Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

Page: 366
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/abraham1713/0536
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
; 6; Die verlogene Närrin.


heitmehrer/alsdie von denen Weibern aufgebracht/und beym lan-
gen Ermel herfür gezogen werden/ ja/ wann man von einer nur einen
Pfennig Mauth oder Zoll ablegen solle / glaub ich sicher / daß man
um dieses Geld eine tmmkizble Armee könnte auf dieBein bringen/
die gewiß über den Türchen mit sechsmal hundert tausend Mann wi-
schen könnte.
, D>e Poeten geben vor/daß die Weiber wegen ihrer Grwonhei't
zu lügen in Me isen seynd verwandelt worden / warum in Meisen?
Meisen pfeiffcn immer/und dieWciber seynd viel schlimmer/wann ei-
ner jetziger Zeit zu einer jedwedem Weiber Lug pfeiffen solle / so mä-
ste einer stätS ein gespitzigesMaulmachcn/dan kein Land/keinStand/
kein Waud/wo dergleichen Meisen nicht zu findenseynd/ und ist vfft
manche so unverschämt und erfahren in lügcn/daß wann sie ein langes
und breites daher gemacht/ sic fast selbst solches zu glauben bemüffiget
wird. Manche steht mir Lügen auf / geht mit Lügen aus / kommt
mit Lügen nach Hauß/ unblcgtsichmitLügen nieder/ wann sie auf-
steht/ wirb es heissen: sie hab eine rechte üble Nachtgehabt/ siehabe
nichts geschloffen / da sie doch geschnarchek/daß man hättevermeinen
können/eSwären drey Sägen beyeinanüer/die Bretter schnitten vor
ein gantzes Hauß / so künffrigsn Frühling solre aufgebauet werden/
fragt der Mann wie sie sich befinde ? wird sie sagen: sie sey übe! auf/
und dieses solang / bißihrMäglein ein paar warme Semmclein er-
schnappt hat/ gehet sie aus der Kirche»/ oderaufden Marckt / so wird
sie über den Mann also aufschneiöen / daß man meinte der Nero sel-
ber oder der Tyrann Domltianus wären gegen demselben nur Lech-
feigen und Heuschrecken / kommt sie nach Hauß / sofernfle ohngefähr
etwas aufder Gaffen gesehen oder gehört / so setzt sie wiederum etwas
barzu/ oder zwackt etwas davon/ daß die Sache durch ihre vermehrte/
oder gestümpelte Erzehluug gantz ein anders Ansehen bekommt. Ey
xfuy der Lügnerin !
Woherhaben dann die Weiber / daß sie so meisterlich lugen kön-
nen/bcffer/ als wann es gedruckt wäre? der Anfang kommet freylich
von der Schlangen in dem Paradeiß/ My Lügen hat die Schlangen
bc-
loading ...