Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Die wahrsagerische Närrin.
«SU)Je Mahler-Kunst ist schier was Göttliches / massen sie dem All-
MAmächtigsnSchöpfferallerDmgen ziemlich nacharcet dann was
der Höchste GO« mit dem einigen Wörtleinr>-ic hat gsricht / da er
Himmel und Erden Anfangs erschaffen / dasthurauch der Mahler
mildem Psmsel; der Heil. Lpipkomus ist der Meinung / daß solche
Kunst gar uralt seye / und rühre solche ursprünglich her von dem 8a-
rucksso da gebohren aus dem Stammen Seen/welcher in der Archen
Noegewest.
Es ist ja höchst zu verwundern über die Hand und Verstand ei-
nes Mahlers/Wcil diese alle sichtbare Geschöpffaufder gantzen Welt
mit ihren Farben enrwerffen kau; Wüst du einen Tisch/ und ans deni
Tisch einen Kopff/einen Schopfs? Wilstdu einen Krantz/und auff
dem Krantz einen Glantz ? Wüst du einen Schüd / und anff dem
SchildeinBild? Wilstdu ein Tuch / und auffdem Tuch ein Buch ?
Wüst du einen Lappen/ undauffdem Lappen eine Kappen ? Wüst du
eine WieMund auffder Wiesen einen Riesen ? Das macht dir alles
der Ma».er mit seiner Kunst.
Dieses allesstelletderPemfeleinesMahlersnatürlichvor/und
istdarbeydiegeringsteZauberey nicht / aberviel W-ibs Bilder gibt
es / die zu den Zigeunerinnen und Teuffels Bannern lausten / und ihr
künfftiges Glück oder Unglück wahrsagen laffsn/so zweiffels ohne eine
grosse Sund ist. Das mehreste/was solche verführte Seelen zu be-
drucken haben/ist/daß die Wahrsagerey nicht eintrifft/ sondern cs ge-
schicht dann und wann nur ungefehr/wie ich sagen kan/daß cs künffti-
ge Ostern regnenwird / und es vielleicht ungefehr zutreffen könnte/
solches solle aus folgender Geschicht erwiesen werden.
Von einem Teutschen Fürsten wirderzehlt/ daß / alSereknes
Tagesauffdie Jagd hinauß wolle/fragteer seinen ^üroioZum, wel-
chen er wegen seiner vermeynten Scieny sonderbahr hoch Tllimicte/
was vor ein Wetter den Tag hindurch ftyn würde ? Dieser sagre
Ggg ihm
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