Achelis, Hans
Die Katakomben von Neapel — Leipzig: Hiersemann, 1936

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V. ERKLÄRUNG DER TAFELN

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Über die Chronologie ist zu sagen: Die Decke ist
später als die Decken in den vorderen Räumen der er-
sten Katakombe (Taf. 2-4) und sie ist älter als Taf.
15-24, die ich unten Kap. 6 als „zweite Periode“ be-
zeichne. Da diese letztere ins vierte Jahrhundert ge-
setzt werden muß, so bleibt für das Kubikulum Taf.
7-15 nur das dritte Jahrhundert übrig. Ich erinnere
daran, daß die nebenan liegende „Grabstätte links vom
Eingang der zweiten Katakombe“ ebenfalls dem
dritten Jahrhundert angehört1. Das Bild aus dem
„Hirten“ des Hermas (Taf. 10) ist ein Zeichen hohen
Alters, aber im dritten Jahrhundert sehr wohl möglich.
Tafel 14
S. Gennaro. Grabstätte links vom Eingang der
2. Katakombe. Arkosol. Rückwand
Vgl. oben S. 43
Diese beiden, grob gemalten Blumenvasen im ersten
Arkosol links unten des Quergangs mögen eine Vor-
stellung von der Dekoration geben.
Tafel 15
S. Gennaro. 1. Katakombe. Hauptkorridor. 2. Arkosol
rechts. Korb mit Weinreben
Vgl. oben S. 41
Erwähnt von Jorio 70, Scherillo 108, Schultze 26.
Abbildung: Garrucci Tav. 93,1.
Breite etwa 1,75 m, Höhe etwa 75 cm ohne Rahmen.
Tafel 16
S. Gennaro. 1. Katakombe. Hauptkorridor. Erstes
Arkosol rechts. Pfauengrab
Vgl. oben S. 40
Erwähnt von Jorio 70, Bellermann 73, Aloe 284E,
Scherillo 108, Schultze 25 f.
Abbildung: AgincourtV, Tav. 11 n. 9; Bellermann
Taf. 2; Garrucci Tav. 92,2; Photo Parker 2150.
Maße: Höhe des Arkosols etwa 1,20 m, Breite etwa
1,80m. Vorderseite unten:
Breite der bemalten Fläche etwa 2,30 m, Höhe 85 cm.
Ein Arkosol der gewöhnlichen Form. Unter demselben
in der Mitte nachgeahmte Marmorinkrustation; r. da-
von scheint sich eine Zauntür zu öffnen. Auf beiden
Seiten steht - bewußt unsymmetrisch - ein nackter
geflügelter Erot. Das Grab ist mit breiten roten Strei-
1 Vpl. oben S. azff.

fen eingerahmt. L. davon eine schlanke Blumenvase,
aus der sich eine rote Girlande entwickelt, die sich
über dem Arkosol hinzieht, eingerahmt von grünen
Blätterstreifen. Das Ganze ist mit dünnen Linien
in eine Art Laube verwandelt, auf der 1. oben ein
Pfau in Seitenansicht gemalt, ist Auf der r. Seite ist
dasselbe anzunehmen.
In der Lünette des Arkosols steht, das Ganze be-
herrschend, ein radschlagender Pfau in Vorderansicht.
Auf dem Fußboden liegen abgeschnittene rote Blu-
men, wahrscheinlich Rosen. Aus der Mitte des Bogens
hängen zwei Schnüre von roten Girlanden nach r.
und 1. Von den Schnüren gehen zwei andere rote
Girlanden nach dem Erdboden, und neben ihnen zwei
große rote Früchte, die wie Ananas oder rote Rüben
aussehen, (aber natürlich keine wirkliche Ananas zum
Vorbild gehabt haben können). Auf den oberen Gir-
landen sitzt je ein Vogel. Der Pfau ist flankiert von
zwei roten Blumenkörben, gefüllt mit roten Blumen,
auf denen Vögel nisten. Die zahlreichen roten Klexe
oben, r. und 1. sollen wohl ebenfalls die Vorstellung
eines Reichtums an Blumen erwecken.
Die beiden tiefen Querschnitte rühren von späteren
Gräbern her. Ein römisches Vorbild fehlt. Am meisten
Ähnlichkeit hat das Bild der Cinque santi in S. Callisto.
Es ist ein Garten, in dem Pfauen eine besondere Rolle
spielen. Abb. Wilpert, Malereien, Taf. nof.
Tafel 17
S. Gennaro. 2. Katakombe. Hauptgalerie. 1. Kubi-
kulum links. Baldachingrab
Vgl. oben S. 45
Bei den Katakombenführern heißt es „Sepolcro de’
sacerdoti“.
Höhe des Bogens bis zum Fußboden etwa 2,65 m,
Breite in der Höhe der mensa etwa 2,20 m.
Unter einem Baldachingrab versteht man ein Arkosol,
das an seinen beiden Seitenwänden und an der Rück-
wand aus dem gewachsenen Felsen herausgeschnitten
ist, also nur unten und oben mit ihm zusammenhängt.
An den Seiten und an der Rückwand ist dann ein
Bogen ausgehauen, der dem vorderen Arkosolbogen
entspricht, so daß das Grab von allen vier Seiten zu-
gänglich ist.
Andere Baldachingräber sind auf Malta und in Si-
zilien nachgewiesen. Vgl. Jos. Führer und Victor
Schultze, Die altchristlichen Grabstätten Siziliens

8 Achelis, Katakomben von Neapel
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