Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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;e8 Freys Närrin.
uem Ursprung fliesset alle Sünden her .-Von den bösen Gedancken/
e^ls von einer Mutter / werden alle Laster gebohren: Von den bösen
Gedancken / als von einer Wurtzel / stammen alle Miffechatm her:
Von den bösen Gedancken/ als von einen Eisen/ werden alle Um
rhatm geschmiedet: Von dsu bösen Gedancken / als von lauter
Schauern / wird das höllische Feuer angezündet. Wer kommet dar-
ein ? Eine freye Närrin.
Die Erfahrne Jager fangen die allerschädlichste Vögel auf
folgende Weiß: Sie machen em Grüdlem/ctwürm eine halbeSpanr
MN mff / umgeben daffckdemir einer Maschen von starcken Roß-
Haar oder Spagar/bmden solchen an einen höltzernen Nagel/schla-
gen den Nag?l in hie Erden / und legen in das Grüblein em Stuck
faules Fleisch. Wann nun die wilde Vögel mir ihren scharssenAm
gen solches erblicken/ oder schmecken / lassen ste sich herab / sitzen
darauf/und wann sie in dergleichen gelegten Luder am besten schna--
buliren/zieht sich die Maschen zusammen/und wird also den gefan-
genen Gästen die Mahlzeit gescegntt.
Solche RaubvMgel ftyud die unzüchtige Gedancken und spa-
rn'schLVenusMucken die etwan da einen 8>ivjo und dort einer 8>g-
viX m Len Kopffnmflattern: Diese trachten Tag und Nacht auf ei-
nen Raub / und Mar auf keinen andern / als auf die Seel ftlbsten»
Wüst du aber diesem Raub verbiegen?So bediene dich der^rnben/
--- And deß faulen Fleisch / richte gedachten Raub-Vögeln auf; Was
gilrsdsiL werden m der Maschen hangen bleiben / und du nicht von ih-
nen / sondern sie von dir gefangen werden»
Was muß aber dieses für cme Gruben styn ? Kein andere/als
das Grab. In diesem besichtige die schöne Helena / oder den schön-
sten ciüüm, die .oder den garstigsten ibeopUi-
Lum, die hurtigiste M'ocUa > oder den hertzigisten L'uwNenum, so wirst
du an statt aller Hertzigkcir/ Zartigkell und Schönheit/mcht anders
finden / als ein faules Muckendes Aaß/ in welches sich niemand mehr
M die abscheuliche Würm / verlieben können.Brauch diese Gruben
zum
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