Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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eigene Ironie des Schicksals angesehen werden, daß der Aberglaube
dem „schönen und zarten Geschlechtes den Frauen ganz vorzugsweise
jene dämonische Macht zuschrieb.
Die Kirche hat zwar im Allgemeinen die argen Thorheiten des
Hexenglaubens ursprünglich verdammt; es fehlte aber auch nicht
an Autoritäten, welche ihn später bestätigten;") ja die Hexen-
prozesse dieser späteren Zeit, die gewöhnlich mit dem Hexenver-
brennen endigten, sind ein offenbares Zeugniß dafür, daß die Kirche
im Großen und Ganzen an die Existenz und die dämonische Wirk-
samkeit dieser armen Wesen glaubte.") Die kirchlichen Würden-
träger hatten bei den Verfolgungen dieser Hexen allerdings noch
einen andern Zweck im Auge: unter dem Deckmantel des Hexenpro-
zesses betrieben sie die Inquisition gegen die Ketzer; denn derselbe
Mönchsorden, der sich die Ketzerausrottung zur Lebensaufgabe
gemacht hatte, die Dominikaner, waren zugleich vorzugsweise die
Hexenrichter.")
Vergessen darf hiebei nicht werden, daß die der Hexerei Ange-
klagten meist wirkliche Verbrechen begangen hatten, z. B. Giftmischerei,
Kindsmord, Betrug u. s. w. Vor dein 15. Jahrhundert war dieses
meist der Fall; erst von dieser Zeit an ist in Deutschland eine wahre
Hexenepidemie airsgebrochen. Nicht bloß die katholische Kirche, son-
dern auch die protestantische machte sich der Hexenprozeffe schuldig;
Letztere hatte vornehmlich das wenig löbliche Verdienst, diese an die
weltlichen Richter zu verweisen.

Papst Johann XXII. (1316—1334) befahl zu glauben, daß gewisse Leute
Andere behexen können, und ließ den Bischof von Lahors von vier Pferden zer-
reißen, weil dieser ihn durch Zaubermittel habe umbringen wollen. Sismonäi,
proois äo 1'Nist. äos I. 427.
^) Papst Jnnocenz VIII. erließ 1484 eine Bulle, in der er das Vorhanden-
sein des Zauberwesens aus der hl. Schrift, aus den canonischen und bürgerlichen
Rechten beweist und in welcher er diejenigen für Ketzer erklärt, die es leugnen-
148^ erschien in Köln ein Buch, „ma11eu8 malsLoarum", d. h. Hexen-
hammer, verfaßt von zwei Dominicanern, welche als päpstliche Ketzer- und Hexen-
richter in 5 Jahren 48 Weiber als Hexen aus den Scheiterhaufen brachten; in
diesem Buche wird das ganze Hexenwesen in ein System gebracht.
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