz eines nicht weiter bekannten Luigi Pech, 1814 konnte er seitens der BAV wieder zurückgekauft werden (zum Vorgang s. Christine Maria Grafinger, Die Rückerwerbung verschollener Vatikanischer Inkunabeln und Handschriften im Jahr 1810, in: Misc. Bibl. Apost. Vatic., 6, Città del Vaticano 1998, S. 207), seither Aufbewahrung in der BAV.

Faksimile
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bav_pal_gr_431_2
Literatur
An dieser Stelle kann nur Literatur in Auswahl angegeben werden, da die Publikationstätigkeit zum Josua-Rotulus mittlerweile unüberschaubar ist. Hier nicht gelistete ältere Werke lassen sich insbesondere über die hier genannten Titel aber leicht ermitteln; Stevenson, Graeci, S. 279; Il Rotulo di Giosuè. Codice Vaticano Palatino Greco 431. Riprodotto in fototipia e fotocromografia a cura della Biblioteca Vaticana. Publ. a cura di Pio Franchi De‘ Cavalieri, Mailand 1905 (die Hs. wurde vom Hrsg. damals noch in das 7.-8. Jh. datiert); Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat des Codex Vaticanus Palatinus graecus 431 der Biblioteca Apostolica Vaticana, Kommentar: Otto Mazal, Graz 1984; Daniele Bianconi, Cura et studio. Il restauro del libro a Bisanzio, in: Allessandria 2018, S. 72 Anm. 118; Daniele Bianconi, Libri e letture di corte a Bisanzio. Da Costantino il Grande all’ascesa di Alessio I Comneno, in: Le corti nell’alto medioevo. Settimane di Studio …, Spoleto 2015, S. 775 Anm. 27 (neuere Lit. zu Basileios Lakapenos) u. 782 mit Anm. 57; Maria Garbielle Critelli, La Biblioteca Vaticana e i facsimili, in: Accademia di scienze, lettere e arti di Modena. Memorie Scientifiche, Giuridiche, Letterarie, ser. VII, vol. 15 (2012), S. 494–495; Mariachiara Fincati, The Medieval revision of the Ambrosian Hexateuch. Critical editing between »Septuaginta« and »Hebraica Veritas« in MS Ambrosianus A 147 inf, Göttingen 2016, S. 365 (die Autorin übersieht, dass der Text ganz gezielt für den Pal. gr. 431 adaptiert wurde und daher überlieferungsgeschichtlich bedeutungslos ist); Otto Kresten, Die Hinrichtung des Königs von Gai (Jos. 8, 29). Der realienkundliche Beitrag des Skylitzes Matritensis zur Klärung eines ikonographischen Problems im Josua-Rotulus der Biblioteca Apostolica Vaticana (Cod. Pal. gr. 431), in: Anz. d. phil.-hist. Kl. d. Österr. Akad. d. Wiss. 126 (1989, ersch. 1990), S. 111–129 (wichtig für die Datierung!); Otto Kresten, Il Rotolo di Giosuè (BAV, Pal. gr. 431) e gli Ottateuchi miniati bizantini, Città del Vaticano 2010, passim (mit weiterer Literatur!); Fernanda De’ Maffel, Sant'Angelo in Formis. II. La dicotomia tra le scene del Nuovo e dell'Antico Testamento e l'originario ceppo bizantino (I parte), in: Commentari 28 (1977), S. 40 (für die Datierung der Hs. wichtiger Hinweis auf die clavi auf den Ärmeln der priesterlichen Dalmatiken); Mariella Menchelli, Il rotolo di Patmos con il commento di Proclo al Timeo platonico, in: Segno e Testo 14, 2016, S. 179–180, 191; Peter Schreiner, Die Prachthandschriften als Gebrauchsgegenstand. Theologische und wirtschaftsgeschichtliche Notizen auf dem Verso des Josua-Rotulus (Vat. Pal. gr. 431), in: Anzeiger der phil.-hist. Kl. d. Österr. Akad. d. Wiss. 134 (1997–1999), S. 43–62 (wichtig für die sekundären Zusätze auf den Versoseiten); Vasiliki Tsmakda, The Joshua Roll, in: Dies. (ed.), A Companion to Byzantine Illustrated Manuscripts, Leiden 2017, S. 207–213 (nur zusammenfassende Darstellung, kunsthistorische Literatur); Steven H. Wander, The Joshua Roll, Wiesbaden 2012 (mit größeren Übernahmen aus dem oben angeführten Kommentar von Otto Mazal); Hans Lietzmann, Zur Datierung der Josua-Rolle, in: Aloys Böhmer/Joachim Kircher (Hrsg.), Mittelalterliche Handschriften. Paläographische, kunsthistorische u. bibliotheksgeschichtliche Untersuchungen. Festgabe z. 60. Geburtstag von Hermann Degering, Leipzig 1926, S. 181–185; Otto Kresten, Oktateuch-Probleme: Bemerkungen zu einer Neuerscheinung, in: ByzZ 84 (1992), S. 501–511; John Lowden, The Octateuchs. A Study in Byzantine Manuscript Illustration, University Park, PA 1992, S. 115–119; Kurt Weitzmannn, The Joshua Roll. A Work of the Macedonian Renaissance, Princeton, NJ 1948.
Verzeichnis der im Katalogisierungsprojekt zitierten Literatur

Inhalt

1) Ir–XVr Digitalisat

Titel
Libri Josuae excerpta permulta cum illustrationibus XXXVI.
TLG-Nummer
0527.006, 0527.007 (da der Text eng an den sog. Codex Alexandrinus [= Cod. Brit. Libr., Royal 1, D V-VIII] angelehnt ist)..
Angaben zum Text
Der ursprüngliche Rotulus wurde 1902 aus konservierungstechnischen Gründen in seine 15, unterschiedlich langen Blätter zerlegt. Auf der Rectoseite zeigen sie die folgenden, insgesamt 36 Bildszenen. Dabei werden vom Schreiber zusammenhängende Szenen durch den darunter fortgeschriebenen Bibeltext miteinander verbunden.
Bl. Ir, Szene 1: Die von Josua nach Jericho entsandten zwei Spione fliehen in ein bewaldetes Gebirge, um sich dort (drei Tage) zu verstecken (Jos 2,15–16 u. 22a). Die vorangehende Szene mit der Flucht durch ein Fenster in der Stadtmauer fehlt (= Bild 1).
Bl. Ir, Szene 2: Zwei berittene Verfolger aus Jericho nehmen einen anderen Weg und finden die Spione nicht (Jos 2,22b; = Bild 2).
Bl. Ir, Szene 3: Josua fordert das Volk Israel auf, sich zu heiligen, da Gott ein Wunder tun werde. Es solle der Bundeslade folgen, die die Priester tragen, und an den Jordan ziehen (Jos 3,5–6; = Bild 3).
Bl. IIr, Szene 1: Die Priester tragen die Bundeslade dem Volk Israel voran (Jos 3,6; = Bild 4).
Bl. IIr, Szene 2: Das Volk Israel überquert den Jordan trockenen Fußes. Aufforderung Josuas, zwölf größere Steine aus dem Flussbett des Jordan mitzunehmen (Jos 3,17–4, 3a; = Bild 5).
Bl. IIr, Szene 3 + Bl. IIIr Szene 1: Die Bundeslade und das Volk Israel haben nun den Jordan überquert. Vorbereitung der zwölf Stämme auf den Kampf gegen die Stadt Jericho (Jos 4,11b–13; = Bild 6).
Bl. IIIr, Szene 2: Josua errichtet auf göttliches Geheiß hin bei Galgola einen Altar aus den in Bild 5 gesammelten zwölf Steinen, der Fluss Jordan und dessen Personifikation sind oberhalb der Szene zu sehen (Jos 4,20–22; = Bild 7).
Bl. IIIr, Szene 3: Gott fordert Josua dazu auf, als Erkennungsmerkmal alle männlichen Israeliten mit einem Steinmesser zu beschneiden (Jos 5,2b–3). Oberhalb der Szene ist symbolisch der Berg der Beschneidung (Jos 5,3b) dargestellt (= Bild 8).
Bl. IVr, Szene 1: Szenenfolge der Erscheinung des Erzengels Michael vor Josua, der sich auf geheiligtem Boden niederwerfen solle (Jos 5,13–14a u 14b–15). Text, Beischrift und ein Teil der Konturen wurden mit schwarzer Tinte partiell nachgezogen (= Bild 9).
Bl. IVr, Szene 2: Stadtgöttin von Jericho schaut noch als Teil von Bild 9 nach links der Beschneidung zu, während sich rechterhand die Israeliten bereits zum Kampf gegen Jericho aufmachen (= Bild 10).
Bl. Vr, Szenen 1 u 2: Die Priester blasen die Kriegsposaunen mit der Bundeslade im Gefolge, daran schließen sich die Israeliten an. Es kommt zum Kampf mit den Bewohnern Jerichos, die Stadtmauer stürzt ein und die Bewohner werden getötet (Jos 6,20–21; = Bild 11).
Bl. VIr, Szene 1: Die Stadtgöttin betrachtet das gefallene Jericho mit traurigem Blick (= Bild 12).
Bl. VIr, Szene 2: Josua entsendet zwei Spione zur Stadt Gai (Jos 7,2, 5), oberhalb die Tyche der Stadt. Darüber das ikonographisch sehr selten dargestellte Herz der Israeliten, das nach Jos 7,5 angesichts der zunächst demonstrierten militärischen Überlegenheit der Bewohner Gais zu Wasser geworden wäre (= Bild 13).
Bl. VIr, Szene 3: Rückkehr der sich beratschlagenden Spione (Jos 7,3a; = Bild 14).
Bl. VIIr, Szene 1: Die Spione erstatten vor Josua, der von Israeliten umgeben ist, ihren Bericht (Jos 7,3b; = Bild 15).
Bl. VIIr, Szene 2: Zwei bis drei Tausend bewaffnete Israeliten brechen zum Kampf gegen Gai auf (Jos 7,4; = Bild 16).
Bl. VIIr, Szene 3 + Bl. VIIIr, Szene 1: Die Israeliten werden im Kampf besiegt, eine kleinere Gruppe auch getötet (Jos 7,5a) Die Tyche von Gai schaut erfreut zu (= Bild 17).
Bl. VIIIr, Szene 2: Josua und die Priester demütigen sich vor Gott (Jos 7 6). Gottes Antwort zum Diebstahl von Opfergaben und dem damit verbundenen moralischen Bruch wurde von Schreiber B oberhalb der Szene notiert (Jos 7,10–11; = Bild 18).
Bl. VIIIr, Szene 3 + IXr, Szene 1: In einer typisch byzantinischen Gerichtsszene wird Achar des Diebstahls überführt und bekennt anschließend seine Schuld vor Josua (Jos 7,19–20a;= Bild 19).
Bl. IXr, Szene 2 u. 3: Achar wird zur Hinrichtung geführt (= Bild 20) und mitsamt seinem Hausstand zu Tode gesteinigt (Jos 7,24–26; = Bild 21). Oberhalb der dritten Szene befindet sich die Personifikation des Ortes Emekachor (Jos 7,24), an dem sich dieses Ereignis abspielte.
Bl. Xr, Szene 1: Gebet des Josua um militärischen Erfolg und Gottes entsprechende Zusage (Jos 8, 1; = Bild 22).
Bl. Xr, Szene 2: Josua zieht mit den Israeliten gegen die Stadt Gai (Jos 8, 3; = Bild 23).
Bl. Xr, Szene 3: Die Israeliten können dieses Mal die Stadt Gai mittels geschickter Taktik erobern (= Bild 24), Darstellung der Szenenfolge (Jos 8, 18b–22a). Die Bewohner werden getötet (= Bild 25).
Bl. XIr, Szene 1: Gefangennahme des Königs von Gai (a; Jos 8,23–24;= Bild 26), der von Josua zum Tod verurteilt (b; = Bild 27) und in der sog. φούρκα τοῦ θανάτου von einem jungen Henker zu Tode stranguliert wird (c; Jos 8,28–29a; = Bild 28).
Bl. XIr, Szene 2: Josua errichtet auf dem Berg Erbal einen Altar und opfert, da Mose dort verstorben war (Jos 9,2a–2ba; = Bild 29). Eine Personifikation des Bergs betrachtet den Vorgang.
Bl. XIr, Szene 3 + XIIr, Szene 1: Abgesandte der Stadt Gibeon machen sich zu Josua auf den Weg (Bl. XIr, rechter Rand oben; Jos 9,6) und bitten vor Josua um Verschonung (Jos 9,9–13). Am Ende wird ohne Josuas Wissen der Frieden zugesichert (= Bild 30).
Bl. XIIr, Szene 2: Erneute Gesandtschaft der Stadt Gibeon, die vor Josua um Hilfe beim Kampf gegen fünf feindliche Könige ansucht (Jos 10,6; = Bild 31).
Bll. XIIr, Szene 3 + XIIIr, Szene 1: Feldherrenrede Josuas und Sieg der Israeliten gegen das von fünf Königen angeführte Heer der Amorrhäer (Jos 10,9–14). Bei dieser Gelegenheit zeigten sich nach dem alttestamentlichen Bericht Sonne und Mond gleichzeitig am Himmel, was als göttliches Zeichen angesehen wurde (= Bild 32).
Bl. XIIIr, Szene 2: Am oberen rechten Blattrand ist die Flucht der fünf amorrhäischen Könige zu erkennen (a; = Jos 10,16a). Darunter teilen Boten Josua mit, dass die flüchtigen Könige entdeckt worden seien (b; = Jos 10,17). Josua befiehlt (c) ihre Gefangennahme (= Bild 33).
Bl. XIVr + XVr, Szene 1: Die fünf gefangenen Könige werden in einem Triumphzug zu Josua gebracht (Jos 10,23; = Bild 34).
Bl. XVr, Szene 1: Die amorrhäischen Könige werden an der Todesfurca stranguliert (Jos 10,26; = Bild 35).
Bl. XVr, Szene 2 (nur noch Rest erhalten): Beisetzung der Könige in der Höhle von Makada (Jos 10,27;= Bild 36).
Textgestaltung
Die Exzerpte wurden bei Bedarf vom Schreiber entsprechend des zur Verfügung stehenden Schriftraums eingekürzt oder auch inhaltlich-redaktionell verändert (dazu bereits ausführlich Mazal, Josua-Rolle, siehe Literatur, S. 40–45 und übernommen im Rahmen des eigenen Kommentars, dabei jedoch weiter ausgeführt und teils sachlich missverstanden in Wander, Joshua-Roll, siehe Literatur, S. 31–78). Grundsätzlich lehnt sich die griechische Textgestalt aber an die östliche Form der Septuaginta an, die durch den bereits o.g. Codex Alexandrinus repräsentiert wird, im konkreten Fall jedoch – was auf der Hand liegt – dem in Konstantinopel gebräuchlichen, sog. Mehrheitstext entnommen ist.
Edition
Septuaginta. Editio altera. Das Alte Testament griechisch. Id est Vetus Testamentum graece iuxta LXX interpretes ed. Alfred Rahlfs. Ed. alt. quam rec. et emend. Robert Hanhart. Duo vol. in uno. Vol. 1, Stuttgart 2006.


Bearbeitet von
Dr. Lars Hoffmann, Universitätsbibliothek Heidelberg, 29.07.2021.
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Gefördert durch
The Polonsky Foundation Greek Manuscripts Project: a Collaboration between the Universities of Cambridge and Heidelberg – Das Polonsky-Stiftungsprojekt zur Erschließung griechischer Handschriften: Ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Cambridge und Heidelberg.