Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

Page: 307
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/abraham1713/0447
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Di^ schöne Narrm. zo?
C^mp!iments/cm zorniges Saprament/ und sagte: Laß er von der
Schönheit ge-angeu/folchs aber im geringsten nicht gefunden hak.
Gar wol wird die Scheuheit von denen Gelehrten lempori;
rnorbl lucNbrium genannt / eine solche Sache die von der Zeit und
Kranckheit nur üüsgelacht und verhönetwird/freylich wohl! verge-
het die schöne Gestalt des Frauenzimmers/ und eine solche/ die etwas
grosses daraus gemacht/ ist nickt gefcheid/ja wann sie so beschaffen
wäreu/wie der Israeliten ihre Kleider/Lazumalen/wie sie von Vtty-
ftj aus Egypten geführt worden/so wurden solche Gesicht Krämerin
noch etwas gelten / dann viertzig gantzer Jahr durch haben die Jsrae-
Mer von ihren Mydern nicht einen Fetzen Zerrissen / aber mit dec
Schönheit hm es weit eine andere Eigenschafft/dann man bleibt uir
alleweilzn Schönau/man kommt auch nacher Braunau / wo nit gar
nach Schweinau/ man bleibt nicht immer Zu Marburg/ mau kommt
auch nach Zwiefalt in Schwaben/und nacher Matz in Schlesien/dee
Kopffthui sich mit der Zeit mausen wie ein alte Bruch-Henn dieM-
gen werden mir der Zeit rinnend und roth/als wann man täglich Ey-
prianische Tauben zu versehen hätre/die rocheWangen fallen ein/ wie
em ausgepfiffener DudellSaE / die Alabasterne Nasen wird mit der
Zeit zu einem solchen Calender/wonnnen stets feuchtes Wetter zu se-
hen/ der Mund sihr zu Zeiten aus wie ein gerupffte Blaumeisen / die
Silber weise Zähn werden mir der Zeit zugestumpffre Pallisaden/
die schöne Gestalt geht zu Trümmern / wie die Alabasterne Magda-
lena Büchsen.
Cs grüste mich eine alte Fran/ich wüste nicht/ ob ich ibr dam
cken sollte/ fragte sie derohawen wer sic wäre? Ich/ sagte sie bin dis
Fran von Schöningen/ Schönöorff/ Schönegg/und Schöubühe! /
s ist wol lieber sagen von Schönübel. O GOtt! S GOtt! aab ich
z ^Antwsrr/ihr die Frau von Schönmgen?das ist ja nicht möglich/
ich hab sie vor diesem gekennt/da sie eine andere Gestalt gehabt/ wer
llat ihrumb GOtteswillen die schöne Gestalt also genommen? dis
Z- it/sagt sie / die Zeit seuffzet sie / die Zeit/weinet sie. O Zergäng-
lichs Schönheit! auf solche Weiß Heist es/ heut eine schone Frau/ bald
Qst 2 aber
loading ...