Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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ponrgnM oder Haubm-Närrin.'

mit den Verlaut/ daß sie ewig verdammt/ umb weil sie dem Kleider-
Pracht / und neuen Modi gar zu starck nachgestrebet. O GO"!
Diesem allen gibt man wenig Glauben, allein es wird eine Zeit/ein
Tag/ein Stund/ein Augenblick alles zeigen / und zwar dazumal/
wann euer Seel vor dem Göttlichen Richter erscheinen wird.
GO" derHEn hat imAlten Testament gantz genau angeben/
wie das Kleid deß Hohen-Priesters Aaron solle gemacht werden:
Erstlich ein langerRock vonHimmebblauerSeiden/aber unterhalb/
bcy den Füssen/ müssen rings herumb Granat-Aepffel seyn/ von
Himmel blauer Seiden/von Purpur-Seiden / und von zweymahl
gefärbter reiher Seiden/ und zwischen diese« GranatAepffeln mu-
stc allezeit eine güldene Schellen hangen/ damit also der Klang ge-
höret werde/ wann der Priester zum Heiligkhumb eingehet. Uber
diesen wundcrseltsamen Auszug seynd allerley gar schöne und Hoch-
weise Auslegungen / deren ich dermahl allhier geschweige. Aber in
der Wahrheit / bey der jetztmahügen muthwilligen Welt ist ein ss
wunderlicher Auszug in den Kleidern/ daß man füglich oben und un-
ter köme Schellen an ihre so genante kaibcleu anhangen / der Rock
der muß von geblumten kiocgc ftyn/das Kleid muß umb und umb
verbrenn und verfalbelet seyn/die plumpe Füß müssen eingeschrenckt
werden in Schühlein von allerhand Farben/dieH aar müssen gekräu-
selt und eingebuderet werden / die Lenden müssen durch die enge
Schnür-Brust/ der gestalten eng zusammen geprest werden / daß ih-
nen auch schier der Athen, versrrettirt ist/ damit sie zum wenigsten/
wo nicht rein/ doch rohn scheinen mögen.
Jetzt kommt kaum ein Bauern-Tochter aus dem «echstenDorff
in die Stadt zum Dienst/ gleich will ein solcher Mist - Trampel nach
der Mode gekleidet seyn: Ein Sohlen an den Schuh ist ihr zu „ider/
muß also auch Ubsätz haben; Der Rock / oder schwartze leinene
Schurtz ist auch zu knrtz, sie muß einen haben von gefärbtenZena/der
bis an die Knoden g hct/ damit glcichwol die spitzigen Schühl'n
und roch-gefärbten Strümpffgefthen werden; Das Jüpple oder
-- Bau-
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