Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Die Neydige Narren.
Stand soll gelangen. Die Neydige seynd/ wie seynd sie? sie seynS
wisdiejenige/ so am Fieber kranck liegen / deme kommen auch süsse
Speisen bitter vor/also kandieNeydig?nichts mehrers verdittern/als
wann derNächste gutes und süffesGlück genieffet.Die Neydige ftyuö
wie seynd sie ? sie seynd wie die Fliegen/ welche gemeiniglich Len Men-
sch? mühsam den jenigen plagen/wo er ungesund ».verwundet ist' also
die Neydige nur dasjenige an ihrem Nächsten suchen / so tadeiyafft
ist-das tugendsame und lobwürdige verschweigen sie so freymüthig.
Die Neydige seynd / wie seynd sie ? sie seynd wie die Amper an emem
Brunnen/wann einer herunter fällt / so steigt der ander in dis Höhe
kommt einer herauf/ so fallt der ander Himmler/also ist demNeydigen
wol/und befindet sich wol auf/ wann er sicht seinen Nächsten fallen/
und so fein Nächster hoch steigt / thut sich der Neydige darüber be-
stürmen. L> du verdammtes Laster du bist ein Maden der Seelen/
noch mehr / du bist ein Woltems deß Heraus/ noch mehr/ Lu bist ein
Pest derfünffSinnen noch mehr/du bist ein Gisst der Glieder/ noch
mehr / du bist ein gefährliches Fieber deß Geblüts/ noch mehr/ du bist
ein Schwindel deß Haupts / noch mehr / Lu bist ein Finsternuß deß
Verstands / »och mehr / dubist einHencker/unLZolterer/undTyrann
deß menschlichen Leibs.
NachLemIhrs Majestät dem König Eero die wvhlgestaltiste
Tochterseynd vorgcführet worden/hat vor allen scinenAugen wvlge-
fallen ein überaus schönes Mädl mit NamenEsther / welche er dann
unverzüglich zu einer König!. Frau Gemalin ausekwählet / aber da
hätte jemand sollen in die Gemühter der andern einsehen / was Neyd-
volleGedanckcn fiegegcndiesemIuden-Töchterlgcschöpfft achldach,
re eine/ das Schelmen Vieh hat ja Las Glück / daß ihr derHencker
das Gesicht pegle; die Bcstia / sagt ekwann ein anderer bey ihr selbst/
ich wollt sie hält an statt ihrer schwartzcn Augen ein paar gläserne
Wammes-Knöpffvon einem Flecksiedler; die dritte gedachte/ wär ich
ein Spinnerin/ ich wollte ihr bcy der Nacht das Gesicht zurichten /
daß sie Morgens früh sollte einen Zittrachthaben / wie ein Schwedi-
scher Mantel-Kragen; die Höppiu/ wünjchett eine andere / wäre ich
nur
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