Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

Seite: 102
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/agshd1868/0118
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
102

Seit dem 15. Jahrhundert hatte man das deßfallsige Verfahren
dahin abgeändert, „Alles vom Geständnisse der Angeschuldigten ab-
hängig zu machen, dieses aus alle Weise herbeizuführen, und darum
die Folter in Anwendung zu bringen."
Unter den Männern, die theoretisch die Hexenprozesse noch im
16. Jahrhundert zu rechtfertigen versuchten, war unter Andern auch
der protestantische Arzt Thomas Erast in Heidelberg (repetitio
äisputaUonis 6s 1awil8 ssu 8triAibu8. Basel, 1578.)
Unser gutes, fröhliches Heidelberg mit seinen lachenden Ge-
filden, mit seinem lebendigen Strom, mit seinen herrlichen, freien
Aussichten, mit seiner würzigen, labenden Luft, mit seinen lebens-
frohen Bewohnern, sollte denn auch der Schauplatz der Thaten dieses
finstersten und scheußlichen Aberglaubens sein. — Welch' ein Wider-
spruch !
Matthias von Kemnat, der Chronist und Cnplan Friedrichs
des Siegreichen, fängt seine Lebensbeschreibung dieses glorreichen
Fürsten mit einem wohlverdienten Lob- der Stadt Heidelberg und
ihrer Bewohner an. Es lautet:
In deutschen landen ist ein gegniß in den ingengen der berg,
nit ferre gelegen von dem Rein des konges der Wasser. Derselben
gegniß uff beiden seitten zwee berg uffgespitzet bis in den lufft, mit
ihren fiten und buhele lustig von der sonnen uffgang und fruchtbar
des weins, machend eine allerwunsamft thale; den der nbfluß des
Neckars, das gefilde netzende, macht frucht vol und gülden. Darin
ist ein statt gelegen, mechtig des krigs und uberflußigkeit des erdt-
reichs, ftetiglich getziert von außleuten und von heimischen, die do

Quellen zur bairischen und deutschen Geschichte, I, S. 7 und 8. In
neudeutscher Sprache: In Deutschland liegt beim Eingänge in das Gebirge eine
Gegend nicht fern vom Rhein, des Königs der Flüsse. In dieser Gegend sind
auf beiden Seiten zwei Berg hoch in die Luft aufgespitzt, deren Seiten und
Hügel lustig von der ausgehenden Sonne beleuchtet werden, fruchtbar sind an
Wein und ein wundersames Thal bilden. Denn der Neckar, der das Gefilde
durchströmt und benetzt, macht volle und goldene Frucht. Darin ist eine Stadt
gelegen, kriegsmächtig und weit ausgedehnt, stets geziert von Fremden und Ein-
heimischen; sie wird von den Beeren eines kleinen Gewächses von den Deutschen
Heidelberg genannt und darf mit den andern darum liegenden Städten nicht
loading ...